Mainhattan Moments
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Susanne Ruitenberg und Julia Breiten├Âder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
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Charlotte Lyne: Glencoe
Jetzt bestellen bei amazon.de! Als sie sechzehn Jahre alt ist, wird Sarah Campbell aus ihrem Tal Glenlyon weggef├╝hrt von Sandy Og MacDonald. Ausgerechnet nach Glencoe, dem Tal der Schatten, bringt er sie, als seine Braut. Doch in Glenlyon war sie nur die d├╝rre Sarah, die Waise, die keiner beachtet, die keinem fehlen wird.

Elf Jahre Sp├Ąter, im Jahr 1689. Sarah ist in Glencoe nicht heimisch geworden. Ihr einziges Kind ist verkr├╝ppelt, ihre Beziehung mit Sandy Og stumm.
Da ersch├╝ttern weitreichende Ereignisse die Hochl├Ąnder: Das englische Volk hat ihren geliebten K├Ânig James zum Teufel gejagt, seine Tochter Mary und ihr niederl├Ąndischer Mann William haben den Thron geraubt. Glencoe, wie die meisten T├Ąler, h├Ąlt Jamie die Treue, doch die Campbells schlagen sich auf die Seite des neuen K├Ânigs.
Und Robert, Sarahs Onkel, hat noch mehr als eine Rechnung mit denen aus Glencoe offen ...
Nach Vineta, dem Hof Heinrich VIII und Plymouth zur Zeit der Pest f├╝hrt uns die Autorin in ihrem vierten historischen Roman in das schottische Hochland. Aber dieses Buch hat nichts von einem Highland-Liebesroman, obwohl die Liebe nat├╝rlich eine Rolle spielt, in mehr als einer Hinsicht. Verschm├Ąhte Liebe, missverstandene Liebe, Hunger nach v├Ąterlicher Liebe, nicht zuletzt Liebe zur Heimat und zu alten Traditionen vor den Umbr├╝chen eines anbrechenden neuen Zeitalters. Die Hochl├Ąnder lassen sich in einen Krieg hineinzerren, der nicht der Ihre ist, und merken zu sp├Ąt, was machtgeile und verblendete Menschen wirklich mit ihnen vorhaben. So schw├Âren sie einen Eid f├╝r Jamie, ein Eid, der sich als tragisch erweist.
Charlotte Lyne macht in ihrem Buch den Versuch, das Massaker von Glencoe zu verstehen und zu interpretieren. Sie gibt insbesondere Robert Glenlyon eine Geschichte, ein Gef├╝hls- und Innenleben, die zeigen, wie jemand, in die Enge getrieben und vom Leben gebeutelt, eine solche Entscheidung f├Ąllen kann.
Gleichzeitig erhalten wir tiefe Einblicke in das Leben eines Hochlandclans, mit seinen aus heutiger Sicht mitunter verst├Ârenden Traditionen, die nicht nur Gutes bewirken, mit seinen komplizierten zwischenmenschlichen Beziehungen, vor dem Hintergrund einer Landschaft, die atemberaubend ist, aber auch gef├Ąhrlich, und ihren Bewohnern alles abverlangt.
Die Figuren sind gr├Â├čtenteils historisch, wenige hat die Autorin hinzugef├╝gt, und sie sind so unglaublich lebendig, dass ihre Schicksale sehr unter die Haut gehen.
In Einsch├╝ben schwenkt die Sicht immer wieder auf K├Ânigin Mary und ihre Verzweiflung ob ihrer Kinderlosigkeit, ihrem Unmut dar├╝ber, in England sein zu m├╝ssen, und ihrer Verachtung f├╝r ihre schottische Abstammung.
So kommt eines zum anderen und der Leser muss hilflos mit ansehen, wie die Figuren der Katastrophe entgegenschlittern, einer Katastrophe, die niemand mehr aufhalten kann.
Die Sprache ist, wie wir sie von Charlotte Lyne kennen, ├╝ppig, sinnlich, sehr bilderreich, voller ├╝berraschender Formulierungen.
Eine Sprache, die man sich auf der Zunge zergehen lassen kann wie einen weichen, alten Highland Single Malt.
Ein Buch f├╝r lange Leseabende vor einem Kaminfeuer, ein Buch, das Lust macht, augenblicklich die Koffer zu packen und nach Glencoe zu fahren.
Zu hervorheben ist auch die aufwendige Gestaltung des Buches: Ansprechendes Cover ohne abgeschnittene Frauenportaits, Lesb├Ąndchen, Landkarte, ausf├╝hrliches Glossar, ein Personenverzeichnis, das nur die Geburtsdaten beinhaltet, um nicht die Spannung zu zerst├Âren, und ein sehr interessantes Nachwort der Autorin.
Der ich zurufen m├Âchte: Wohin f├╝hrst Du uns das n├Ąchste Mal? Ich komme mit!

Charlotte Lyne: Glencoe.
Bastei L├╝bbe, September 2010.
640 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Susanne Ruitenberg

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