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David Drake: Mission auf Kostroma - Lt. Leary 01
Jetzt bestellen bei amazon.de! Military SF ist einer der wenigen Zweige, in denen die SF verkaufsm├Ąssig noch Zuw├Ąchse verzeichnen kann. Scheinbar ├╝ben die Geschichten um die ┬╗Landser im Weltall┬ź mit ihren vermeintlich einfachen Konfliktl├Âsungen nach wie vor enorme Anziehungskraft auf die Leser aus. Die Fans dieser Spielart schl├╝pfen gerne in die Charaktere, die allen Widrigkeiten und Chancen zum trotz selbst aus heikelsten Situationen als Gewinner hervorgehen. Verbunden mit einer oberfl├Ąchlich hochtechnischen Umgebung, die sich, schaut man sich die Szenarien einmal genauer an, aber lediglich als verklausulierter Abzug einer grossen Kanone entpuppt, triumphiert der Leser mir seiner charismatischen Figur.

Ich will gar nicht leugnen, dass derartige Stories ihren eigenen Reiz haben. Angefangen von E.E. Doc Smith, ├╝ber K. H. Scheer, Lois McMaster Bujold, John Ringo bis zu David Weber reicht die Palette entsprechender Zyklen. Die allermeisten dieser Reihen sind zwischenzeitlich in ├ťbersetzungen erh├Ąltlich, die Nachschub wird rar. So liess mich vorliegender Roman, der im Original bereits 1998 erschienen ist schlimmes ahnen. Wenn die Geschichten um ┬╗Lt. Leary┬ź in den neun Jahren die seit ihrer Ver├Âffentlichung vergangen sind keinen deutschen Lektor ├╝berzeugen konnten, dann d├╝rfte das Gebotene so ├╝berw├Ąltigend wohl nicht sein, dachte ich.

Und der Beginn des gut 470 Seiten, noch dazu in einem Satzspiegel, der den Gebrauch einer Lupe angeraten sein l├Ąsst, schien mir recht zu geben.

Leutnant Daniel Leary stammt von einem der einflussreichsten und beg├╝tertsten Geschlechter Cinnebars ab. Dummerweise hat er das aufbrausende Temperament seines halsstarrigen Vaters geerbt, und sich mit diesem ├╝berworfen. Abgeschnitten von den Beziehungen seiner Familie, verarmt und ohne Freunde hat er das einzige gemacht, von dem er wusste, dass es seinen Vater noch mehr reizen w├╝rde. Er trat der MRC, der Marine der Republik Cinnebar bei. Und jetzt sitzt er mit reichlich Schulden, seinem umtriebigen Leibw├Ąchter und ohne jegliche Perspektiven auf einem Planeten am A... der Galaxis fest.

Ausgerechnet nach Kostroma hat es ihn verschlagen. Einem Planeten um dessen Einflussnahme sich nicht nur die Republik Cinnebar sondern auch die verfeindete Allianz bem├╝ht. Ein Staatsstreich sp├Ąter ist Leary der einzige in Freiheit verbliebene MRC Offizier, und muss sehen, wie er mit ein paar Matrosen und einer Bibliothekarin das Schiff wieder flott bekommt - um im Jargon zu bleiben. Dass die Dame aus der B├╝cherei ausgerechnet einem alten Adelsgeschlecht entstammt, das mit seiner Familie verfeindet ist, und noch dazu eines Meistersch├╝tzin und Computerhackerin der Extraklasse macht die Angelegenheit zun├Ąchst auch nicht einfacher. Und dann geht so alles schief, was nur schief gehen kann. Doch so was kann einen Seemann, auch wenn er im Weltraum unterwegs ist doch nicht schrecken....


Der Einstieg ist nicht einfach. Drake wirft seinen Protagonisten und mit diesem seinen Leser ins kalte Wasser. Keine grosse Vorstellung der Protagonisten, der politischen Lage oder des Settings, es geht gleich hinein in die Handlung.

Und diese ist zu Beginn verwirrend und auch ein wenig langatmig. Was soll dieses Mauerbl├╝mchen von verklemmter Bibliothekarin, was dieser Schn├Âsel von Marineoffizier, der ausser Saufen und dem sch├Ânen Geschlecht wenig im Kopf zu haben scheint? Das sollen unsere charismatische Leuchtgestalten im Kampf f├╝r Recht und Ordnung sein? Und wie passen die einander argw├Âhnisch be├Ąugenden galaktischen Reiche und die korrupte Operettenregierung des Planeten ins Bild?

Kaum begonnen scheint das Buch in einer Sackgasse angekommen. Unser Held klassisch ausman├Âvriert, ohne Unterst├╝tzung und von Fortuna verlassen in einer von fremden Streitkr├Ąften besetzten Welt auf der Flucht - nur dass ihn niemand verfolgt.

Ist das interessant, ist das packend? Mitnichten.

Doch dann, fast unmerklich rappelt sich die schon angez├Ąhlte Handlung auf. Die so ungleichen Adelsspr├Âsslinge raufen sich zusammen, erg├Ąnzen sich und die Handlung nimmt Fahrt auf. Gesegnet mit einem Diener, der so gut wie alles organisieren kann, und der beste Beziehungen zu entsprechenden Kreisen unterh├Ąlt, unterst├╝tzt von einer wackeren Truppe Marines, die zuzupacken und zuzuschlagen wissen macht sich unser M├Âchtegern-Anf├╝hrer auf, seine Gegner das F├╝rchten zu lehren.

Das erinnert ein wenig an Robert Asprins ┬╗Phule┬ź gemixt mit Weber / Ringos ┬╗Roger MacClintock┬ź, das entwickelt pl├Âtzlich und unerwartet Charme und Tempo.
Zwar braucht Drake fast ein viertel des Romans um in Fahrt zu kommen, doch dann hat er seine Klauen in den Leser geschlagen, und l├Ąsst diesen nicht mehr los. Dabei ist die Geschichte nicht neu - Hollywood hat sie mehrfach erz├Ąhlt, und auch die Autoren bedienen sich weidlich des Topics. Der junge Schn├Âsel entwickelt sich in der Belastungsprobe zu einem verantwortungsvollen Anf├╝hrer, stellt sich der Aufgabe und w├Ąchst an dieser.

Bemerkenswert diesmal, dass die Bibliothekarin Adele als gleichberechtigte Hauptperson an der Seite des Helden agiert. Mehr noch, f├╝r mich war sie, die traumatisierte, seit ihren Kindheitstagen verfolgte, und mit dem Tode bedrohte Frau der interessantere Charakter. Sie, die sich von den Menschen abgewandt hat, ganz in der Aufgabe mit leblosen Dingen umzugehen aufgeht ├Âffnet sich im Verlauf der Romans, wird aktiv, ja hat die Kraft zu vergeben und sich mit ihrem Urfeind zu verbr├╝dern. Dabei vermeidet es Drake dankenswerterweise uns auch noch eine Love-Story vorzusetzen - die Beiden respektieren sich, sie fangen an sich zu m├Âgen, ohne dass zu einer emotionalen Beziehung f├╝hren w├╝rde. Diese Entwicklung ist, auch wenn die entsprechende Darstellung angesichts der Action in den Hintergrund tritt glaubw├╝rdig und nachvollziehbar aufbereitet.

Drake arbeitet gerne mit Klischees - die geistig etwas einfachen Matrosen, die rauen aber herzensguten Jungs, deren burschikose Art nach einer ordnenden Hand eines Offiziers ruft, der b├Âse Verr├Ąter, die verkarstete Hierarchie der Marine, der alles unter der Hand organisierende Leibdiener - alles altbekannte Versatzst├╝cke, die er aber geschickt zu einer letztlich spannenden, teilweise mitreissenden Handlung mischt.

David Drake: Mission auf Kostroma - Lt. Leary 01.
Heyne-Verlag, M├╝nchen, M├Ąrz 2007.
477 Seiten, Taschenbuch.

Carsten Kuhr

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