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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Marlin Schwerdtfeger: Café Saratoga
Jetzt bestellen bei amazon.de! Polen, Mitte der Achtziger Jahre: Jeden Sommer besuchen die beiden Schwestern Sonja und Majka ihren Vater auf der Halbinsel Hel in der Danziger Bucht. Kazik Herrmann, deutschstämmiger Pole und im folgenden immer liebevoll Tata genannt, betreibt dort das Café Saratoga ,eine eher triste Spelunke. Doch für die beiden Teenager wird es der Mittelpunkt der Welt. Hier beobachten sie Land und Wasser, Wolken und Menschen, hier tun sie die ersten Schritte in die Pubertät. Ein vordergründig heiteres Sichtreiben-Lassen,, das zunächst an die Kindheitsidyllen bei Astrid Lindgren erinnert. Doch das polnische Bullerbü zeigt bald Risse. Die Eltern sind längst geschieden, die Mutter eine depressive, nörgelnde Person, die auf ihre Vergangenheit fixiert ist, sich weder von ihrem verheirateten Geliebten noch vom Exmann lösen kann. Der Vater ist ein Suffkopp und unverbesserlicher Frauenheld, der seine Kellnerinnen schwängert und das Café zeitweise zum Puff umfunktioniert. Tatas Vitalität und sein schlitzohriger Charme wirken unwiderstehlich auf seine Umwelt- und auf Sonja, aus deren Perspektive das Ganze erzählt wird. So erklärt sich auch die abgöttische Liebe, die das Mädchen ihrem Vater entgegenbringt, aus dem Kontrast zwischen der trostlosen Mutter und dem stets zu Verrücktheiten aufgelegten Vater, zwischen der grauen Alltagsrealität in Gdingen und der sorglosen Ferienwelt. Doch zwischen den Zeilen erkennt der Leser, viel früher als Sonja, die Abgründe: Tata ist auch ein Macho, der seine Exfrau immer noch „Sekretärin“ nennt, der jeder, die ihm nahesteht, mit seiner Egomanie erdrückt. Sein Traum ist die Ausreise nach Westdeutschland, das er schlicht „Bundes“ nennt. Bundes wird zum Land der Verheißung, und als kurz vor dem Fall der Mauer die Ausreisebestimmungen gelockert werden, bricht er mit einem Touristenvisum gen Westen auf. Die Restfamilie zieht nach. Tata ist zunächst Arbeiter bei Mercedes, wird entlassen, nimmt andere Jobs an, die er bald wieder verliert, weil er zu viel klaut. Er wohnt in einem schäbigen Sozialbau in Bremen, wo es im Aufzug nach Erbrochenen stinkt. Seine freie Zeit verbringt er vorzugsweise in der bunten Welt der Bau-und Discountmärkte. Fest entschlossen, sich den Traum von „Bundes“ nicht vermiesen zu lassen, nimmt er sogar eine Stelle als Putzmann bei einem Zahnarzt im heimelig-großbürgerlichen Kunsthandwerkerdorfidyll Worpswede an...

Für die Mädchen bedeutet der Umzug Abschied vom „Paradies“ der Kindheit, Neuorientierung in einem fremden Land, Erwachsenwerden und Lösung vom Vater. Während die Mutter immer tiefer in Depressionen versackt, gelingt es Sonja mit Hilfe ihrer neuen Freundin Jane, sich allmählich zurechtzufinden. Doch es bleibt eine gewisse Sehnsucht nach der alten Heimat, auch wenn diese am Ende als Illusion erkannt wird. Als die beiden jungen Frauen nach der Öffnung der Grenzen erneut nach Polen aufbrechen, ist das Café Saratoga nur noch ein Ort der Erinnerung.

Ähnlich wie in ihrem Erzählband „Leichte Mädchen“ bedient sich die Autorin auch hier eines eigenwilligen, poetischen Erzählstils, der Menschen und Dinge für den Leser sinnlich erfahrbar macht und seine Phantasie beschäftigt. Was aber in den Erzählungen sehr bunt und leichtfüßig wirkt, fließt im Roman zuweilen etwas träge dahin. Das Leben, ein Road-Movie, immer unterwegs (viele Abschnitte finden im Auto statt) Die Fixierung auf „Tata“, den man laut Klappentext „einfach lieben muß“ fand ich oft schwer verdaulich- auf solche urigen Vollblutmachos stehe ich nicht. Doch alle Figuren sind glaubwürdig und lebensnah- Schwerdtfeger, die nie in Polen gelebt hat, hat offenbar sehr genau im Aussiedlermilieu recherchiert. Und es ist ihre unverwechselbar schöne, leichte und immer von feiner Ironie durchsetzte Sprache, die dieses Buch trotz einiger Schwächen lesenswert macht.

Marlin Schwerdtfeger: Café Saratoga.
Verlag Kiepenheuer & Witsch, August 2001.
288 Seiten, gebundenes Buch.

Susanne Tank

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