Der Cousin im Souterrain
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Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Fabrice Colin: Mary Wickford
Jetzt bestellen bei amazon.de! Nordamerika, 1723: Mit 17 Jahren verl√§sst Mary die sch√ľtzenden Mauern des Waisenhauses, das ihr ganzes Leben √ľber ihr Zufluchtsort war. Die Welt er√∂ffnet ihr ungeahnte M√∂glichkeiten und in einem Fischerdorf findet sie eine Anstellung beim √∂rtlichen Pastor. Des Nachts plagen sie seit l√§ngerem seltsame Tr√§ume und pl√∂tzlich steht sie vor dem Baum, der immer wieder in diesen Tr√§umen auftaucht. Es gibt ihn wirklich! Mary l√§sst dort ein Haus erbauen, in das sie ziehen will. Doch dazu soll es nie mehr kommen ‚Ķ es ist kaum fertig gestellt, da k√ľndigt sich die Inquisition an, um das Dorf von der Zauberei zu befreien. Nur wegen einer Person dr√§ngt es die Hexenj√§ger dorthin: Mary! Auf ungew√∂hnlichem Wege erf√§hrt sie vom Erbe ihrer Mutter, der Angeh√∂rigen eines gro√üen Hexengeschlechtes ‚Ķ

Die Idee ist zwar nicht neu, weist aber dennoch Potential auf. Amerika im 18. Jahrhundert, aber nicht ganz so, wie es nicht in den Geschichtsb√ľchern zu finden ist. Ein Imperator herrscht √ľber das Land, Drachen leben dort ebenfalls und werden gnadenlos verfolgt. Mittendrin das gerade erwachsene Waisenm√§dchen, das ohne sein Wissen teil einer gro√üen Prophezeiung ist. Dieses Buch muss nicht von Grund auf schlecht sein ‚Ķ

Dem franz√∂sischen Autor gelingen jedoch viele Z√ľge seiner Geschichte nicht: Zum einen bleiben die Figuren blass, selbst die Protagonistin. Jede Wendung der Handlung nimmt sie teilnahmslos hin, sei es die Offenbarung, dass sie eine gesuchte Hexe ist, oder dass ihre Freunde sich in gr√∂√üter Gefahr befinden ‚Äď Mary zeigt keinen Anschein einer Regung. Sie handelt selten nachvollziehbar. Die √ľbrigen Beteiligten neigen dazu, von der Bildfl√§che zu verschwinden, um dann etliche Seiten sp√§ter wieder aus dem Nichts aufzutauchen. Der historische Kontext versagt ebenfalls, der Versuch Rassenthematiken der schwarzen Sklaven mit Hexenverfolgung und Drachen zu verbinden, √ľberl√§dt die Themenkomplexe des Buches v√∂llig.

F√ľr gelungene Abwechslung sorgt hingegen das Tagebuch von Marys Gro√ümutter, in dem sie die Ereignisse f√ľr ihre Tochter Sarah und die nachfolgende Generation festgehalten hat. Einer der wenigen Lichtblicke im Buch.

Auch sprachlich kann dieser Roman nicht √ľberzeugen, eine Vielzahl der S√§tze wirkt abgehackt und unvollendet. Bei kritischen, handlungsreichen Szenen ‚Äď etwa K√§mpfen ‚Äďrutschen die Formulierungen in einen derb maskulinen Ton ab, der nicht zur √ľblichen Betrachtungsweise des M√§dchens passen, das seine Umgebung mit Gleichg√ľltigkeit hinnimmt.

Nette Idee, nicht empfehlenswert umgesetzt. Aus diesem Stoff hätte der Autor einiges mehr herausholen können!

Fabrice Colin: Mary Wickford.
Heyne, Juli 2009.
720 Seiten, Gebundene Ausgabe, 14,00 Euro.

Janine Gimbel

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