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Bertold Brecht: Kalendergeschichten (1949)
Jetzt bestellen bei amazon.de! Kalendergeschichten - die kenne ich! Sind doch die kleinen Texte auf den Abreisskalendern, diese kleinen „Weisheitchen“ von Omas, Bauern und Dalai Lamas.... und von sozialistischen Theaterformbegründern?

Nein, so etwas schreibt der große Bertolt Brecht natürlich nicht – nichts hätte ihm wohl ferner gelegen. Und doch stimmt er 1949 zu, seine über einen Zeitraum von 30 Jahren gesammelten 87 Kurzprosastücke, die er selbst, anknüpfend an seinen „Protagonisten“, Geschichten vom Herrn Keuner nennt, unter dem Titel Kalendergeschichten zu veröffentlichen.
Warum? Will er sich vielleicht doch zwischen Kochrezepten, Fleckenentfernungstipps und spirituellen östlichen Lebensweisheiten veröffentlicht wissen?
Nein, er will nur volksnah sein, das Volk instruieren, lehren, erbauen, und so reiht er sich gern in die von Johann Peter Hebel im 19. Jahrhundert begründete literarische Tradition der Kalendergeschichte ein.

Brecht berichtet von einfachen alltäglichen Begebenheiten, mit denen sich Keuner konfrontiert sieht durch dessen Beobachterauge. Er zeigt dem Leser Keuners Reaktion auf ein Geschehen und belehrt ihn dadurch zu „richtigem, sozialen Verhalten“ . Das macht Brecht jedoch nie absolut klar oder „glatt“, bevormundend oder mit „erhobenem Zeigefinger“, sondern er lässt den Leser selbst über das Gelesene nachdenken und zu einem „belehrenden Fazit“ kommen.

Sehr bekannt dürfte die Geschichte sein, in der Keuner auf einen weinenden Jungen trifft, dem ein Groschen weggenommen worden ist. Keuner hilft dem Jungen zunächst, indem er dem „Dieb“ das Geldstück wieder abnimmt und es dem Jungen zurückgibt. Dann jedoch, als das Kind auf Keuners Frage, was es denn selbst getan habe, um das Geld zurück zu bekommen, antwortet, es habe nichts getan, nur geweint, nimmt Keuner ihm den Groschen wieder aus der Hand, lässt den Jungen zurück und geht mit dem Geld davon.
Auf den ersten Blick erscheint Keuners Verhalten falsch, ja, geradezu gemein - diesem armen Kind den Groschen wegnehmen! - und man mag zu dem Fazit kommen: Dumme Geschichte! Andererseits: Was bringt es dem Jungen, wenn er lernt, dass sich Probleme am besten dadurch lösen lassen, dass man sich passiv und weinend in sein Schicksal ergibt und darauf wartet, dass jemand daherkommt, der aktiv wird und seine Probleme für ihn löst?

Brecht bleibt sehr allgemein, beobachtet, berichtet nur, gibt keinen klaren Bewertungsfingerzeig – das muss der mündige Leser allein leisten, indem er selbst denkt.

Frei nach dem Motto: Jeden Tag ein weiteres Blättchen abreißen, ein weiteres Schrittchen gehen in Richtung des reflektierten Verhaltens, ein Schrittchen näher hin zur Mündigkeit.

Bertold Brecht: Kalendergeschichten (1949).
Rowohlt Taschenbuch, Reinbek, Februar 2005.
117 Seiten, Taschenbuch.

Tanja Muhs

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