Wellensang
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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Jane Johnson: Herr der Masken
Jetzt bestellen bei amazon.de! Bramstock ist ein kleines Nest mitten im Englischen Nirgendwo. Seitdem das Bergwerk vor ein paar Jahren dicht gemacht hat, hat Tristesse Einzug gehalten in Bramstock. Immer mehr Menschen wurden arbeitslos, und versuchten ihre Probleme auf einfache Art und Weise zu lösen. So mancher griff zum GleichgĂŒltigmacher Alkohol, andere verschwanden einfach spurlos. Kein Wunder, dass in letzter Zeit immer mehr Menschen von Schlaflosigkeit ja AlbtrĂ€umen geplagt werden.

Dies ist die Geschichte von Jamie Ward. Seit sich sein Vater vor einiger Zeit spurlos abgesetzt hat, hat es der Junge in der Schule noch schwieriger als vorher. Von drei RĂŒpeln wird er angefeindet, ja gemobbt. Nur eine Klassenkameradin hĂ€lt zu ihm, doch diese ist selbst zu schwach um ihm wirklich zu helfen.
Dass er mittlerweile gar nicht mehr gerne zur Schule geht ist nachvollziehbar. Einzig der Kunstunterricht bei Frau Lambent ist ein Lichtblick.
Gerade nehmen sie Masken durch. Und tatsÀchlich wÀhlt die nette Lehrerin seinen Entwurf aus, um diesen in eine Tigermaske umzusetzen.

Als er diese das erste Mal ĂŒberstreift geschieht UnerklĂ€rliches. Plötzlich brĂŒllt er wie ein Tiger auf der Pirsch, fĂŒhlt sich unĂŒberwindlich. Scheinbar hat keiner wirklich etwas mitbekommen, doch Miss Lambent bestellt ihn fĂŒr Samstag zu sich in ihren Maskenladen in einem der heruntergekommenen Viertel der Stadt.
Hier hÀngen sie an der Wand, Reihe um Reihe Masken aus allen LÀndern und Kulturkreisen.
Und hier bemerkt Jamie auch erstmals, dass etwas nicht ganz koscher ist an seiner Lehrerin. Hinter dem attraktiven Äußeren der Frau verbirgt sich eine alte Vettel, die ihn zwingt ihr drei magische Steine zu bringen. Begleitet von der sprechenden Katze Jasper reist Jamie durch aus Aufsetzen einer der magischen Masken durch Raum und Zeit.

ZunĂ€chst verschlĂ€gt es ihn 300 Jahre in die Vergangenheit zu den Tuareg in die Nordafrikanische WĂŒste, danach ins Grönland der Wikinger und schließlich ins fernste China, wo er einem Drachen seine Perle der Weisheit und der Unsterblichkeit entwenden soll.

Durch seine Witze und die FÀhigkeit RÀtsel zu lösen gelingt es ihm zwar die magischen Steine, die der Hexe zusÀtzliche Macht verleihen sollen zu beschaffen, dann aber wird die Hexe von ihrem Widersacher gefangen genommen.
Die alte Vereinbarung zwischen den Beiden, dass der König der Schatten ĂŒber die Nacht herrscht, wĂ€hrend die weiße Frau den Tag ihr Eigen nennt hat nicht lĂ€nger Bestand. In dem spannenden Finale trifft Jamie dann nicht nur auf die Verschwundenen seiner Heimatstadt, sondern auch auf seinen verschollenen Vater ...



Jane Johnson legt ein spannendes Abenteuer fĂŒr junge Leser vor. Insbesondere in der Wahl ihres Protagonisten beweist sie ein geschicktes HĂ€ndchen.
Als Dunkelfarbiger wird der Junge in der Schule von den meisten Kameraden ausgegrenzt und gehĂ€nselt. Kinder sind in dieser Hinsicht brutal und mitleidlos, zumal ihr Opfer auch nicht unbedingt zu den Kontaktfreudigsten oder KrĂ€ftigsten in der Klasse zĂ€hlt. Das Perfekte Opfer also, um seinen Frust abzureagieren. Diese Beschreibungen sind intensiv, so dass wir unwillkĂŒrlich Mitleid mit dem Ausgegrenzten haben und uns leicht mit ihm identifizieren können.
Und auch zu Hause lĂ€uft nichts wirklich rund. Der Vater, der die Familie einfach hat sitzen lassen, die nervige Schwester die im Haushalt nicht mithilft, so dass Vieles hier an ihm hĂ€ngen bleibt, zumal ihre Mutter sich mehr und mehr den Depressionen hingibt – die Verzweifung ist förmlich mit den HĂ€nden zu greifen.
Selbst einer der wenigen Lichtblicke in seinem Leben, die sympathische Lehrerin erweist sich als machtgierige Hexe, deren Traum von der Weltherrschaft daran schuld ist, dass sein Leben vollends aus den Fugen gerÀt. Das wirkt erschreckend glaubhaft und man hat um so mehr Respekt vor Jamie, der sich allen Widrigkeiten zum Trotz nicht unterkriegen lÀsst.
Im Zentrum des Buches stehen eingebettet in diese Rahmenhandlung eindeutig die drei Zeitreisen. Hier gelingt es Johnson ihren Lesern auf einigen wenigen Seiten eine fremde Kultur zu schildern, die exotisch und glaubwĂŒrdig wirkt. NatĂŒrlich vermag sie aufgrund des Platzmangels nicht tief in die Details des Lebens der Menschen eindringen, doch lĂ€sst sie markante WesenszĂŒge und Lebensgewohnheiten der WĂŒstennomaden wie auch der Bewohner Grönlands einfließen. Das wirkt spannend und faszinierend, birgt genĂŒgend RealitĂ€t, so dass gerade Jugendliche sich gut mit dem Protagonisten identifizieren können, leidet letztlich aber ein wenig an einem ĂŒberhasteten und in sich nicht ganz stimmigen Finale.

Jane Johnson: Herr der Masken.
Ravensburger Buchverlag, Dezember 2009.
373 Seiten, Gebundene Ausgabe, 14,95 Euro.

Carsten Kuhr

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