Burgturm im Nebel
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"Was mögen sich im Laufe der Jahrhunderte hier schon für Geschichten abgespielt haben?" Nun, wir beantworten Ihnen diese Frage. In diesem Buch.
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Alia Yunis: Feigen in Detroit
Jetzt bestellen bei amazon.de! In den langen Jahren ihres Lebens hat das Schicksal Fatima vom Libanon, ihrer Heimat, bis nach Amerika getrieben. Dort lebt sie bei ihrem Enkel Amir. Jeden Abend erscheint ihr Scheherazade und möchte eine Geschichte hören. Mittlerweile ist es 992 Nächte her, dass Fatima von San Francisco nach Detroit zu Amir gezogen ist, und von Scheherazade weiß sie, dass in der 1001. Nacht etwas passieren wird und diese Fatimas letzte sein wird. Über die Umstände ihres Todes schweigt die Frau aus dem Orient allerdings. Sie will viel lieber Fatimas Lebensgeschichten hören, sie liebt schlüpfrige Liebesabenteuer und verworrene Verwandtschaftsverhältnisse. Doch Fatima verschließt sich ihr gegenüber immer mehr, denn sie hat in den wenigen Tagen, die ihr bleiben, noch ein Erbe zu verteilen und ihren Enkel Amir zu verheiraten. Das erweist sich als nicht einfach, da er felsenfest dabei bleibt, schwul zu sein.

In »Feigen in Detroit« werden drei Generationen Muslime in Amerika begleitet. Zum einen die alte Generation derer, die sich noch an das Leben im Libanon erinnern, vertreten durch Ibrahim und Fatima. Sie beide thronen über dem Stammbaum der weit verzweigten Familie, den man als Leser oder Leserin bereits auf den ersten Seiten des Buches zu sehen bekommt. Gefolgt werden sie von der zweiten Generation, ihren Kindern, die schon in Amerika geboren wurden, aber noch viel vom alten Lebensstil mit auf den Weg bekamen. Und schließlich die jüngste Generation, Fatimas Enkel und Urenkel, geborene Amerikaner mit amerikanischem Lebensgefühl, ohne jegliche Arabisch-Kenntnisse und den fremdklingenden Geschichten von einem Land, das ihre Großeltern einst Heimat nannten. Sie werden alle vorgestellt und ein jedes Schicksal erhält durch die Feder Alia Yunis‘, die selbst libanesische Wurzeln hat, lebendig. Im Mittelpunkt steht ganz klar Fatima und ihre besondere Geschichte. Nach vielen Jahren der Ehe lässt sie sich an ihrem Lebensabend von Ibrahim, ihrem zweiten Mann und Vater des Großteils ihrer Kinder, scheiden. Für die ebenjene Kinder ein unverständlicher Zug, aber die Schriftstellerin rückt am Ende alles ins rechte Licht und sorgt mit ihrem Roman für sehr viel Lesespaß und ein Verständnis für die Menschen, die zwischen den Stühlen der Kulturen sitzen.

Dabei vertraut Alia Yunis auf die Magie der Märchen aus 1001 Nacht und gibt Scheherazade eine neue, modernere Gestalt. 1001 Nächte kommt sie an Fatimas Bett und lässt sich die Geschichte ihres Lebens erzählen, immer mit der Aussicht, dass Fatimas Geschichte mit Ablauf dieser Zeit ihr Ende finden wird. Fatima selbst wird rüstige Alte mit Humor vorgestellt, die von ihrem Enkel Amir gepflegt wird, mittlerweile aber zu aus seiner Sicht wirren Selbstgesprächen und Tatterigkeit neigt. Die Figuren, allen voran Fatima, Ibrahim und Amir, wirken sehr lebensecht und am Ende der Geschichte hat man sogar ein bisschen das Gefühl, sie persönlich zu kennen. Dieses Buch erzählt nicht nur eine Lebensgeschichte, sondern versucht neben der Darstellung Fatimas auch ihre Kinder und Enkel mit Farbe zu versehen, was sehr gut und leicht nachvollziehbar gelingt. Der Feigenbaum in Amirs Garten, der im ungastlichen Detroit bisher niemals Früchte getragen hat, wird zum Sinnbild insbesondere für das mittlerweile geschiedene Ehepaar. Sie sind die Feigen in Detroit, in Amerika, die Fremdkörper, die dennoch Wurzeln im Land geschlagen haben und deren Kinder ihre Geschichte weitererzählen. Somit steht »Feigen in Detroit« nicht nur für Auswandererschicksale, sondern beschreibt auch die Beziehungen zwischen Vätern, Müttern, ihren Kindern und Enkeln.

„Auf Arabisch passieren ganz andere Dinge auf der Welt“, fasst Ibrahim die Erfahrung im Roman zusammen, als er seit langem wieder eine arabische Zeitung in den Händen hält. Auch dafür lässt der Roman ein Gefühl entwickeln: für die andere Sichtweise, fürs Fremde, für die Ähnlichkeit der Menschen untereinander. Letztlich bildet jede Familie doch ein Netz aus Liebe, Geborgenheit und Vertrauen, das sich aber den jeweiligen Gegebenheiten anpasst.

Als Anhang zum eigentlichen Roman enthält das Buch neben dem bereits erwähnten Stammbaum der Familie sowie einem Lesezeichen, auf dem dieser ebenfalls abgedruckt und somit schnell greifbar ist, ein Interview mit der Autorin und Infos über die Figur der Scheherazade und der Veränderung, die sie in »Feigen in Detroit« erfährt.

Eine tolle Leseunterhaltung, die so bunt ist wie das Leben selbst. Figuren, die einem als Leser oder Leserin ans Herz wachsen, humorvolle Szenen, aber auch Nachdenkliches – ein rundum gelungenes Buch!

Alia Yunis: Feigen in Detroit.
Aufbau Verlag, August 2010.
472 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,95 Euro.

Janine Gimbel

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