Madrigal für einen Mörder
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Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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Naomi Novik: Die Feuerreiter Seiner Majestät. Drachenprinz, Band 2
Jetzt bestellen bei amazon.de! Kaum hat sich der frühere Kapitän zur See Will Laurence damit angefreundet, dem Englischen Königreich zukünftig als Drachenreiter zu dienen, da ziehen neue Wolken am Horizont auf.

Temeraire, der chinesische Himmelsdrache hat die Invasion des Britischen Heimatreiches durch Napoleon fast im Alleingang durch den »Göttlichen Wind« verhindert. Eine Chinesische Delegation, angeführt durch den Bruder des Thronerben höchstselbst, ist im Königreich eingetroffen. Die Forderung der Chinesen - sie wollen Temeraire, dessen Ei sie vor Monaten Napoleon schenkten zurück, und die Britische Admiralität will, um eine Auseinandersetzung mit den übermächtigen Reich im fernen Osten zu vermeiden, einlenken.

Doch weder der Drachenreiter, noch der Drache selbst wollen sich eine Trennung gefallen lassen. Um einen größeren Eklat zu vermeiden, entsendet die Krone beide nach China, und hier, in dem von Intrigen beherrschten Königshof, entscheidet sich das Schicksal des Gespanns ...

Würde es Novik nach dem fulminanten Auftakt gelingen, das hohe Tempo und die Faszination die ihre Schilderung der intelligenten Lindwürmer ausgelöst hatten, beizubehalten, das war die Frage, die mich zu Beginn der Lektüre umtrieb.

Meist sind die Mittelbände einer Trilogie eher enttäuschend. Ich nenne dies das »Zweite-Band-Syndrom«.
Die Personen und Grundkonflikte sind im ersten Teil eingeführt worden, zu Viel kann und darf nicht passieren, sonst ist der Dampf draußen, und dem Autor bleibt für ein großes Finale zu wenig Packendes übrig. Das ist eine Gratwanderung, die jedem Verfasser hier bevorsteht, und viele, nein die meisten Autoren, scheitern gerade am Mittelband ihres Zyklusses.

Naomi Novik bildet hier leider keine der wenigen rühmlichen Ausnahmen. Die ersten rund 300 Seiten ergehen sich schlichtweg in Langeweile. Die mühsame Einschiffung, die Ressentiments zwischen den Matrosen und den Mannschaftsdienstgraden der Feuerreiter sowie die rätselhaften Chinesen, die doch arg stereotyp portraitiert werden, lassen wenig Faszination aufkommen.

Die Reise die den Drachentransporter rund um das Kap führt hätte eigentlich Potenzial für spannende Handlung mit exotischen Settings zuhauf geboten. Die Erforschung des schwarzen Kontinents, die leider nur angerissene Sklaven-Problematik, die Auseinandersetzung der Engländer gegen die Buren, die Südafrika erschlossen haben - all dies interessante, entwicklungsfähige Topics, die ungenutzt bleiben.
Doch wer nun erwartet, dass die Autorin statt dessen ihr Augenmerk auf die fernöstliche Kaiser-Dynastie mit Peking als bunter Kulisse richtet, der sieht sich ebenso enttäuscht. Bis weit in den zweiten Teil des Buches wird uns langatmig die Reise geschildert.
Spät, zu spät dann hinterfüttert die Autorin ihre Handlung mit interessanten Entwicklungen. Angesichts des problemlosen Miteinanders, mit dem Menschen und Drachen in China neben- und miteinander harmonieren, fragt sich Temeraire zurecht, ob er in England als gefürchtetes Ungeheuer in Diensten des Königreichs nicht ausgebeutet und missbraucht wird. Liegt hier nicht auch eine Art Versklavung der Lindwürmer vor, wo bleibt ihre Bezahlung, wo die Anerkennung als gleichberechtigte Partner und Untertanen ihrer Majestät?

Das sind durchaus interessante Fragestellungen, das verleiht dem Texte eine bis dahin ungewohnte Tiefe. Bis zu diesem Punkt aber erwartet den Leser eine nicht eben sonderlich berauschende Reisebeschreibung ohne wirkliche Höhepunkte. Die im ersten Band so erfreuliche neuartige Darstellung der intelligenten Drachen, die zutiefst emotionale, dabei aber glaubwürdige Beziehung, die sich zwischen Drache und Reiter aufbaut, auf all dies muss der Leser bis zum 13. Kapitel warten, bis die Autorin sich erneut ihrer Stärken besinnt und hier nachlegt.

Hoffen wir, dass sie sich im abschließenden dritten Teil diesem Aspekt wieder von Beginn an zuwendet und ihre Leser erneut so einzufangen versteht, wie dies im ersten Roman der Fall war.


Naomi Novik: Die Feuerreiter Seiner Majestät. Drachenprinz, Band 2.
Blanvalet, München, Juli 2007.
507 Seiten, Taschenbuch.

Carsten Kuhr

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