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Iny Lorentz: Die Rose von Asturien
Jetzt bestellen bei amazon.de! Roderich, Grenzgraf von Asturien (nordwestliches Spanien), ist sauer. Immer wieder schafft der WaskonenhĂ€uptling Iker es, ihm Schafe zu stehlen. Das muss ein Ende haben. Okin, Ikers Schwager verrĂ€t diesen an die Asturier, und sorgt dafĂŒr, dass die Asturier Ikers achtjĂ€hrige Tochter Maite mitnehmen. Sein Weg zur Macht ist somit frei von Hindernissen. Doch Maite passt es gar nicht, als Magd Roderichs Tochter Ermengilda zu dienen und von der Beschließerin der Burg PrĂŒgel einzustecken. Noch in der ersten Nacht befreit sie sich und schafft es in ihr Dorf zurĂŒck.

Zehn Jahre spĂ€ter. Okin ist HĂ€uptling. Aber Maite kann ihm gefĂ€hrlich werden, wenn sie heiratet. Als Nachfahrin der Blutlinie der HĂ€uptlinge, der Iker angehörte, bekĂ€me ihr Ehemann die Macht. Okin zerbricht sich den Kopf darĂŒber, wie er das verhindern kann.

Zur gleichen Zeit rĂŒstet im FrĂ€nkischen Reich König Karl zum Feldzug gegen die Mauren in Spanien. Konrad vom Birkenhof, ein junger Krieger, zieht mit dem Aufgebot seines Dorfes los und stĂ¶ĂŸt zum Heer. Dort wird Karl auf ihn aufmerksam und teilt ihm eine besondere Aufgabe zu.

Maite erfĂ€hrt indessen, dass Ermengilda, zur schönen jungen Frau herangereift, mit einem Verwandten König Karls verheiratet werden soll. Zehn Jahre lang hat sie ihren Hass auf die Asturier gehegt. Sie wittert Rache und beschließt, die Rose von Asturien, wie Ermengilda genannt wird, zu entfĂŒhren. Jetzt soll die Feindin ihr dienen.

Das ist ein kurzer Anriss der Hauptpersonen und HandlungsstrĂ€nge. „Die Rose von Asturien“ ist ein komplexes Buch, mit vielen Figuren und interessanten NebenschauplĂ€tzen. Dass man den Faden nicht verliert, dafĂŒr sorgt einerseits ein Personenverzeichnis. Andererseits verweben die beiden Autoren, die unter dem Pseudonym Iny Lorentz historische Romane schreiben, ihre HandlungsstrĂ€nge so geschickt, dass man nie eine Figur aus den Augen verliert und nachblĂ€ttern muss, wo man sie zurĂŒckgelassen hat.
Der Leser erhĂ€lt spannende Einblicke in die politische Situation des Spaniens des Jahres 778. Die Mauren beherrschen weiter Teile des Landes. Die Asturier und die Waskonen, die ihre UnabhĂ€ngigkeit mit Klauen und ZĂ€hnen verteidigen (sie sind die Vorfahren der Basken, und beim Lesen musste ich oft an die heutigen UmstĂ€nde denken) kĂ€mpfen um die Vorherrschaft im Nordwesten. Vermeintliche VerbĂŒndete König Karls halten ihre Zusagen nicht ein oder wechseln die Seiten.

Der Leser erlebt den Spanienfeldzug hautnah mit, dabei wird das SchlachtgetĂŒmmel nie zu lang oder unnötig grausam dargestellt. Die interessantesten Elemente des Romans liegen fĂŒr mich jedoch in der Konstellation der Protagonisten und der zwischenmenschlichen Konflikte. Maite und Ermengilda, verbitterte Feindinnen, die durch die UmstĂ€nde zur Zusammenarbeit gezwungen werden, sorgen fĂŒr knisternde Spannung. Maite ist dabei die aktivere Figur mit Ecken und Kanten, der Roman hĂ€tte genauso gut „Die Waskonin“ oder „Die Tochter des HĂ€uptlings“ heißen können. Ich gebe allerdings zu, der gewĂ€hlte Titel klingt schöner. Das Coverbild eines GemĂ€ldeausschnitts (abgeschnittene Dame in der derzeitigen Trendfarbe Rot, mit Rose in der Hand) ist ein Blickfang.

Als besonders gelungen empfand ich, dass das Rolandslied und die Schlacht von Roncesvalles in die Handlung eingebaut und mit prallem Leben gefĂŒllt sind. Selbst das berĂŒhmte Signalhorn wird erwĂ€hnt. Eingeweihte mögen wissen, wovon ich spreche. Den anderen möchte ich nichts verraten, es wĂŒrde zuviel vorweg nehmen. (Kleiner Tipp: Lesen Sie erst das Buch, und sehen Sie dann im Wiki nach).
Nach der LektĂŒre stellte ich mir einmal mehr die Frage, wie die Welt heute aussĂ€he, hĂ€tte Karls Reich gehalten. HĂ€tte es weniger Kriege gegeben, wĂ€re Europa schneller entstanden? Das werden wir nie wissen.

Ach ja, bevor ich es vergesse: NatĂŒrlich kommt auch die Liebe in dem Roman nicht zu kurz, wenn sie auch manche verschlungene Pfade gehen muss, um zur ErfĂŒllung zu finden.
Fazit: Ein gelungener Roman, spannende Lesestunden. Außerdem ist eine Weiterentwicklung der Autoren seit ihren ersten Romanen spĂŒrbar, in der Wahl der komplexen Themen, in der Ausarbeitung der Konflikte, in dem perfekt recherchierten Hintergrund, der aber nie die Handlung behindert oder den Leser mit unwichtigen Details fĂŒttert. Sehr gut gefallen hat mir auch der kurze Sachtext am Ende des Romans, der den historischen Hintergrund aufgreift und erlĂ€utert.

Iny Lorentz: Die Rose von Asturien.
Knaur, August 2009.
873 Seiten, Hardcover, 19,95 Euro.

Susanne Ruitenberg

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