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Edward St Aubyn: Schöne VerhÀltnisse
Jetzt bestellen bei amazon.de! Alles andere als schön sind die VerhĂ€ltnisse in Edward St Aubyns "Schöne VerhĂ€ltnisse", das im englischen Original bereits 1992 unter dem Titel "Never Mind" erschien. Der Roman berichtet vom Leben der Familie Melrose in einer Villa in SĂŒdfrankreich. Und dieses Leben ist, obgleich frei von finanziellen Nöten, eine Hölle - zumindest fĂŒr den fĂŒnfjĂ€hrigen Patrick und seine alkoholkranke Mutter Eleanor, die beide unter dem bösartigen und sadistischen Hausherrn David leiden. Um nur die harmlosesten Beispiele zu nennen: Als sein Sohn schreit, weil er die Treppe hinuntergefallen ist, dreht David in seinem Zimmer den Wasserhahn auf, um das GerĂ€usch nicht hören zu mĂŒssen. Als Eleanor bemerkt, es sei eine Schande, dass die vom Baum gefallenen Feigen auf der Terrasse vergammeln, befiehlt er ihr, die faulenden FrĂŒchte vom Boden zu essen. Auch sonst nutzt David jede sich bietende Gelegenheit, andere zu demĂŒtigen oder seine menschenverachtenden Ansichten zum besten zu geben. Über Beerdigungen sagt er etwa sinngemĂ€ĂŸ: "Zwischen Beerdigung und Trauerfeier verstreicht in der Regel so viel Zeit, dass diese einem zeigt, wie leicht es sich ohne den Verstorbenen leben lĂ€sst." Doch es kommt noch schlimmer ...

Zum Dunstkreis der Familie gehört eine Anzahl von Verwandten und Freunden, die zumeist kaum besser sind. Die geschliffenen Dialoge zwischen ihnen gehören zu den stilistischen GlanzstĂŒcken dieses Buches.

Auf die Frage, ob all das autobiographisch sei, hat Edward St Aubyn (geboren 1960) schlicht mit "Ja" geantwortet. Er selbst wuchs als Sprössling des englischen Hochadels zum Teil in SĂŒdfrankreich auf.

Die LektĂŒre - das lĂ€sst sich denken - ist kein reines VergnĂŒgen. Das Dargestellte ist zu trostlos und zu entsetzlich. Kein noch so winziger Hoffnungsschimmer zeigt sich am Horizont. Und doch ist "Schöne VerhĂ€ltnisse" ein starkes StĂŒck Literatur: stilistisch ausgefeilt, in der Handlung dicht und ohne LĂ€ngen - ein Buch, das die Gesellschafts-VerhĂ€ltnisse der Reichen brillant aufs Korn nimmt. Lesenswert!

Bereits im August 2007 erscheint Band 2 der Melrose-Trilogie, "Schlechte Neuigkeiten". In der VorankĂŒndigung dazu heißt es ĂŒber Patrick: "Der mittlerweile 21-JĂ€hrige fliegt mit sehr gemischten GefĂŒhlen nach New York, um die Asche seines Vaters zu ĂŒberfĂŒhren. Als er schließlich dessen sterbliche Überreste in einer braunen PapiertĂŒte die Madison Avenue entlang trĂ€gt, fĂ€llt ihm auf, dass dies die angenehmsten zehn Minuten sind, die er je in Gesellschaft seines Vaters verbracht hat."

Edward St Aubyn: Schöne VerhÀltnisse.
DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln, MÀrz 2007.
180 Seiten, Hardcover.

Andreas Schröter

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