Der Cousin im Souterrain
Der Cousin im Souterrain
Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Rita Kuczynski: Die gefundene Frau
Jetzt bestellen bei amazon.de! Rita Kuczynski, geboren 1944 in Ostpreu√üen, geh√∂rte zu DDR-Zeiten einer bekannten Intellektuellen -Familie an und arbeitet seit den achtziger Jahren als Schriftstellerin und Journalistin. Gerade erschien ihr neuestes Buch ‚ÄěDie Rache der Ostdeutschen‚Äú, eine Dokumentation √ľber PDS-W√§hler. Ihr vorletztes dagegen ist ein Roman voll origineller und ungew√∂hnlicher Situationen.

Die Icherz√§hlerin nennt sich Agnes und befindet sich am Anfang in einer Not√ľbernachtung f√ľr Obdachlose. Eigentlich hei√üt sie anders, aber das ist unwichtig, sie will ein v√∂llig neues Leben mit neuer Identit√§t beginnen. Der Leser erf√§hrt noch, da√ü der Konkursverwalter ihr fast alles genommen hat. Nur den Grabstein der Gro√ümutter, der von einem ber√ľhmten K√ľnstler gestaltet wurde, hat er √ľbersehen. Mit Hilfe eines schlitzohrigen Steinmetzen verkauft sie den Stein und kommt so ans Grundkapital f√ľr die neue Existenz. Noch im Heim lernt sie den Stra√üenmusiker Moses Grossmann kennen, der sie treu begleitet bei ihren Streifz√ľgen durch die Stadt und immer zu rechten Zeit zur Stelle ist. Sie mietet eine Wohnung, die direkt an einem Punkt liegt, wo die U-Bahn aus dem Tunnel auf einen Hochbahn-Viadukt f√§hrt. Bis auf einen Futon und einen Laptop mit Internet-Anschlu√ü besitzt sie zun√§chst nichts. Das Internet und die eigene Homepage werden ihr zur neuen Heimat. Wie viele Autoren kokettiert auch Rita Kuczynski mit den M√∂glichkeiten der Technik. E-Mail und Website als Orte, auf denen man auf der ganzen Welt zuhause ist, Handy und SMS, mit denen man √ľberall mobil kontakten kann. Ein moderner Gro√üstadtroman, sagt der Klappentext. Ich w√ľrde es eher Gro√üstadtm√§rchen nennen, was durchaus positiv gemeint ist. F√ľr einen realistischen Gro√üstadtroman wirken die Figuren zu entr√ľckt von normalen Alltag, geht alles ein bi√üchen zu glatt und zu schnell. Da findet Agnes sofort eine superg√ľnstige Wohnung, weil die Besitzer lieber ins Altersheim ziehen. Da findet der Steinmetz gerade noch das letzte Blatt Dokumentenpapier, auf dem er ihr eine Geburtsurkunde mit neuem Namen f√§lschen kann. Und zu guter Letzt bekommt sie sogar einen Traumjob, nur durch das recht blau√§ugige Statement in der Bewerbung, eine eigene Homepage sei lebensnotwendig, weil sie ‚Äěwie eine Wohnung w√§re‚Äú .Das allein w√ľrde recht unglaubw√ľrdig wirken, w√§ren da nicht einige sehr poetische Momente. Zum Beispiel, wenn Agnes Lichtreflexe und Schatten der auf -und abfahrenden U-Bahnen an der Wand ihres leeren Zimmers beobachtet, wenn sie √ľber einen leeren Markt l√§uft oder durch unterirdische U-Bahn-Verbindungsg√§nge, die Kl√§nge der Musiker im Ohr und die Installationen der K√ľnstler vor Augen. F√ľr allerhand schr√§ge Kunst hat die Autorin ebenfalls eine Schw√§che. Erst der Grabstein, dann der Steinmetz, und dann Kati, die sich Galeristin nennt. In Wirklichkeit stapelt sie f√ľr wenig Geld die Kisten anderer Leute in einem stillgelegten U-Bahn-Tunnel. Als durch einen Wasserrohrbruch alles zusammenst√ľrzt, erkl√§rt sie das entstandene Chaos einfach zur Kunst und das Gew√∂lbe zur Galerie. Satire auf durchgeknallte Gro√üstadtkunst? Oder geniale Vision im Beuys‚Äôschen Sinne? Der Leser mag sich sein Teil denken. Da√ü Agnes‚Äô Kisten mit wenigen Habseligkeiten aus der Vergangenheit dabei ebenfalls untergehen, besiegelt nur die Losl√∂sung vom fr√ľheren Leben.

Die Stadt als leicht surreale Kulisse f√ľr Menschen, die st√§ndig unterwegs vom einen Ende zum anderen sind, U-Bahnen, Technik, Kunst als Symbole f√ľr Mobilit√§t und Modernit√§t, das funktioniert hier durchaus. Eine Mischung aus stiller Poesie und Dynamik, aus Umtriebigkeit und Sehnsucht nach Heimat. Nur: Eine Prise Romantik w√§re nicht schlecht gewesen. Die angeblich so gro√üe Liebe zwischen Agnes und Moses kommt beim Leser nicht ganz r√ľber, wird n√ľchtern per SMS und E-Mail abgehandelt, von Leidenschaft und Gef√ľhl ist kaum etwas sp√ľrbar. Vielleicht, weil eine Liebesgeschichte doch mehr Ruhe braucht statt Herumgerenne und N√§he sich nicht allein durch Kurzbotschaften vermitteln l√§√üt.

Rita Kuczynski: Die gefundene Frau.
Claassen Verlag, Berlin, Februar 2002.
224 Seiten, gebundenes Buch.

Susanne Tank

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