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Matthew Reilly: Auf Crashkurs
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Nun, in einem solchen Fall sind sie bei dem aktuellen Roman des ¬ĽMeisters des Action-Romans¬ę genau richtig.
Matt Reilly gilt als einer der packendsten Erz√§hler unserer Tage. Seine B√ľcher sind Action-Knaller voller Tempo, Gewalt, charismatischen Helden und exotischen Handlungsorten. Diesmal aber sucht man die Granaten und Dum-Dum Geschosse vergebens, diesmal erwartet uns ein Bericht √ľber ein Team von Rennfahrern, das allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz mit Fleiss und Fortune das Siegertreppchen anpeilt.

Der f√ľnfzehnj√§hrige Jason und sein Bruder Bug sind grosse Fans der Hovercar-Rennen. Die schwebenden Fahrzeuge, die schon lange die Rennwagen mit den qualmenden Pneus abgel√∂st haben, regen zum Tr√§umen an.
Was w√§re, wenn man im grossen Rennzirkus einmal mitfahren w√ľrde, den Reichen und M√§chtigen Auge in Auge begegnen w√ľrde, die Welt und ihre sch√∂nsten Seite zu Gesicht bek√§me?
Doch dazu muss man zun√§chst eine der Rennschulen besuchen. Die renommierteste Rennschule liegt auf Tasmanien. Zugang aber erhalten nur die Sieger der nationalen Ausscheidungen. Und da schaut es nicht gut aus f√ľr Jason, Bug und ihnen Argonaut. Unverschuldet fliegt ihnen ein Teil eines anderen Hovercars in Fl√ľgelwerk, der Traum scheint geplatzt.
Doch erstens kommt es meistens anders, als gedacht. Ein Lehrer der Schule ist vom Talent der beiden Rennfahrer so angetan, dass er sie protegiert. Ein Jahr des Lernens liegt vor ihnen, ein Jahr, in dem sie zusammen mit ihrer Mechanikerin arbeiten bis zum Umfallen. In den w√∂chentlichen Schulrennen trainieren sie ihre F√§higkeiten, gewinnen an Erfahrung und Routine. Doch all das hilft nichts, wenn ihre Gegner mit unlauteren Mitteln arbeiten. Sabotage bis hin zu Anschl√§gen m√ľssen sie √ľber sich ergehen lassen. Letztlich aber setzt sich unser Team als hartn√§ckiger Verfolger des gefeierten Favoriten auf Platz 2 - ein Platz weg von der Sonne, ein Platz zu wenig f√ľr Jason und Co.

Als sie zu ersten Profirennen eingeladen werden, merken sie, dass im Profilager mit noch h√§rteren Bandagen gek√§mpft wird. Das ist wenig Vergn√ľgen, hier geht es um das grosse Geld. In Italien zwingt sie ein heimt√ľckischer Anschlag noch zum Aufgeben, doch in New York wollen sie es sich und aller Welt beweisen - die Argonaut und ihre Crew sind die Besten ...

Fangen wir mit dem Positiven an. Die Hauptpersonen der Handlung sind glaubw√ľrdig charakterisiert, wie k√∂nnen ohne grosse Schwierigkeiten in die Haut Jasons schl√ľpfen, seine Begeisterung, ebenso wie seine √Ąngste nachvollziehen.
Nun kann man bei Reilly normalerweise immer sicher sein, dass die Personen eindeutig besetzt sind. Die B√∂sen sind wirklich abgrundtief schlecht, die Helden sympathisch und aufrichtig, f√ľr Zwischent√∂ne und nachvollziehbare Ver√§nderungen bleibt kein Raum. Das f√§llt dann, bei all der explosiven Action dem Leser auch kaum auf, zu rasant geht es von einem Kampf zum n√§chsten.

In Crashkurs aber mangelt es an eben diesen mitreissenden Actionszenen. Zwar versucht der Autor uns mit den durchaus spannend geschilderten Rennverläufen zu packen, doch so ganz gelingt ihm dies nicht. Es ist eben doch noch ein Unterschied, ob ein Kampf auf Leben und Tod auszufechten ist, ob die blauen Bohnen und Raketen durch die Luft fliegen, oder ob die Rennschlitten um Hindernisse kurven.
Auch die Wahl des jugendlichen Protagonisten, macht es Reilly schwer wirklich zu punkten. Themen wie exemplarische Gewalt und Sex schliessen sich hier automatisch aus.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, die Handlung als solche ist spannend aufbereitet, der jeweilige Rennverlauf packend geschildert - doch von einem Matt Reilly erwarte ich einfach etwas Anderes. Die atemberaubende Spannung, das unerreichte Tempo das seine Romane sonst auszeichnet, die √ľbersteigerte Gewaltdarstellung der K√§mpfe fehlt diesmal.
Das liest sich fast schon zahm, mehr ein Jugendbuch um einen in die Zukunft versetzten Rennfahrer, der seine Chance zu nutzen sucht, als ein wirklicher Reilly-Knaller.

Abseits seines sonstigen Bet√§tigungsfeld aber verliert Reilly das Actionmoment, vermag es leider auch nicht dieses durch stimmige Charakterentwicklung oder atmosph√§risch dichte Orts- und Handlungsbeschreibungen auszugleichen. Hier werden seine Schw√§chen deutlich, die rudiment√§r zu nennende Zeichnung der Nebendarsteller, die unglaubw√ľrdig ausgearbeiteten Settings und eine Zukunftsvision, ohne √úberzeugungskraft.

Matthew Reilly: Auf Crashkurs.
Ullstein Verlag, Berlin, Februar 2007.
425 Seiten, Hardcover.

Carsten Kuhr

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