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Wo ist die Grenze zwischen Pornografie und Erotik? Die 30 scharfen Geschichten in diesem Buch wandeln auf dem schmalen Grat.
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Peter Dempf: Das Haus der roten Dämonen
Jetzt bestellen bei amazon.de! Prag, die Kaiserstadt an der Moldau zur Zeit von Rudolf dem Zweiten ist Schauplatz des neuesten Werkes aus der Versschmiede Peter Dempfs.

Hier w√§chst in einem Waisenhaus f√ľr Jungs auch der aufgeweckte Jan auf. Dass seine Kameraden ihn, aufgrund seines auf der Schulter befindlichen Muttermals ablehnen, und dass seine Mutter als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde macht sein Los nicht eben leichter.
Als eines Tages ein reicher Herr, der Maler Arcimboldo begleitet von seinem Adlatus Contrario ins Waisenhaus kommt, um sich einen neuen Lehrling zu suchen, rechnet sich Jan keine großen Chance aus, der Tristesse und dem Hunger zu entfliehen. Trotz aller Zweifel fällt die Wahl des angesehenen Hofmalers auf ihn, ein Silberstreif scheint sich am Horizont abzuzeichnen.

Zusammen mit Contrario, der sich als Bader ein Zubrot verdingt, macht er sich gleich am ersten Tag auf Visite bei den Kranken und Sterbenden. Dabei bemerkt er verwundert, dass der Adlatus Sterbenden immer wieder Blut abzapft, und in Phiolen abf√ľllt. Was nur macht der hinkende Adlatus mit dem Lebenssaft der Todgeweihten?

In der Folgezeit erweist sich sein neues Heim als ein gar merkw√ľrdiger Ort. Zimmer verschwinden und tauchen wieder auf, T√ľren √∂ffnen sich nur, wenn man darum bittet und das anscheinend mit eigenen Willen ausgestattete Haus auch bereit ist, die √Ėffnung freizugeben, und Meister wie Adlatus scheinen die magische Kunst zu beherrschen, auf Bilder gemalte Wesen lebendig werden zu lassen. Wie dies alles mit Jan und dessen Freundin, der Brauereitochter Julia zusammenh√§ngt, wie der Rabbi Judah L√∂w und sein Golem aus der Josefstadt hineinpasst, und wie die Bedrohung von lebendig gewordenen Chimeren und Leu besiegt werden k√∂nnen, das erfahren sie, wenn sie zum Buch greifen.


Peter Dempf ist uns in erster Linie als Autor historischer Werke ein Begriff. Dass er von jeher sich auch gerne phantastisch bet√§tigte, bewiesen bereits sein Beitrag zu den Geschichten aus Phantasien (Die Herrin der W√∂rter ‚Äď Droemer Knaur Verlag).

Nun als legt er einen Jugendbuch vor, das sich auf ganz eigene Weise mit Prag, den Juden der Kaiserstadt, ihrem Golem und Rudolfs Besessenheit f√ľr alles Alchemistische und Zauberhafte besch√§ftigt.
Auf sehr einf√ľhlsame, gleichzeitig aber mit vielen gut recherchierten Details angereicherte Art und Weise wendet sich Dempf einem Handlungsort zu, der ein realistisches Bild einer Metropole im 16. Jahrhundert bietet. Armut, Krankheiten, der unvers√∂hnliche Hass der Christen auf die verfemten Juden, dazu viel Dreck, Unrat und Gewalt pr√§gen das Leben der einfachen Leute. Abgehoben davon residiert der Adel abgeschottet in seinen Pal√§sten, erfreut sich an Kunst und Spielen.
In diese sehr wirklichkeitsnahe Kulisse hat der Autor eine Handlung eingebaut, die und im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Lesestunden beschert. Dempf greift hier altbekannte Versatzst√ľcke auf. Ich erw√§hnte schon den Golem von Prag, aber auch die Alchemisten, die aus Blei Gold machen wollten, die Zauberer mit ihren Vorf√ľhren, die in aller Regel auf Taschenspielertricks zur√ľckzuf√ľhren sind, oder sprechende Tiere und Tiermenschen. Und, nicht zuletzt nat√ľrlich die Gabe des Malers und seines Adlatus unbelebte Zeichnungen lebendig werden zu lassen.
Mit jeder Menge Geheimnisse, Wendungen und Dramatik angereichert, zieht er uns hinein in die Geschichte eines mutigen Kampfes David versus Goliath, Jan gegen den Leu und dessen Meister, der so manche unangenehme √úberraschung f√ľr unseren jungen Helden bereit h√§lt. Dass dieser Unterst√ľtzung - moralische ebenso wie tatkr√§ftige - aus unterschiedlichsten Richtungen erh√§lt erleichtert ihm das √úberleben, dennoch ist es an ihm, den R√§tseln auf den Grund zu gehen und sich schlussendlich der Bedrohung zu stellen.

Das Wirkt wie eine gelungene Mischung aus M√§rchen und Fantasy-Roman mit einem Schuss Historienschm√∂ker, ist stilistisch ansprechend inhaltlich packend ausgef√ľhrt, und bietet nicht nur jugendlichen Leseratten spannende Schm√∂kerstunden.

Peter Dempf: Das Haus der roten Dämonen.
Cbj, April 2010.
464 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,95 Euro.

Carsten Kuhr

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