Der Cousin im Souterrain
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Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Monica Ali: Hotel Imperial
Jetzt bestellen bei amazon.de! Im Keller des Londoner Hotel Imperial wird ein Mitarbeiter tot aufgefunden. War es Mord? Ein Unfall? Die Belegschaft des hauseigenen Restaurants gerĂ€t in Angst, eine junge Frau erscheint gar ĂŒberhaupt nicht mehr zur Arbeit. KĂŒchenchef Gabriel Lightfoot ist verwundert. Was hat die Weißrussin Lena mit dem verstorbenen Juri zu schaffen gehabt? Gibt es zwischen den beiden ĂŒberhaupt eine Verbindung? Die Polizei sucht nach Lena, die – wie die ĂŒbrige Belegschaft – eine Aussage machen soll. Eines Abends trifft Gabriel die junge Frau und gibt ihr Schutz in seiner Wohnung. Die NĂ€he zu ihr setzt bei ihm einen intensiven Prozess der Selbstfindung in Gang. Von Lenas Anwesenheit in seiner eigenen Wohnung lĂ€sst er allerdings nichts nach außen gelangen und lĂ€dt so mit jedem weiteren Tag mehr Schuld auf sich.

Dass die Kurzbeschreibung nach einem spannenden Buch mit Mordfall und TĂ€tersuche klingt, ist grĂ¶ĂŸtenteils irrefĂŒhrend. Klar gerĂ€t die Belegschaft des Restaurants rund um Gabriel Lightfoot in Aufruhr, man sucht nach Zeugen und weiteren Beteiligten, aber genau diese Suche verlĂ€uft sich bald im Sand, als klar wird, dass Juris Tod kein Mord ist. Was dann entfaltet wird, ist eine aufwendige Charakterstudie zu Gabriel, vielschichtig und auf ihre ganz eigene Art und Weise faszinierend.

Monica Ali ist in Deutschland vor allem bekannt durch ihren Roman »Brick Lane«, der Einwandererschicksale in London unter die Lupe nimmt. Gabriel Lightfoot selbst ist kein Einwanderer, Lena an seiner Seite schon. Dennoch verbindet ein bei beiden vorhandener Kern »Brick Lane« und »Hotel Imperial«: Sie sind besetzt mit „echten“ Menschen, Wesen mit Ecken und Kanten, die auch Fehler machen können und nicht immer die richtigen Entscheidungen treffen. Und genau eine solche Person stellt sich den Lesern in Gabriel Lightfoot vor. Besonders seine Fehlentscheidungen prĂ€gen den Fortgang der Handlung, wĂ€hrend sich die Lage um und in Gabriel selbst zuspitzt. Das wahrhaft Faszinierende an Monica Alis Roman ist diese Figur!

Ins Hintertreffen gerĂ€t dafĂŒr grĂ¶ĂŸtenteils die Spannung, so dass einzelne Passagen durchaus die Umschreibung „langatmig“ verdient haben und manchmal der generelle Antrieb zum Weiterlesen fehlt, weil außer Gabriels Schicksal fast nichts das Interesse der Leser anzieht.

Juris Tod wird fĂŒr Gabriel der Auslöser einer Persönlichkeitskrise, die sein ganzes bisheriges Leben in Frage stellt und ihn gedanklich sogar in seine tiefste Vergangenheit zurĂŒckversetzt. Monica Ali gelingt es, die einzelnen Facetten ihres Protagonisten ĂŒberzeugend zu beleuchten und ein komplexes Beziehungsnetz vorzustellen, ohne das dieses konstruiert wirkt. Sie hat dabei stets den Blick fĂŒr das kleine Detail, verliert sich aber nicht in Ausschweifungen ĂŒber Nichtigkeiten.

Besonders gut geeignet fĂŒr Leser, die Wert auf glaubhafte Figuren legen, Spannung und eine mitreißende, fesselnde Geschichte aber nicht zu ihren primĂ€ren Interessen an einer LektĂŒre erklĂ€ren.

Monica Ali: Hotel Imperial.
Droemer, August 2009.
560 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,95 Euro.

Janine Gimbel

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