Nach der GroĂen Löschung ist die Welt, wie wir sie kennen, ins Wanken geraten. Die Menschheit ist fast völlig ausgelöscht, nur wenige Kolonien behaupten sich noch auf der rauen OberflĂ€che. Das Ăberleben steht in engem Zusammenhang mit einem Gas namens FOX. Als die Jorgmund Pipeline, der Zulieferer dieses Stoffes, in Flammen steht, werden der Protagonist, sein Kumpel Gonzo und ihre Mitarbeiter mit der Löschung des Brandes betraut. FĂŒr den namenlosen Ich-ErzĂ€hler gibt dies Anlass gedanklich in die Vergangenheit zu reisen, zurĂŒck in seine eigene Kindheit und zum Beginn des gemeinsamen Weges mit Gonzo.
Nick Harkaway entwirft einen ĂŒberaus interessanten Plot, der sich kaum mit wenigen Worten umreiĂen lĂ€sst. Es geht um ganz elementare menschliche GefĂŒhle wie Freundschaft, Leid und Liebe, aber gleichzeitig wird auf satirische Art und Weise Politik und Kriegswesen kritisiert. So entsteht eine Mischung aus langatmigen Beschreibungen und geradezu genial witzigen, skurrilen Szenen. Wer nur einen Endzeitroman erwartet, wird allerdings enttĂ€uscht werden. Gut 450 der knapp 730 Seiten befassen sich mit einer Welt, die uns in groben ZĂŒgen nur allzu bekannt ist. Dabei ist immer wieder Raum fĂŒr unkonventionelle Elemente im Text, etwa Listen und AufzĂ€hlungen oder eine Szene, die ganz im Dialogstil verfasst ist, so dass durchaus fĂŒr Abwechslung gesorgt ist.
Besonders in der Beschreibung der Beziehung zwischen Gonzo und dem Ich-ErzĂ€hler weiĂ Nick Harkaway zu glĂ€nzen. Vorgestellt werden sie als BrĂŒder, jedoch keinen leiblichen; Gonzos Familie nahm den ErzĂ€hler in jungen Jahren bei sich auf, so dass er sich als Teil der Familie sieht und Gonzo von Kindesbeinen an sehr nahe stand. Und doch entwickeln die beiden im Jugendalter unterschiedliche Interessen, gehen dann andere Wege und treffen schlieĂlich wieder aufeinander â nicht ohne Konflikte! Wie ein roter Faden zieht sich auch Gonzos Leben durch das des ErzĂ€hlers, der bis zur letzten Zeile keinen Namen erhĂ€lt.
Endzeit trifft auf die Leben gewöhnlicher Menschen. Wenn man die teils langatmigen Szenen und Umschreibungen wohlwollend ĂŒbersieht, bleibt eine spannende Abenteuergeschichte mit ĂŒberraschender Tiefe zurĂŒck.
Nick Harkaway: Die gelöschte Welt.
Piper, August 2009.
728 Seiten, Taschenbuch, 12,95 Euro.