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Wo ist die Grenze zwischen Pornografie und Erotik? Die 30 scharfen Geschichten in diesem Buch wandeln auf dem schmalen Grat.
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Michael Tietz: Rattentanz
Jetzt bestellen bei amazon.de! Aus unserer modernen Gesellschaft sind vernetzte Systeme nicht mehr wegzudenken. Mikroprozessoren steuern nicht nur unseren heimischen PC, auch so Allt├Ągliches wie das Telefon, Strom und Heizung, gar nicht zu reden von den offiziellen Stellen, die ├╝ber unser Wohl wachen bedienen sich moderner Technologie.

Was aber w├Ąre, wenn ein heimt├╝ckischer Virus, gewollt oder zuf├Ąllig, auf einen Schlag alle mehr oder minder hochgez├╝chteten Prozessoren stilllegen w├╝rde?

Schiffe trieben antriebs- und steuerlos auf den Weltmeeren, Z├╝ge w├╝rden ausrollen, Flugzeuge vom Himmel fallen, Reaktoren unkontrolliert kollabieren. Die Handys und Telefone mit denen die Rettungsdienste alarmiert werden sollen funktionieren ebenso wenig wie die computergest├╝tzten Notfallpl├Ąne, Sanit├Ąter, Feuerwehrm├Ąnner und Polizisten sitzen in ihren strom- und funklosen Einsatzzentralen fest.


Michael Tietz erz├Ąhlt uns in seinem Erstling von exakt einem solchem worst-case Szenario.

Zwei Gymnasiasten versuchen den Computer ihrer Schule mit einem Virus lahmzulegen, um die anstehende Biologie- und Geschichtsklausuren zu vermeiden. Dass sie dabei ihrem Virus unbeabsichtigt statt 40 immerhin 400 Tage Zeit geben, bevor dieser sich aktiviert f├╝hrt dazu, dass die kleinen Datenpakete weltweite Verbreitung finden.

Punkt 7,00 Uhr in der Fr├╝h an einem ganz normalen Werktag schl├Ągt der Virus zu. Weltweit, effektiv und unumkehrbar. Nichts funktioniert mehr, kein Strom, kein Radio, keine Heizung.

Anhand der Bewohner eines kleinen St├Ądtchens im S├╝d-Schwarzwald zwischen Donaueschingen und der Schweizer Grenze berichtet uns der Autor von den Auswirkungen des Ausfalls der Zivilisation.
Das mag nun pathetisch klingen, doch der Wegfall aller Kommunikationsmittel, aller Technik f├╝hrt dazu, dass die doch recht d├╝nne zivilisatorische T├╝nche nicht allzu lange h├Ąlt, bis der Kampf ums ├ťberleben beginnt. Schnell wird deutlich, dass die sozialen Netze brechen, dass der Existenzkampf ÔÇ×Jeder gegen JedenÔÇť begonnen hat. Hemmungslos versuchen sich M├Âchtegern-Despoten zu F├╝hrern aufzuschwingen, wird gepl├╝ndert, herrscht das Recht des St├Ąrkeren, des Brutaleren.
Gleichzeitig bilden sich kleine neue Gemeinwesen, die dem zum Trotz Werte wie Toleranz Unterst├╝tzung und Freundschaft hochhalten.

Tietz benutzt die Familie Seger, um ein wirklichkeitstreues Bild einer Katastrophengesellschaft zu zeichnen. W├Ąhrend die Ehefrau als Krankenschwester auf der Intensivstation des Krankenhauses Donaueschingen den unkontrollierten Ansturm der Verletzten mitbekommt, und sich zu Fu├č zu ihrer zehnj├Ąhrigen Tochter Lea ins 30 Kilometer entfernte Wellendingen aufmacht, versucht ihr Ehemann aus dem ohne Flugzeuge fernen Schweden den Heimweg zu finden. W├Ąhrend ihrer Reisen begegnen sie dem unkontrollierten Chaos, treffen auf Hoffnungslosigkeit ebenso wie auf G├╝te, auf Gewalt ebenso wie auf selbstlose Hilfe und immer wieder auf den Tot. Helden gibt es in diesem Buch folgerichtig keine. Statt einem Protagonisten bei seinem Triumph zu folgen, dokumentiert der Autor die Zust├Ąnde einer Gesellschaft, die aus ihren Grenzen bricht. Das ist in seiner Ausf├╝hrung direkt, zeigt auf ergreifende Art und Weise, wie sich der Mensch, gerade in Krisensituationen sowohl auf seine positivsten Eigenschaften, aber oftmals auch auf seine negativen Werte besinnt, ja reduziert und nur zu oft alles Menschliche hinter sich l├Ąsst und wieder zum Tier wird. Dabei wirkt das Ergebnis nicht im geringsten Masse kitschig oder ├╝bertrieben, sondern in sich glaubw├╝rdig und erschreckend vorstellbar.

├ťber die gesamte L├Ąnge des Buches hinweg Sprachlich gut, erwartet ein inhaltlich wie von seiner Ausf├╝hrung her ├╝berzeugend realistisch wirkender Thriller den Leser, der den Vergleich zu Titeln aus der Feder eines Eschbach oder Sch├Ątzing nicht zu scheuen braucht. F├╝r ein Erstlingswerk erstaunlich ausgereift und fast fehlerlos unterh├Ąlt das Buch niveauvoll, spannend und ├╝berraschend - ein bemerkenswertes Debut.

Michael Tietz: Rattentanz.
Bookspot-Verlag, 2009.
840 Seiten, Hardcover, 22,80 Euro.

Carsten Kuhr

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