Der Cousin im Souterrain
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Der nach "Dingerchen und andere bittere K├Âstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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J. R. Ward: Blutopfer - Black Dagger, Band 2
Jetzt bestellen bei amazon.de! Seit Jahrhunderten werden die Vampire immer weniger. Die letzten ├ťberlebenden k├Ąmpfen einen verlorenen Kampf. Ohne einen Anf├╝hrer, verfolgt von den Lesser, einem Orden von untoten, kastrierten Vampirj├Ągern, die im Auftrag des D├Ąmons Omega die Nosferatu mit modernsten Waffen hetzen, sieht die Zukunft d├╝ster aus. Noch stellt sich die Bruderschaft der Black Dagger, m├Ąchtige Vampirk├Ąmpfer den Lesser entgegen, doch auch ihre Zahl nimmt ab.

Wrath, der Anf├╝hrer der Black Dagger und designierter K├Ânig der Vampire, dr├╝ckt sich seit Jahrhunderten vor der Pflicht. Lieber geht er n├Ąchtens auf Lesser-Jagd, als Verantwortung f├╝r die schwindenden Artgenossen zu ├╝bernehmen. Jetzt aber kommt Bewegung in die festzementiert scheinende Situation. Wrath muss sich um die Halbtochter seines verstorbenen Freundes, ebenfalls eines Daggers k├╝mmern. Nicht genug, dass er sich der junge Frau annehmen muss, die von ihrem Erbe nichts ahnt, und der die Transformation zur Nosferatu bevorsteht, nein, er muss sich auch noch in die Eigenwillige verlieben. Liebesn├Ąchte voller Lust und Z├Ąrtlichkeit folgen, doch Wrath wird durch seine Zuneigung auch angreifbar. Als die Lesser Beth entf├╝hren, macht sich ein von Rachedurst und Sorgen getriebener Vampir auf die Suche - und glauben Sie mir, die Lesser ahnen nicht, was da auf sie zurollt ...

J. R. Wards Romane um die Wesen der Nacht besetzen eine Marktl├╝cke. Romantic Mystery-Fantasy, so k├Ânnte man die Romane umschreiben, teilweise in der Darstellung der Sexualit├Ąt durchaus deutlich, ja deftig, jedoch gr├╝ndend auf einem breiten Bett von gro├čen Gef├╝hlen - ganz eindeutig also auf eine weiblichen Klientel zielend.

Dabei ist die Welt, die Ward entwirft, recht interessant. Die Vampire als nat├╝rliche Evolutionsabzweigung, einmal nicht aus normalen Menschen wandelbar, und was noch viel wichtiger ist, zur Ern├Ąhrung auf ihre Artgenossen angewiesen.

Das, was unz├Ąhlige Nachahmer Bram Stokers in das Zentrum ihrer Werke setzten, die Jagd der Nosferatu nach dem Lebenssaft ihrer Beute, der normalen Menschen, das bleibt hier schon zu Beginn au├čen vor. Kein Wunder also, dass unter den Vampiren die Furcht vor der Assimilierung, der Aufgabe der eigenen Wurzeln und der Ausrottung umgeht. Dazu kommt, dass die Vampirgemeinde ├╝ber Jahrhunderte dezimiert wurde. Die von den untoten, und damit auch nicht alternden Lesser Gejagten sind eben gerade nicht die ├╝berlegene Spezies, als die viele Autoren sie ihren Lesern pr├Ąsentieren. Angesichts moderner, hochtechnisierter T├Âtungsger├Ąte, einer beliebig vergr├Â├čerbaren, sowohl tags├╝ber wie auch des Nachts ihnen kr├Ąftem├Ąssig fast ebenb├╝rtigen Gegnerschar, droht ihnen die Ausl├Âschung.

Das ist vom Ansatz her ungew├Âhnlich und damit interessant. Auch die Gemeinschaft der Black Dagger, einer groben ungez├╝gelten Horde zumeist primitiver K├Ąmpfer, die als eben diese brutalen K├Ąmpfer dargestellt werden, entspricht so gar nicht den Gentleman-Vampiren gewohnter Pr├Ągung. Hier regiert das Testosteron, hier dominiert das Alpha-M├Ąnnchen ├╝ber seine Konkurrenten.

Nicht zuletzt kommt viel der Faszination aus der Zeichnung der Menschen im Umfeld der Dagger. Der ehemalige Polizist Butch, der wegen Gewalt im Dienst disziplinarisch gema├čregelt wurde, ein S├Ąufer und Matcho mit dem Herz auf dem rechten Fleck, ist ein Stereotyp erster G├╝te und dennoch eine Person, die mich fasziniert hat. Unauff├Ąllig, ja unterschwellig gelingt es Ward im Leser Sympathie mit dem alternden Cop zu wecken, sein tristes Privatleben, seine Hinwendung zum Beruf, der f├╝r ihn buchst├Ąblich alles ist, und sein ├ťberschreiten der Grenze des Zul├Ąssigen nachvollziehbar aufzubereiten. Kein Wunder also, dass er, dessen Leben zu einem ├╝berwiegenden Teil aus Frustration besteht, die Chance, dem tristen Alltag zu entfliehen, das Gl├╝ck eine Partnerin zu finden, die ihn wahrhaftig zugetan ist, nach anf├Ąnglichem Misstrauen mit offenen Armen annimmt. Das ist kitschig, das entspricht dem Aschenputtel-Mythos doch in dem gewaltbereiten, actionbetontem Umfeld wirkt es frisch und durchaus spritzig.

Insgesamt also ein Roman, der gekonnt auf dem Klavier gro├čer Gef├╝hle wie auch auf der Partitur der Action spielt, der allerdings, ohne den ersten Teil des Romans, der f├╝r die Deutsche Ausgabe geteilt wurde, f├╝r den Leser kaum verst├Ąndlich ist.

J. R. Ward: Blutopfer - Black Dagger, Band 2.
Heyne-Verlag, M├╝nchen, August 2007.
302 Seiten, Taschenbuch.

Carsten Kuhr

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