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Keith Donohue: Der dunkle Engel
Jetzt bestellen bei amazon.de! Margaret Quinn erhält in einer kalten Nacht Besuch von einem jungen Mädchen, das bepackt mit einem Koffer und einem Zettel am Revers zitternd vor ihrer Tür steht. Margaret gewährt dem Kind Einlass, gibt ihr etwas zu essen und lässt sie im Zimmer ihrer Tochter Erica schlafen, die mit 17 Jahren, vor mehr als zehn Jahren mit ihrem Freund verschwand.
Das kleine Mädchen – Margaret nennt sie Norah – spricht in Rätseln und für ihr Alter – sie ist acht – sehr weise. Margaret behält sie bei sich, klammert sich an das Kind, das am nächsten Morgen behauptet die Tochter von Erica zu sein. Beide wissen, dass das eine Lüge ist, doch Margaret möchte so gerne glauben, dass ihre Tochter noch lebt und ein Kind zur Welt gebracht hat, das nun ihre Hilfe benötigt.
Norah freundet sich mit Sean an, der in seiner Trauer und Einsamkeit beinahe zerbrochen wäre. Doch Norah hilft auch ihm darüber hinweg, dass seine Mutter nie Zeit für ihn hat und sein Vater weggegangen ist.
Mehr und mehr verstricken sich Margaret und Norah in Lügen. Doch als Norah die Wahrheit über ihre Herkunft verrät, bringt sie Kinder und Eltern ihrer Klassenkameraden gegen sich auf, denn Norah behauptet ein Engel zu sein und ihre Kunststücke, die sie daraufhin zeigt, bringen viele in Gefahr.

Nachdem sich der Leser lange mit Margaret und Norah beschäftigt hat, wechselt Keith Donohue Ort und Zeit und kehrt zu dem Augenblick zurück, als Erica ihre Eltern verließ. Das wirkt zu nächst befremdlich, viele Fragen waren noch offen, Norah – das kleine Wunderkind – fehlt mit einem Mal auf den Seiten dieses Rückblicks. Doch … fehlt es wirklich?
Mit der Zeit wird alles aufgeklärt und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fließen ineinander über.

Fazit:

Wie schon in seinem Debüt »Das gestohlene Kind« greift Keith Donohue in »Der dunkle Engel« erneut das Thema eines verschwundenen Kindes auf. Dennoch unterscheiden sich beide Romane stark voneinander.
»Der dunkle Engel« ist eine Geschichte über das Verlorengehen, das Suchen und Wieder finden, es ist der Tanz zwischen Mutter und Tochter und das in mehrfacher und doppeldeutiger Hinsicht.
»Der dunkle Engel« spielt mit Glauben und Verstehen wollen, mit Wahrheit und Lüge, ein trauriger, faszinierend er und hoffnungsvoller Roman, der einen noch lange nach Ende der Lektüre beschäftigt.

Auffallend positiv ist auch hier wieder Keith Donohues teils sehr poetischer Ton, der mit ein paar Adjektiven weniger noch perfekter wäre.

Stellenweise wirkt der Roman jedoch langatmig und nicht hundertprozentig durchstrukturiert.

Dennoch: Lesenswert, weil »Der dunkle Engel« eine neue und interessante Facette der phantastischen Literatur bietet.

Keith Donohue: Der dunkle Engel.
Bertelsmann, Oktober 2009.
478 Seiten, Hardcover, 19,95 Euro.

Nicole Rensmann

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