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Frederik Pohl und Cyril M. Kornbluth: Eine Handvoll Venus (1952)
Jetzt bestellen bei amazon.de! Die übervölkerte Welt der Zukunft liegt in den Händen der Industrie mit ihren Werbeagenturen. Werbung ist das Maß aller Dinge für die unmündigen Konsumenten, deren Nahrungsmittel und Getränke mit Drogen versetzt sind. Die Bindung an die Produkte eines Unternehmens fängt mit der Kindheit an und hört erst mit dem Tod auf. Mitchell Courtenay ist einer der erfolgsreichsten Texter der Schocken Inc., und er ist Leiter der Venusmission. Mit der Kolonisierung soll eine neue Epoche der Vermarktung erreicht werden, Fließbandplaneten würden im ganzen Sonnensystem entstehen.

Bevor es jedoch dazu kommt, wird Courtenay entführt, findet sich plötzlich selbst als ausgebeuteter Verbraucher auf einer Algenfarm wieder und erhält Kontakt zu der Widerstandsgruppe, den Consies, die dem bedingungslosen Kommerz abgeschworen haben.
„Eine Handvoll Venus“ erschien 1952 als Fortsetzungsroman in dem Galaxy Science Fiction Magazin und 1953 als Buch. Stilistisch wie auch in der Charakterdarstellung ist die Geschichte nicht bemerkenswert, zumal die Autoren mit einem unpassenden Happy End aufwarten. Dem durchaus unterhaltsamen Roman kommt jedoch eine herausragende Bedeutung als Sozialkritik zu.
Frederik Pohl und Cyril M. Kornbluth verfassten „Eine Handvoll Venus“ zu einer Zeit, als in den USA unnachgiebig Mitglieder (Commies) der Kommunistischen Partei, ihrer Sympathisanten und Unbeteiligte verfolgt, sie wurden vor Ausschüsse zitiert und mit haltlosen Anschuldigungen konfrontiert. Während dieser nach Senator Joseph McCarthy benannte Ära von 1947 bis 1956 galt die Science Fiction, so kritisch sie auch sein mochte, als realitätsfern und geriet kaum in den Verdacht subversiv zu sein. Dabei ist dieser Roman eine beißende Satire auf den ungezügelten Kapitalismus. Bereits die ohne jeden Beweis ausgesprochene Beschuldigung, ein Mitglied der Consies zu sein, führt zu Gefahr für Leib und Seele.

„Eine Handvoll Venus“ zeigt aber auch aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht ein generelles Problem bei der Gestaltung der Marktwirtschaft auf. Die Konzerne besitzen zu viel Marktmacht, bestimmen frei über die Politik und geben die Regeln selbst vor, während der Staat den Rechtsrahmen der Marktform zu lange nicht den dynamischen Wirtschaftsprozessen anpasste. Pohl und Kornbluth beschreiben die Aushebelung des vollkommenen Wettbewerbs auf, einem System, für das die USA beispielhaft stehen wollen. Das geschieht hier in einer extremen Form, aber das darf darüber nicht hinwegtäuschen, dass es in der Wirklichkeit etliche Beispiele gab, wie der Einsatz von Abhängigkeit erzeugenden Zusatzstoffen bei der Zigarettenproduktion. Bereits der Nationalökonom Walter Eucken sprach sich dafür aus, dass nicht eine Minderheit sondern alle Bürger über den Preismechanismus die Wirtschaft lenken können. Der Staat soll die Spielregeln festsetzen, während Unternehmen und Verbraucher gleichberechtigte Spieler sind.
Dass das bei Pohl und Kornbluth nicht der Fall ist, wird jedem Leser sofort klar. Die Verbraucher sind in einem Kreislauf aus abhängig machenden Produkten gefangen. Von einer Konsumentensouveränität zu sprechen ist nur noch eine Farce. Wie der Medienexperte Neil Postman später über die Wertmaßstäbe bestimmenden Medien schrieb, so gestalten die von Künstlern entworfenen Botschaften die soziale und intellektuelle Umwelt, indem sie auf das Unterbewusstsein wirken. Diese Erkenntnis kommt der Figur Mitchell Courtenay erst durch seine erzwungene Arbeit in den unteren Schichten. Aus damaliger und heutiger Sicht haben Courtenays Worte einen wahren Kern, der bei manchen Empörung hervorrufen kann: „Die Interessen von Produzenten und Verbrauchern sind nicht identisch. (…) Arbeiter finden nicht automatisch die für sie am besten geeignete Beschäftigung. Unternehmer halten die Regel „hart, aber fair“ nicht ein. Die Consies sind normal, intelligent und gut organisiert.“
„Eine Handvoll Venus“ ist ein intelligenter und amüsanter Roman, ohne gleich ein Manifest zu sein. Frederik Pohl und Cyril M. Kornbluth zeigen, dass bereits während des Golden Age der Science Fiction und vor der New Wave kritische Romane möglich waren.

Frederik Pohl und Cyril M. Kornbluth: Eine Handvoll Venus (1952).
Heyne, 2008.
304 Seiten, Taschenbuch, 8,95 Euro.

Ulrich Blode

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