Der Cousin im Souterrain
Der Cousin im Souterrain
Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Jörg Kastner: Teufelssohn
Jetzt bestellen bei amazon.de! Schon einmal war der kleinste Staat der Welt vom B√∂sen bedroht. Die S√∂hne des Alten wollten das wahre Grab Christi sch√§nden, der dort gefangen gehaltene D√§mon die Herrschaft √ľber den Erdenkreis an sich ziehen. In letzter Sekunde konnten die Beteiligten, allen voran die R√∂mische Kommissarin Claudia Bianchi und der ehemalige Jesuit Paul Kandrell die Gefahr abwenden.

Danach aber trennten sich ihre Wege und Claudia bef√ľrchtete das Schlimmste. Hatte Paul, nachdem er erfahren hatte, dass er ein Nachkomme des Teufels sei, seinem Leben wirklich selbst ein Ende gesetzt? Und das ohne zu wissen, dass er bald Vater werden w√ľrde?

In der Folgezeit vergr√§bt sie sich ganz in ihre Arbeit. Dann erreicht eine anonyme Mail das R√∂mische Polizeiministerium. W√§hrend einer √∂ffentlichen Veranstaltung, sollen zwei Menschen den Tot finden - sofern es Claudia nicht verhindern kann. Auch ein Gro√üaufgebot der Carabinieri kann nicht verhindern, dass die beiden Festredner des Abends zu Tode st√ľrzen. Ein Selbstmord des Direktors der Vatikanischen Museen, Drogen oder ein Suizid aus Leidenschaft, alle Theorien verlaufen im Sand, die Polizei tappt im Dunkeln.
Kurz darauf aber st√∂√üt man auf weitere Verbrechen. In das B√ľro eines der beiden Toten wird eingebrochen, seine Frau gar entf√ľhrt. Die T√§ter sind auf der Suche nach einem Manuskript, in dem sich der Verblichene sich mit dem antiken Gott Janus n√§her besch√§ftigt hat. Alle T√§ter tragen einen Ring, den das Portrait Janus', des doppelk√∂pfigen Gottes ziert. Was aber hat dies mit Claudia und ihrem ungeborenen Kind zu tun?


Wenn es um Vatikanthriller aus Deutschen Landen geht, kommt man um Jörg Kastners phantastische Romane nicht herum. Wie kein anderer einheimischer Autor versteht er es, die Faszination, die vom kleinsten Staat der Welt und seinen klerikalen Geheimnissen ausgeht mit einer spannenden Handlung und einprägsamen Figuren zu verbinden, um seine Fans und Leser an die Seiten zu bannen.

Einmal mehr l√§sst er alte G√∂tter und ihre Anh√§nger ihre unheiligen Pl√§ne im Rom unserer Tage spinnen. Es geht um Verbrechen, um Anschl√§ge und Mord. Dies wird geschickt in eine phantastische Handlung eingepasst. Menschen mit √ľbernat√ľrlichen Gaben tauchen auf, verblendete, ja fanatische Anh√§nger eines vergessenen Gottes mischen mit, nach und nach entwickelt sich das Bild einer gro√üen Verschw√∂rung.
Unwillk√ľrlich r√§tselt der Leser mit, was hinter den Geschehnissen stecken k√∂nnte, wie die Puzzlest√ľcke zusammenpassen k√∂nnten. All die Hinweise aber lassen die schlussendliche Aufl√∂sung nicht erwarten. Kastner gelingt es seinen Plot nicht nur stringent und spannend sondern auch, bis zur letzten Seiten unheimlich fesselnd und √ľberraschend zu gestalten. Wir bangen und zittern mit unserer Protagonistin, bewundern deren Mut und Tatkraft ebenso wie ihre Kombinationsgabe.

Dass der Autor sich auf eine relativ √ľberschaubare Anzahl handlungsrelevanter Personen beschr√§nkt f√ľhrt dazu, dass er diese um so detailreicher ausf√ľhrt, w√§hrend er uns durch deren Augen die Handlung miterleben l√§sst.
Dass gerade die Widersacher unserer Protagonisten dabei undeutlich bleiben liegt in der Natur der Sache, andernfalls m√ľsste er seine R√§tsel viel zu fr√ľh aufdecken.

Sehr gelungen auch die Darstellung des inneren Konflikts der vom christlichen Glauben abgefallenen Claudia und des ehemaligen, weiterhin gl√§ubigen Jesuiten Paul. Hier sto√üen Welten aufeinander, werden Fragen, auch in einem hypothetischen Gespr√§ch mit dem Papst angeschnitten, die durchaus dem Zeitgeist entsprechen. Der Autor l√§sst deutlich erkennen, dass er das Institut Kirche nicht unkritisch gegen√ľbersteht, dass er die vielen Fragen, die sich um die moralische Autorit√§t gerade der katholischen Kirche mit all ihren vertuschten Skandalen stellen, nicht √ľbersieht. Kirche und Glauben, das sind oftmals zwei paar Stiefel, die Unfehlbarkeit des Pontius mag dabei durchaus hinterfragt werden.

Insgesamt ein Roman, der als Thriller dem Leser spannende und faszinierende Stunden verspricht und der sich vor anglo-amerikanischen Bestsellern nicht verstecken muss.

Jörg Kastner: Teufelssohn.
Knaur-Verlag, Dezember 2009.
424 Seiten, Taschenbuch,8,95 Euro.

Carsten Kuhr

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