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Arne Dahl: Totenmesse
Jetzt bestellen bei amazon.de! Im Gegensatz zu Dan Browns Illuminati oder Sakrileg und ähnlich mystischer- und pseudowissenschaftlicher Prosa, ist hier der Plot nicht weiter ärgerlich. Wenn es auch um die - oder eine der sogenannten Weltformeln geht, ohne die die Menschheit angeblich nicht zu retten ist. In diesem Fall "Energie" - ist ja immer angesagt. Und am Ende des Tages verpufft alles, weil irgendwer den Wert der Formel nicht erkannt hat und das Papier, auf dem der Weg der Menschheit in eine rosige Zukunft aufgezeichnet war, mangels Tabak, weggeraucht wird.

Hört sich hanebüchen an, oder? Aber nicht bei Arne Dahl. Nach wie vor ist er mein absoluter Favorit der - fast unüberschaubaren Zahl - nordischer Krimiautoren. Er ist einfach der Analytischste von allen, mit einer gehörigen Portion Wut auf die gesellschaftliche Dynamik im Allgemeinen und ihrer Auswirkung auf die Polizeiarbeit (und hier in Schweden) im Besonderen. Immer wieder spickt er punktgenaue, politische Statements von unbestechlicher Logik in seine intelligent aufgebauten Krimis ein, die wiederum mit dem jeweiligen Fall und den eifrigen Akteuren im Polizeidienst, korrespondieren. Und es ist schön mit denen älter zu werden; Paul, Kerstin, Arto Viggo, Lena, Gunnar und was weiß ich. Wie es sich für einen anständigen nordischen Krimi gehört, fangen die Handlungsstränge so an, dass man sich eigentlich nicht vorstellen kann, wie die und ob die überhaupt irgendwann zusammenfinden.

Aber da kann man sich schon sicher sein. Die Spezialeinheit der Polizei in Stockholm, das sogenannte A-team, steht vor einem, nein, mehreren Rätseln. Unversehens wird aus einem Banküberfall mit Geiselnahme ein Fall mit weltpolitischer Dimension, der kalte Krieg, der Kessel von Stalingrad, die ganze Agentensuppe, die nach dem Mauerfall oder früher, sich neu orientieren muss. Und vieles interessantes mehr. Und wieder mal muss ich mir von Dahl Weltgeschichte erklären lassen und ich weiß verdammt noch mal nicht, warum ich das nicht wusste. Wurde uns das in der Schule vorenthalten? Ist der Hitler- und der Naziwahnsinn zu sehr mit der Judenvernichtung und den Weltmachtansprüchen einer hirnlosen Nazi-Elite verbunden? Dahl klärt auf: der zweite Weltkrieg wurde von Hitler begonnen zur Erlangung der Vorherrschaft im Energiebereich. In der Region um Stalingrad wurden damals Ölreserven vermutet, oder schon gefördert, mit der Hitler seinen Weltwahn zementieren wollte.

Also nichts anderes als heute, siehe Golfkriege, etc.. Der erste Weltkrieg wurde verloren (nach Nazimeinung), weil Benzinnachschub für die Panzer ausblieb. (Wir hatten ja nichts) Ja, ich gebe zu, diesen Teil der Geschichte kannte ich nicht. Das über dem Kessel von Stalingrad die Luft vor Russ und von den brennenden Ölquellen nicht mehr atembar war und die Sonne auf Monate verdunkelte, ich wusste es nicht. Es kommt auch, glaube ich, in den Filmen über Stalingrad gar nicht vor. Sei` s drum. Totenmesse ist wieder mal ein spannendes Werk von Arne Dahl und absolut empfehlenswert.

Arne Dahl: Totenmesse.
Piper, Februar 2009.
416 Seiten, Hardcover, 19,95 Euro.

Fred Ape

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