Honigfalter
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Ferdinand von Schirach: Schuld
Jetzt bestellen bei amazon.de! „Die Dinge sind wie sie sind“ Diese Weisheit von Aristoteles hat Ferdinand von Schirach seinem zweiten ErzĂ€hlband vorangestellt und sie ist hier genauso wahr, wie sie vor etwas ĂŒber zweitausend Jahren wahr war. Trotzdem möchte man die Dinge manchmal Ă€ndern, denn von Schirach zwingt uns mit seinem ErzĂ€hlstil dazu, den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit zu hinterfragen. Er zwingt uns zum Hinsehen und immer wieder zu der Frage, wer eigentlich gut und wer böse ist in diesen Geschichten.

Der Autor ist Rechtsanwalt und beschreibt FĂ€lle, wie sie ihm in seiner Praxis so oder so Ă€hnlich begegnet sind. In diesen ErzĂ€hlungen bezieht er oft eine klare Stellung, hinterfragt Motive und bezieht den Charakter der TĂ€ter und Opfer mit ein. Das schafft NĂ€he fĂŒr den Leser, das weckt immer wieder auch Emotionen.

Aber es gibt fĂŒr mich ein „aber“ bei diesem Buch. Was unterscheidet diesen ErzĂ€hlband von Fernsehformaten, die gemeinhin gerne als „Trash“ bezeichnet werden? Auch da werden FĂ€lle vorgestellt, die oft genug vor Gericht enden, auch da steht hĂ€ufig der TĂ€ter und seine Sichtweise sehr weit vorne. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Von Schirach stellt seine Protagonisten nicht bloß. Dazu trĂ€gt auch seine an manchen Stellen fast pragmatische ErzĂ€hlweise bei. Stellen, an denen er ohne jede AusschmĂŒckung nur beschreibt, sind umso eindringlicher, weil sie trotzdem seine eigene Hilflosigkeit spiegeln fĂŒr Recht sorgen zu mĂŒssen und trotzdem Gerechtigkeit nicht zu fĂŒhlen. Geschichten aus dem Leben kann man auch so erzĂ€hlen.

Fazit: Mindestens eins von Ferdinand von Schirachs BĂŒchern lesen, weil es nie falsch sein kann, mal was aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Ferdinand von Schirach: Schuld.
Piper, August 2010.
208 Seiten, Gebundene Ausgabe, 17,95 Euro.

Regina Lindemann

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