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Susanne Ruitenberg und Julia Breitenöder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
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Philip Roth: Der menschliche Makel
Jetzt bestellen bei amazon.de! Wir schreiben das Jahr 1998. Ganz Amerika zerreißt sich den Mund ĂŒber die Clinton-Lewinsky-AffĂ€re. Der PrĂ€sident darf im Amt bleiben. Nicht so Coleman Silk, angesehener Professor fĂŒr Altphilologie an der UniversitĂ€t Athena im Osten der USA. Halb im Scherz hatte er zwei Studenten, die permanent seine Seminare schwĂ€nzten, als „Dunkle Gestalten“ bezeichnet. Diese sind zufĂ€lligerweise schwarz und mißverstehen seine Bemerkung grĂŒndlich. Politisch hyperkorrekte Mitarbeiter zwingen Silk kurz vor der Pensionierung zum RĂŒcktritt. GedemĂŒtigt zieht er sich zurĂŒck. Erst als er die Putzfrau und Melkmagd Faunia Farley kennenlernt, ĂŒberwindet er seine Verbitterung und beginnt eine sexuell intensive AffĂ€re- es ist auch das Jahr von Viagra. Und wieder weckt er ĂŒberall Ablehnung...

Roth vermeidet Sozialkitsch. Eine große Liebesgeschichte zwischen zwei Ungleichen, die gegen die Konventionen der Gesellschaft kĂ€mpfen, wird nicht daraus. Faunia, vom Leben schwer gebeutelt, vom Stiefvater mißbraucht, vom prĂŒgelnden Ehemann, einem traumatisierten Vietnam-Veteranen, verfolgt, glaubt nicht an Liebe, will nicht mehr als gelegentlichen Sex. Sie kann kaum lesen und schreiben, ist aber keineswegs dumm, sehr praktisch dem Leben zugewandt- im Gegensatz zu der abgehobenen feministischen Intellektuellen Delphine Roux, einer Dozentin, die in Faunia nur das hilflose Opfer eines alten Lustmolches sehen kann. Nein, nicht Liebe ist das zentrale Thema des Romans, sondern der große Makel., die eigentliche „Leiche im Keller“, die fĂŒr Coleman Silk schwerer wiegt als alles andere: Er, der angebliche Jude, ist in Wirklichkeit ein Schwarzer. Spannend und menschlich bewegend fĂŒhrt uns der Autor eine Lebensgeschichte vor Augen, die geprĂ€gt ist von der Zerrissenheit eines Menschen zwischen seinen Wurzeln und seinem Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung. In RĂŒckblenden erleben wir Colemans Trennung von der Familie, seinen Aufstieg, aber auch Ängste und Zweifel, die ihn niemals loslassen.

FĂŒr uns heutige Leser, fĂŒr die „Multikulti“ oft zum Alltag gehört, mag es zunĂ€chst schwer nachzuvollziehen sein, wieso ein hellhĂ€utiger Mensch, dem man die afroamerikanische Herkunft kaum noch ansieht, diese als so belastend empfindet, daß er ein Leben in LĂŒge vorzieht, immer in der Angst, der „negroide“ Einfluß könnte bei Kindern und Enkelkinder wieder durchschlagen. Um dies zu verstehen, muß man sich die von extremen Rassismus geprĂ€gte amerikanische Gesellschaft der 50er und 60er-Jahre vor Augen halten. In dieser Zeit, in der z.B. in Schulen schwarze und weiße SchĂŒler durch Mauern getrennt waren, reichte bereits ein geringer Anteil „schwarzes Blut“, um Freundschaften und Karrieren zu zerstören. (An dieser Stelle sei an einen realen Fall erinnert- der bekannte Literaturwissenschaftler Anatole Broyard, ĂŒber den ich in der Rezension zu „VerrĂŒckt nach Kafka“ schrieb, verschwieg bis zu seinem Tode seine Herkunft- vielleicht diente er Roth als Vorbild)

Immer wieder stellen sich neue Fragen, versucht der Autor, die Motive seines Protagonisten auszuleuchten, doch vieles muß offen bleiben. Coleman nimmt sein Geheimnis mit ins Grab.

Ein packendes Bild der amerikanischen Gesellschaft gestern und heute, die SaubermĂ€nner und Heuchler erscheinen lediglich in anderem Gewand. Beklemmende Nebenhandlungen werden eingeblendet, z.B. die Selbsthilfetreffen der Vietnam-Veteranen. Lebendige, glaubwĂŒrdige Figuren, mit denen der Leser sofort „mitgeht“- das alles macht dieses Buch zu einem seltenen Lesegenuß, und dank Roths herausragenden ErzĂ€hltalent wird es trotz seitenlanger innerer Monologe nie langweilig.

Philip Roth: Der menschliche Makel.
rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, Oktober 2003.
400 Seiten, Taschenbuch.

Susanne Tank

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