Der Cousin im Souterrain
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Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Helmut de Boor (Hrsg.): Das Nibelungenlied (13. Jahrhundert)
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Uns ist in alten mæren wunders vil geseit
Von helden lobebæren, von grôzer arebeit,
von fröuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen,
von küener recken strîten muget ir nu wunder hoeren sagen.

Ez wuohs in Búrgónden ein vil édel magedín,
daz in allen landen niht schoeners mohte sîn,
Kriemhilt geheizen: sie wart ein scoene wîp.
Dar umbe muosen degene vil verliesén den lîp.

Der Beginn der ersten Aventiure, das erste der 39 Abenteuer des Nibelungenliedes im Originaltext, verfasst irgendwann im 13. Jahrhundert von einem Autor, der namentlich nicht überliefert ist.
Nicht erkannt? Nein, das ist kein Platt und kein Niederländisch - das ist Deutsch, das Deutsch des Mittelalters.
„Aha! Sehr interessant!“ mag man sagen, „Wieder etwas gelernt, was man gar nicht wissen wollte! Und warum sollte man das wohl lesen? Man versteht ja kaum ein Wort! Was steht denn da jetzt?“ wird man sicherlich denken.
Keine Sorge, natürlich gibt es in den Text auch in neuhochdeutscher Übersetzung- meist sogar in so etwas wie Prosaform, was dem Leser die halblyrische Form der Nibelungenstrophe „erspart“, sodass er den Inhalt um so mehr genießen kann. Und genießen kann man den Inhalt wirklich!

Es geht um Rache, um Rache, Mord, Schlachten, Verrat ebenso wie um Tarnkappen, Zauberringe und – schwerter, um unbezwingbare, tapfere Helden. Und - vor allem und besonders - um Liebe, den Verlust einer erfüllten, das Erschleichen einer anderen Liebe.

Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist die schöne Kriemhild, die Schwester der Prinzen Gunther, Gernot und Giselher - eine starke und gar nicht ungefährliche Frau -, deren Taten viele tapfere Ritter schließlich mit ihrem Leben bezahlen. (Und das steht da, in der Eingangspassage der ersten Aventiure.) und ihre Liebe zum (fast) unbesiegbaren Drachenblut-Bader Siegfried.

Ärger ist schnell programmiert, denn so wie Kriemhild Siegfried liebt, liebt ihr Bruder Gunther die starke Brünhild, die dummerweise nur einen Mann an ihrer Seite akzeptiert, der sie im Kampf bezwingen kann. Das ist aber leider nicht Gunther, sondern Siegfried und so kommt Siegfried dem Freund bei der Werbung um Brünhild sowohl im Kampf gegen sie als auch später im königlichen Bett in „Tarnkappen-Verkleidung“ zur Hilfe. Diese Hilfeleistung gegenüber Gunther besiegelt jedoch Siegfrieds Todesurteil, als nach einigem Hin und Her klar wird, dass Brünhild ahnt, dass sie einem Betrug aufgesessen ist, was – konsequent zu Ende gedacht- ihre Ehe mit Gunther (und somit die politischen Machtverhältnisse) wanken lassen könnte. Es wird entschieden, sich des „Verursachers“ Siegfried zu entledigen. Hagen von Tronje bringt Siegfrieds wunden Punkt in Erfahrung – eine Stelle an der Schulter, auf die während des Drachenblutbades ein Lindenblatt hinabgesegelt war- und tötet ihn bei einem Jagdausflug mit Genehmigung Gunthers. Zunächst ist Kriemhild untröstlich, doch als sie herausfindet, dass Siegfried einem Macht-Komplott zum Opfer gefallen ist, sinnt sie auf Rache an ihren Brüdern und dessen Getreuen, die ihr ihren Ehemann genommen haben...

Noch Fragen, ob sich hier das Lesen lohnt??
Spannung pur, Romantik und Intrige und nebenbei hätte von Siegfried auch sicherlich der Potter-Harry noch etwas lernen können.
Zugegeben, ein(en) Haken(kreuz) hat der Text schon:
Er ist so alt, dass er vor 1933 schon da war und handelt vom germanischen Volk...
Da lag es wohl für Hitler-Deutschland nahe, ihn zu bemühen, der „Ideologie“ entsprechend zu interpretieren und ihn so im Rahmen einer „Miss-Rezeption“ (eines Missbrauches!) für die Vermittlung ideologischen Gedankengutes zu nutzen und ihn – außer in bestimmten Kreisen- für nachkommende Generationen mit einem „Tabu“- Schildchen zu versehen.

Also, bitte: Schildchen abreißen und lesen, denn das Nibelungenlied hat es nicht verdient, ein Schattendasein fristen zu müssen!

Es ist nicht nur ein klassischer Text, ein Stück Literaturgeschichte, ein großes Werk mittelalterlicher Heldenepik, eine Vertextung des germanischen Sagenstoffes um die Nibelungen, sondern ebenfalls überaus kurzweilig, mitreißend und spannend.

Helmut de Boor (Hrsg.): Das Nibelungenlied (13. Jahrhundert).
GLB-Parkland, Köln, November 2000.
732 Seiten, Taschenbuch.

Tanja Muhs

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