Honigfalter
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Victoria Schlederer: Des Teufels Maskerade
Jetzt bestellen bei amazon.de! Wenn Sie Probleme haben, ich meine wirklich Probleme, gro├č geschrieben, wenn Ihnen etwas nicht ganz geheuer vorkommt, dann wenden Sie sich nicht an die Gendarmerie und schon gar nicht an die schneidigen Kavalleristen der Regimenter des K├Ânigs, dann ist Baron Dejan Sirco die Institution, an die man sich in Prag wendet.

Trotz seines etwas zweifelhaften Rufs - er wurde vor Jahren unehrenhaft aus dem Diensten ihrer Majest├Ąt entlassen - gilt sein Bureau f├╝r okkulte Angelegenheiten als die erste Adresse in Sachen detektivischen Sp├╝rgeistes. Im Dienste der besseren Gesellschaft stellt er untreuen Damen nach, sucht kompromittierende Briefe und setzt ├╝bernat├╝rlichen Wesen zu. Unterst├╝tzung erh├Ąlt er dabei nicht nur von Esther, einer der angesehensten Dirnen der Stadt an der Moldau, sondern auch von einem im K├Ârper eines Otters gefangenen Englischen Gentleman.

Dieses Mal aber ist er in seinen neuesten Fall extraordin├Ąrer Verwicklungen pers├Ânlich tangiert. Nicht genug, dass ein alter Bekannter, ein Vampir die Metropole erneut heimsucht, auch sein alter Freund, Felix Trubic, mit dem ihn eine Hassliebe verbindet, ein wahrer Boh├Ęme, der fr├╝her in Diensten des B├╝ros f├╝r okkulte Angelegenheiten der K & K Monarchie stand, ist in den Fall verwickelt.

Alles beginnt damit, dass besagter Trubic beabsichtigt, seine Tochter mit einem gestandenen, ihm aber wenig sympathischen Milit├Ąr zu verheiraten. Dass besagter deutlich ├Ąlterer Milit├Ąr nach einem Besuch des Etablissements Esthers mit Herzversagen das Zeitliche segnet kommt doch recht geschickt zupass. Warum aber hat die Leiche des Verblichen so wenig Blut in ihren Adern?

Gleichzeitig erh├Ąlt der Vater der Braut ein Billet ├╝bersandt, das ihn in wohlfeilen Worten auf einen Familienfluch hinweist, dem er an seinem vierzigsten Geburtstag zu erliegen droht. Trotz all der Animosit├Ąten und verletzten Eitelkeit, die zwischen den beiden M├Ąnner steht wei├č Trubic doch, dass ihm nur einer helfen kann, den Fluch zu ergr├╝nden und vielleicht aufzuhalten. Dejan und seine Kollegen machen sich mit Feuereifer an die Arbeit. Die Spur f├╝hrt ├╝bers ferne Wien wieder nach Prag. W├Ąhrend ├╝bernat├╝rliche Wesen sie bedrohen, kommen unsere Ermittler dabei einer Jahrhunderte alten Verschw├Ârung auf die Spur, einem Freiheitskampf, der nicht nur mit normalen Kr├Ąften gef├╝hrt wird ...


Gut ein Jahr ist es mittlerweile her, dass der Heyne Verlag einen Literaturwettbewerb ausschrieb. Unter dem Signet "schreiben Sie einen magischen Bestseller" durften Talente Manuskripte einreichen, aus denen eine hochkar├Ątig besetzte Jury dann an l├Ąsslich der Leipziger Buchmesse den Sieger erkoren.

Victoria Schlederer wurde mit dem Siegerlorbeer ausgezeichnet, ihr Buch erschien p├╝nktlich vor dem Weihnachtsgesch├Ąft. Was aber hat Lektoren wie Jury ├╝berzeugt?


Nat├╝rlich d├╝rfen heutzutage Vampire und Drachen nicht fehlen - doch, man beachte, Schlederer wandelt dabei auf ganz eigenen Pfaden.

Die studierte Politikwissenschaftlerin aus der N├Ąhe von Wien mit einem Faible f├╝r Geschichte wendet sich einer, gerade in der phantastischen Literatur str├Ąflich vernachl├Ąssigten B├╝hne zu.
Europa kurz vor dem ersten Weltkrieg. Die K & K Monarchie regiert ├╝ber ein ausgedehntes Reich, in dem es an allen Ecken und Enden rumort. Der Vielv├Âlkerstaat droht aufgrund der Freiheitsbestrebungen seiner Landsmannschaften auseinanderzubrechen. Das ist eine ungewohnte B├╝hne f├╝r einen phantastischen Roman.

Mit gro├čem Fachwissen ├╝ber die damalige Zeit, spinnt die Autorin hier ein ganz eigenst├Ąndiges Garn. Immer wenn ich meinte, zu ahnen, wohin die Handlung f├╝hren w├╝rde, wurde ich ├╝berrascht. Vampire kommen vor, ja sind wesentliches Element des Romans, ohne aber diesen wirklich zu dominieren. Statt dessen steht die Suche nach den Hintergr├╝nden des Fluchs im Zentrum des Bandes.
Verwurzelt in der Zeit pr├Ąsentiert sie uns eine gelungene Mischung aus Detektivroman, geschichtlichem Werk und phantastischen Einfl├╝ssen.

Das ist in seiner Ausgestaltung ├╝berzeugend, vom Inhalt her voller unerwarteter Wendungen und gespickt mit beeindruckenden Personen. Dass einzelne Br├╝che im Handlungsfluss auftreten, dass die Autorin uns gar zu viele Agenten der Krone vorstellt, und einzelne viel versprechende Handlungsans├Ątze im Sande verlaufen sein angemerkt, mehr aber auch nicht.

Dominiert wird mein Eindruck von einer Stimme, die eigene Wege geht, die es wagt, sich vom erprobten Fantasy-Einerlei abzuschotten und daher ganz zurecht den Erfolg f├╝r sich verbuchen konnte.

Victoria Schlederer: Des Teufels Maskerade.
Heyne, November 2009.
542 Seiten, Taschenbuch, 14 Euro.

Carsten Kuhr

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