Der Cousin im Souterrain
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Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Boris Koch: Der K√∂nigsschl√ľssel
Jetzt bestellen bei amazon.de! Willkommen im K√∂nigreich des Gl√ľcks. Die Hexen wurde von der Ritterschaft im Auftrag des mechanischen K√∂nigs ausgerottet, Frieden und Wohlstand herrschen seitdem im Reich. Mehr noch, es geht gerecht zu im K√∂nigreich. Daf√ľr sorgt neben dem mechanischen K√∂nig auch der Kanzler. Aufopfernd halten sie ihre Audienzen, sitzen zu Gericht und schlichten Streitigkeiten.

Einmal im Jahr aber muss der K√∂nig mit einem m√§chtigen Schl√ľssel aufgezogen werden. Diese hehre Aufgabe obliegt dem k√∂niglichen Hofmechaniker.

Wie jedes Jahr kommt auch diesmal dessen Tochter zum Ereignis in die Stadt. Auch wenn Vela erneut ihren Traum, bei ihrem Vater in die Lehre zu gehen nicht erreicht, bekommt sie dieses Jahr zum Trost ein Bonbon. Sie darf während der Zeremonie auf den königlichen Balkon und das Ereignis hautnah miterleben.
Unerwartet aber entwickelt sich das Fest zu einem Fiasko. Aus heiterem Himmel taucht ein riesiger Vogel auf, und entf√ľhrt den Schl√ľssel. Der K√∂nig wurde nicht aufgezogen, schweigt f√ľrderhin, das K√∂nigreich ist ohne F√ľhrung. Nun nicht ganz, √ľbernimmt doch der Kanzler kommissarisch die Leitung und entsendet auch gleich die vier siegreichen Ritter des k√∂niglichen Turniers, um den Schl√ľssel zur√ľckzuholen. W√§hrenddessen aber wird der Hofmechaniker eingekerkert, ja man droht ihn nach Ablauf eines Jahres hinzurichten. Als Vela dann entdeckt, dass es sich die Ritter, statt sich auf ihre Queste zu begeben in einem Wirtshaus gut ergehen lassen, ist ihr klar, dass sie selbst aktiv werden muss. Zusammen mit dem Schankjungen Cephei und dem sprechenden B√§renkriegers Urs macht sie sich auf die Hexe, die den Schl√ľssel entwendet hat zu suchen und sie zur Herausgabe zu zwingen ‚Äď wenn sie denn einmal die gefahrvolle Reise √ľbersteht ...

Boris Koch ist sp√§testens seit seinem Erfolg mit den Drachenfl√ľsterer, dessen Fortsetzung bei Heyne in Vorbereitung ist auch einem breiten Publikum bekannt. Mit vorliegendem Roman, der von Heyne erneut als preisg√ľnstiges Hardcover geedelt wurde, hat er sich eine Co-Autorin mit an Bord geholt, die allerdings auf dem Cover keine Erw√§hnung findet.

Inhaltlich schreitet er dieses Mal auf m√§rchenhaften Wegen. Mit einem jungen M√§dchen als Erz√§hlerin sendet er seine √ľberschaubare Heldentruppe aus, eine Queste zu bestehen. F√ľr einen guten Zweck ‚Äď der Rettung des unschuldigen Hofmechanikers - m√ľssen sie finstere, verwunschene W√§lder durchqueren, sich mit Hexen auseinandersetzen, einen Schrottfluss √ľberwinden, eine verwunschene Stadt durchschreiten und einen Lavastrom mittels eines H√∂hlensystem unterqueren.

Das hat alles, was eine faszinierende Geschichte f√ľr Alt und Jung braucht ‚Äď und mehr. Geschickt spielt er mit √ľblichen Versatzst√ľcken ‚Äď die mutigen Ritter, die sich lieber in der Herberge bei Wein, Weib und Gesang vergn√ľgen anstatt sich auf ihre Mission zu begeben, der ehrbare Tiermensch, dessen Moral untadeliger ist als die der Adeligen, der verfressene Elf das sind alles ein wenig andere Personen, als man sie sonst gewohnt ist.

Dazu gesellen sich im wahrsten Sinne des Wortes phantastische, ja beklemmende Orte ‚Äď der Schrottfluss aber auch die verlassene Stadt sind solch markante, das Buch pr√§gende Einf√§lle. Und auch die L√∂sung des Konflikts kommt ein wenig anders daher, als erwartet.

Dennoch erreicht der Roman nicht ganz das Niveau des Drachenfl√ľsteres. Trotz aller Imagination blitzt Kochs St√§rke, sich ungew√∂hnliche Handlungsorte und Abl√§ufe einfallen zu lassen zu selten auf.
Was bleibt ist ein interessanter, kurzweilig zu lesender Fantasy-Roman, der jedoch zu sehr dem Gewohnten behaftet bleibt, als dass er Boris Kochs Stärken wirklich herausstellt. Da entschädigen auch die sehr stimmungsvollen Innenillustrationen nur wenig.

Boris Koch: Der K√∂nigsschl√ľssel.
Heyne, Mai 2009.
392 Seiten, Taschenbuch, 13 Euro.

Carsten Kuhr

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