Der Cousin im Souterrain
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Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Nick Harkaway: Die gelöschte Welt
Jetzt bestellen bei amazon.de! Nach der Gro√üen L√∂schung ist die Welt, wie wir sie kennen, ins Wanken geraten. Die Menschheit ist fast v√∂llig ausgel√∂scht, nur wenige Kolonien behaupten sich noch auf der rauen Oberfl√§che. Das √úberleben steht in engem Zusammenhang mit einem Gas namens FOX. Als die Jorgmund Pipeline, der Zulieferer dieses Stoffes, in Flammen steht, werden der Protagonist, sein Kumpel Gonzo und ihre Mitarbeiter mit der L√∂schung des Brandes betraut. F√ľr den namenlosen Ich-Erz√§hler gibt dies Anlass gedanklich in die Vergangenheit zu reisen, zur√ľck in seine eigene Kindheit und zum Beginn des gemeinsamen Weges mit Gonzo.

Nick Harkaway entwirft einen √ľberaus interessanten Plot, der sich kaum mit wenigen Worten umrei√üen l√§sst. Es geht um ganz elementare menschliche Gef√ľhle wie Freundschaft, Leid und Liebe, aber gleichzeitig wird auf satirische Art und Weise Politik und Kriegswesen kritisiert. So entsteht eine Mischung aus langatmigen Beschreibungen und geradezu genial witzigen, skurrilen Szenen. Wer nur einen Endzeitroman erwartet, wird allerdings entt√§uscht werden. Gut 450 der knapp 730 Seiten befassen sich mit einer Welt, die uns in groben Z√ľgen nur allzu bekannt ist. Dabei ist immer wieder Raum f√ľr unkonventionelle Elemente im Text, etwa Listen und Aufz√§hlungen oder eine Szene, die ganz im Dialogstil verfasst ist, so dass durchaus f√ľr Abwechslung gesorgt ist.

Besonders in der Beschreibung der Beziehung zwischen Gonzo und dem Ich-Erz√§hler wei√ü Nick Harkaway zu gl√§nzen. Vorgestellt werden sie als Br√ľder, jedoch keinen leiblichen; Gonzos Familie nahm den Erz√§hler in jungen Jahren bei sich auf, so dass er sich als Teil der Familie sieht und Gonzo von Kindesbeinen an sehr nahe stand. Und doch entwickeln die beiden im Jugendalter unterschiedliche Interessen, gehen dann andere Wege und treffen schlie√ülich wieder aufeinander ‚Äď nicht ohne Konflikte! Wie ein roter Faden zieht sich auch Gonzos Leben durch das des Erz√§hlers, der bis zur letzten Zeile keinen Namen erh√§lt.

Endzeit trifft auf die Leben gew√∂hnlicher Menschen. Wenn man die teils langatmigen Szenen und Umschreibungen wohlwollend √ľbersieht, bleibt eine spannende Abenteuergeschichte mit √ľberraschender Tiefe zur√ľck.

Nick Harkaway: Die gelöschte Welt.
Piper, August 2009.
728 Seiten, Taschenbuch, 12,95 Euro.

Janine Gimbel

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