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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Christoph Ransmayr: Odysseus, Verbrecher
Jetzt bestellen bei amazon.de! Einer der H├Âhepunkte bei der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 ist die "Odyssee Europa". Die Besucher erleben an zwei Tagen sechs Inszenierungen an sechs verschiedenen Schauspielh├Ąusern - alle rund um den griechischen Helden Odysseus. Den Abschluss macht das Schauspiel Dortmund, f├╝r das kein geringerer als der ├Âsterreischische Erfolgsautor Christoph Ransmayr ("Die letzte Welt", "Der fliegende Berg") die Vorlage geschrieben hat; "Odysseus, Verbrecher" hei├čt sein St├╝ck, das nahezu zeitgleich mit der Urauff├╝hrung als B├╝chlein im S. Fischer-Verlag erschienen ist.

Nach 20-j├Ąhriger Irrfahrt kommt Odysseus zur├╝ck nach Ithaka, muss jedoch feststellen, dass sich seine Heimat zum Nachteil ver├Ąndert hat. Schwelbr├Ąnde lodern dort, wo einst bl├╝hende Landschaften waren, Reichtum ist in Armut umgeschlagen. Und die Menschen empfangen den einstigen Helden keinesfalls so freundlich wie angenommen. Sie nennen ihn St├Ądteverw├╝ster und Verbrecher. Sogar seine Frau Penelope erweist sich als ├Ąu├čerst zur├╝ckhaltend, um es milde auszudr├╝cken. Politisch hat sich eine Opposition, die Reformer, gebildet. Und Odysseus? Er tut das, was er immer getan hat, schl├Ągt die Reform blutig nieder ...

Ransmayr siedelt sein St├╝ck in einer unbestimmten Zeit an. Flachbildschirme, Nachrichtensendungen und Staubsauger kommen vor. Doch es h├Ątte nicht erst dieser Hinweise bedurft, um die Aussage zu erkennen, die der Autor bezogen auf die Gegenwart (und nicht irgendeine griechische Vergangenheit aus dem 8. vorchristlichen Jahrhundert) treffen will: Der Krieg hat keine Gewinner. Selbst wenn jemand lebend aus ihm hervorgeht, ist er an der Seele besch├Ądigt. Diese Aussage wird bereits in der ersten von acht Szenen klar - woraus aber leider auch folgt: Die Szenen zwei bis acht bieten keine wirklichen neuen Erkenntnisse mehr.

Ransmayr ist nicht daf├╝r bekannt, Unterhaltsames, Leichtg├Ąngiges oder gar Charmantes zu schreiben. Der Humor ist nicht sein Ding. Seine Texte haben Schwere, haben eine klar umrissene Aussage und sind somit Sinnbild der E-Literatur. Seine Texte - und das gilt sicherlich besonders f├╝r "Odysseus, Verbrecher" - zielen lediglich auf das Hirn seiner Leser, nicht aber auf das Herz. Sie erinnern stellenweise ein wenig an jene gelegentlich staubtrockene Schullekt├╝re, mit der Deutschlehrer ihre gelangweilten Mittelstufensch├╝ler qu├Ąlen und ihnen damit jegliche Liebe zur Literatur (und in diesem Fall vielleicht auch zum Theater) gr├╝ndlich austreiben. Solche Texte eignen sich deshalb so gut f├╝r solche Zwecke, weil sie den Lesern ihre Aussage mit dem Dampfhammer einbl├Ąuen, so dass sie auch der zur├╝ckgebliebenste Sch├╝ler versteht, aber ansonsten auf jegliche Zwischent├Âne und Beiwerk (also all das, was ein Buch lesenswert macht) verzichten. So gesehen k├Ânnte "Odysseus, Verbrecher" noch eine lange (Schul-)Karriere bevorstehen.

Alle jedoch, die die gymnasiale Mittelstufe erfolgreich hinter sich gebracht haben, k├Ânnten Ransmayrs These "Der Krieg hat keine Gewinner" bereits in der einen oder anderen Form geh├Ârt haben. Solche Leser d├╝rften aus dem B├╝chlein insgesamt nur wenig Erkenntnisgewinn, Leselust, Spannung oder warum sonst man ein Buch liest, erfahren.

Mit "Odysseus, Verbrecher" hat Ransmayr der Kulturhauptstadt eine recht traditionelle Theatervorlage geliefert. Vielleicht w├Ąre etwas Mutigeres, Innovativeres, Moderneres, in die Zukunft Weisenderes, ├ťberraschenders zu diesem speziellen Anlass angemessener gewesen.

(Diese Besprechung bezieht sich ausdr├╝cklich nur auf die literarische Vorlage von Christoph Ransmayr, nicht jedoch auf die Regiearbeit Michael Gruners am Dortmunder Schauspielhaus.)

Christoph Ransmayr: Odysseus, Verbrecher.
S. Fischer, Februar 2010.
115 Seiten, Hardcover, 12 Euro.

Andreas Schr÷ter

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