Wellensang
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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Martin & Maho Clauß: Das Blut des Tako
Jetzt bestellen bei amazon.de! Als die fĂŒnfzehnjĂ€hrige Saya zusammen mit ihrer Mutter in das gottverlassene Dorf im Norden Japans fĂ€hrt, in das ihr Vater versetzt wurde, ahnt sie noch nicht, dass ein Fluch auf ihr liegt. Als ein Lenkdrache auf die Windschutzscheibe stĂŒrzt und ihr Auto im Graben landet ahnt sie, dass die nĂ€chste Zeit nicht leicht fĂŒr sie werden wird. Das MĂ€dchen, das den Drachen hat steigen lassen kommt ihr eigentlich ganz sympathisch vor. Doch was meint sie nur damit, dass sie und ihre Familie in Inogi, der Stadt der Takos, der Drachen nicht willkommen sind?

Als Verantwortlicher fĂŒr die Windkraftanlage im Dorf ist ihr Vater schon vor Wochen angereist. Als sie dann die Bruchbude, die fĂŒr die nĂ€chsten Monate ihr Heim sein soll zur Gesicht bekommen, können sie ihren Augen kaum glauben. Selbst beim Einkauf werden sie geschnitten, nur das MĂ€dchen, das den Unfall verschuldet hat zeigt sich zunĂ€chst freundlich. Anscheinend glauben die Dorfbewohner, dass Sayas Vater dafĂŒr verantwortlich ist, dass der sonst bestĂ€ndig, das ganze Jahr ĂŒber wehende Wind kurz vor dem Drachenfest aussetzt – verrĂŒckt, oder?

Saya macht sich auf die Suche nach den Verantwortlichen der Rufmordkampagne. Nach und nach besucht sie alle vier Drachenbauer des Ortes, ja macht sogar die nĂ€here Bekanntschaft eines der Söhne der Handwerker. Dabei hilft es ihr, dass sie eine Naturbegabung fĂŒr Drachensteigen ihr Eigen nennt. Immer deutlicher wird, das es bei dem Drachenfest nicht mit rechten Dingen zugeht. Menschen erheben sich in die LĂŒfte, Drachen entwickeln ein eigenes Leben und die Vergangenheit verbindet sich mit der Zukunft ...


Drachen, Windzither, wie sie in China genannt werden wurden im antiken Japan als Boten fĂŒr Nachrichten an die Götter, spĂ€ter zur Übermittlung von Mitteilungen und zum Auskundschaften des Gegners genutzt, sind faszinierende GerĂ€tschaften. Die Meisterwerke aus Wind und Tuch, die TĂ€nzer, die mit dem Wind spielen, ein Ding aus Haut und Knochen ohne Fleisch und Blut, wie sie im Japanischen so malerisch und treffend heißen stehen ganz im Zentrum eines – endlich einmal – ganz anderen, ungewöhnlichen Fantasy-Romans.

Schon mit ihrem ersten gemeinsamen Buch, „Die Saat des Yîkai“ (ebenfalls bei Ueberreuter) vor rund zwei Jahren machte das Autorenehepaar aus Esslingen am Neckar auf sich aufmerksam. Damals ließen sie das alte Japan der Kaiserzeit auferstehen, mixten geschichtliche Fakten mit einer magischen Handlung.

Dieses Mal siedeln die Beiden ihren Plot in der Jetztzeit an. Behutsam, fast gemĂ€chlich und in der RealitĂ€t fußend entwickeln sich die unerklĂ€rlichen, ĂŒbernatĂŒrlichen Aspekte erst im Verlauf der Zeit. Bis dahin lĂ€sst uns insbesondere die gehbĂŒrtige Japanerin Maho Clauß in eine Kultur und eine Lebensart hineinschnuppern, die uns Westlern gĂ€nzlich fremd ist. Da blitzt eine ganz unbekannte Denkweise auf, das birgt große AuthentizitĂ€t und Überzeugungskraft. UnwillkĂŒrlich glaubt man an der Seite unserer Protagonistin ins Dorf einzuziehen, die unverdiente Ablehnung hautnah zu spĂŒren, und zu den bei Japanern unumgĂ€nglichen Teezeremonieren eingeladen zu werden.

Nach und Nach erfahren wir mit unserer Heldin mehr von der Geschichte der Drachen und des Dorfes, kommen wir dem Geheimnis um die VorgÀnge und dem zugrundliegenden Fluch auf die Spur.

Dass Saya, die zunĂ€chst als rebellierender, sich im eigenen Körper nicht recht wohl fĂŒhlender Teenager dargestellt wird Probleme mit sich, ihren Eltern und der Situation hat, ist nachvollziehbar. Ihr Suche nach sich selbst, die behutsam sich entwickelnde Beziehung zu einem Jungen, die Rebellion gegen elterliche AutoritĂ€t sind nachvollziehbar und einfĂŒhlsam aufbereitet. In dieses GerĂŒst aus realen Sorgen haben die beiden Autoren ihre in jeglicher Hinsicht ungewöhnliche und ĂŒberraschende Handlung eingebettet. Das ist neu, das ist anders, ungewohnt und gerade deshalb eine LektĂŒre wert.

Martin & Maho Clauß: Das Blut des Tako.
Ueberreuter, Juli 2009.
400 Seiten, Hardcover, 16,95 Euro.

Carsten Kuhr

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