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Emma Smith: Der Ruf der Ferne
Jetzt bestellen bei amazon.de! England und Indien in der ausklingenden Kolonialzeit: Die vierzehnjährige Theresa ist in England bei ihrer Großmutter aufgewachsen. Der Vater hatte aus beruflichen Gründen, vielleicht auch wegen Desinteresses, kaum Zeit für sein Kind; von der Mutter ist er geschieden. Ausgerechnet jetzt interessiert sich Theresas Mutter wieder für das Mädchen und will es auf seine Seite ziehen! Mr. Digby sieht rot und baut spontan alle Zelte in England ab. Theresa soll mit ihm schleunigst nach Indien zu ihrer Halbschwester Ruth reisen, die mit ihrem Mann eine Teeplantage betreibt. Dort sind die beiden sicher vor dem Einfluss seiner Exfrau! Für Theresa beginnt unwillentlich ein Abenteuer und sie beginnt zu revoltieren gegen ihren Vater, der ihr die Reise nach Indien ohne zu fragen aufgedrängt hat.

Es verschlägt Mr. Digby und Theresa in die indische Provinz und selbst dort sollte Mitte der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts eine ganz bestimmte Stimmung geherrscht haben. Aufruhr unter den Menschen, das Gefühl von etwas anbrechendem Neuem, die Unabhängigkeit in greifbarer Nähe. In »Der Ruf der Ferne« merkt man davon allerdings nichts. Natürlich werden Land und Leute mehr oder minder ausführlich beschrieben, sie sind aber austauschbar und erhalten keine wiedererkennbare Form. Mittendrin steckt die junge Theresa, die kaum ein typisches Verhalten für ihre Altersgruppe an den Tag legt, wenn auch immer wieder darauf Bezug genommen wird, dass dies in England sehr wohl der Fall gewesen sei. Im Roman selbst, auf der Reise nach Indien, wirkt sie aalglatt, ohne genauere Anhaltspunkte, die sie allein dem Leser sympathisch machen könnten, so dass dieser in Bezug auf ihr Schicksal mitfühlen könnte.

Veröffentlicht hat die britische Autorin ihr Buch bereits in den 50er Jahren, es geriet jedoch vorerst in Vergessenheit. In 2002 wagte ein Verlag die Neuauflage, die deutsche Übersetzung gibt es jetzt zu kaufen. Dass Emma Smith für »Der Ruf der Ferne« das Land selbst besucht hat, scheint auch in ihren Beschreibungen durch, wirklich überzeugend kann sie die vorherrschenden Stimmungen innerhalb der Bevölkerung jedoch nicht vermitteln: Mit Theresas Blick wird das Ganze eher zur Darstellung ganz offensichtlicher Elemente, wie etwa der Armut der Menschen.

Die Handlung plätschert recht ereignislos vor sich hin, lediglich unterbrochen von einem Ereignis, das unerwartet Mr. Digby trifft und eine Wende einleitet, und dem Zusammentreffen zwischen Theresa und einem Tiger, eine der wenigen eindringlich beschriebenen Stellen. Es gibt nichts, was dieses Buch gegenüber anderen hervorheben würde, der Schreibstil ist manchmal sogar fast zu kompliziert, wirkt aufgezwungen poetisch und umständlich, was besonders in der Anfangsphase gewöhnungsbedürftig ist.

»Der Ruf der Ferne« hebt sich nicht gegenüber anderen Veröffentlichungen ab. Allenfalls ein nett zu lesendes, unspektakuläres Buch. Es gibt bessere Bücher über das historische Indien als dieses.

Emma Smith: Der Ruf der Ferne.
Droemer, Oktober 2009.
367 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,95 Euro.

Janine Gimbel

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