Unverkennbar, gefühlvoll und nachdenklich, ein wenig esoterisch angehaucht und im üblich leichten Stil sind in „Mein Körper weiß alles“ Kurzgeschichten gesammelt.
Wie so oft beschäftigen sich die Protagonistinnen in Yoshimotos kleinen Episoden – insgesamt sind es dreizehn Stück – mit Veränderungen, großen und kleinen Verlusten, Erinnerungen und Zukunftsvisionen, mit seltsamen Bekanntschaften und guten Freunden. Junge Japanerinnen sind die Erzählerinnen, sie lassen uns teilhaben an dem, was sie von ihrer Großmutter gelernt haben, unternehmen kleine Reisen und Ausflüge, kehren durch Hypnose zu einem lieb gewonnenen und längst verronnenen Augenblick zurück, begehen kleine Dummheiten, beenden alte Beziehungen um Raum für neue zu schaffen und hören auf das, was ihr Körper ihnen zu verstehen geben will.
Mit subtiler Sprache beschreibt Banana Yoshimoto Farben, Gemütszustände, Situationen – wie in all ihren Büchern wird ganz kleinen Ereignissen die wohlverdiente Bedeutung zugemessen. Wie mit geschärften Sinnen fühlt man sich nach der Lektüre, Yoshimoto sensibilisiert die Augen, Ohren und Gefühle der Leser, zumindest für kurze Zeit.
Ein Kurzgeschichtenband, den man sicherlich gerne öfter in die Hand nimmt, dreizehn kleine Geschichten, die nicht an Aktualität verlieren werden. Für Yoshimotos Anhänger im positiven Sinne genau das, was sie erwartet haben und für Neulinge ein sicherlich lohnenswerter Ausflug in die märchenhafte Gedankenwelt der ehemaligen Pop-Autorin.
Banana Yoshimoto (ihr wirklicher Name ist Mahoko Yoshimoto), 1964 geboren, Tochter des bekannten Essayisten und Literaturkritikers Ryumei Yoshimoto, schrieb zahlreiche Bücher, die sich in ungewöhnlich hohen Auflagen verkauften. Die aufsehenerregende Verfilmung des Romans Kitchen von dem Hongkonger Regisseur Kim Ho war ab 1997 der Kultfilm in den deutschen Off-Kinos. Banana Yoshimoto erhielt den Kaien- und den Izumi-Kyoka-Literaturpreis.