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Sabine Friedrich: Das Eis, das bricht
Jetzt bestellen bei amazon.de! Robert, erfolgreicher Architekt aus M├╝nchen, ist Anfang vierzig und hat die Nase voll von all den Erfolgsmenschen um sich herum und von seiner egozentrischen und neurotischen Geliebten.. Da kommt ihm die Bitte eines Freundes, ein Haus an der Ostk├╝ste der USA auszubauen, gerade recht. Er flieht in die Einsamkeit von Cape Cod in Maine und widmet sich ganz seiner Arbeit. Doch pl├Âtzlich wird er aus seinem Einsiedlerdasein gerissen, als er nach einem Wintereinbruch in einem Wald eine bewu├čtlose, schwer verwundete Frau findet. Die l├Ą├čt ihn nicht mehr los, auch als er l├Ąngst wieder nach M├╝nchen zur├╝ckgekehrt ist.
Nach einem alten indianischen Glauben ist ein Mensch, der einem anderen das Leben rettet, f├╝r immer mit diesem verbunden. Robert f├╝hlt sich auf seltsame Weise mitverantwortlich f├╝r die Fremde, in die er nicht einmal verliebt ist und mit der er noch nie gesprochen hat. Doch irgendwie sp├╝rt er, da├č hier eine Chance liegt, aus seinem langweiligen, unbefriedigenden Leben auszubrechen. Als sie aus dem Koma erwacht, fliegt er sofort in die USA zur├╝ck. Und erf├Ąhrt zu seiner Verwunderung, da├č sie nicht nur Deutsche ist, sondern auch aus M├╝nchen, und da├č sich ihre Wege hin und wieder bereits gekreuzt haben. Sina Fischer, Mitte drei├čig, war ebenfalls aus ├ťberdru├č am M├╝nchner ÔÇ×SzenelebenÔÇť nach Amerika aufgebrochen, lernt dort den Lebensk├╝nstler und Kleindealer Jacques und dessen kleinen Sohn kennen und f├Ąhrt mit ihnen in einem Wohnwagen wochenlang von Florida in Richtung Norden.. Die beiden verbindet eine Art Bruder-Schwester-Beziehung und der Wunsch nach Freiheit. Bis zu jener Nacht im verschneiten Wald. Was dann passiert ist, liegt im Dunkel...
Sabine Friedrich, Jahrgang 1958, erz├Ąhlt in ihrem zweiten Roman die Geschichte einer ungew├Âhnlichen Ann├Ąherung zwischen zwei Menschen unter extremen Bedingungen. Nicht auf irgendeiner M├╝nchner Party findet man sich, sondern drau├čen in der Wildnis, auf sich selbst zur├╝ckgeworfen durch Krankheit und Einsamkeit. Zun├Ąchst deutet wenig auf eine Liebesgeschichte hin. Erst einmal m├╝ssen sich die Figuren ihrer Vergangenheit stellen, ihren versch├╝tteten Gef├╝hlen und W├╝nschen, bevor sie etwas Neues wagen k├Ânnen. Erst am Ende taut und bricht das Eis, das hier als Metapher f├╝r menschliche Seelenzust├Ąnde steht.
Das klingt nach schwerbl├╝tigem Psychodrama. Doch die Autorin erzeugt durch bewu├čten Einsatz von Sprache und Erz├Ąhltechnik eine Dynamik, die den Leser schnell in die Handlung hineinzieht und das Abgleiten ins allzu Melodramatische vermeidet. Abwechselnd wird aus Sinas und Roberts Perspektive die Vorgeschichte erz├Ąhlt, bis die Handlungsf├Ąden aufeinander zulaufen. Indem sie entweder sehr kurze S├Ątze verwendet oder ganze Abschnitte nicht durch Punkte voneinander trennt, sondern durch Kommata aneinanderreiht, erzeugt Sabine Friedrich eine geradezu atemlose, intensive Atmosph├Ąre. Offen, lakonisch und bisweilen bis zur Schroffheit ehrlich sind die Dialoge. Ein Stil, der f├╝r manch einen gew├Âhnungsbed├╝rftig sein mag. Gef├╝hle und Beziehungen werden nicht beschrieben, sondern zwischen den Zeilen angedeutet, so da├č dem Leser Spielraum f├╝r eigene Gedanken bleibt. Auch wenn die Handlung manchmal konstruiert wirkt- besonders in Hinsicht auf die Vorgeschichte des Unfalls- das Buch l├Ą├čt einen nicht kalt, zwingt den Leser, sich auf diese Figuren einzulassen. Aus zwei Yuppies in der Midlife-Sinnkreise werden verletzbare Individuen mit einer Geschichte, denen man sich ann├Ąhern kann. Der Schlu├č kann dann auch kein klassisches Happy-End sein, eher die Ahnung von einem Aufbruch, schwankend zwischen Zweifeln und verhaltenem Optimismus.

Sabine Friedrich: Das Eis, das bricht.
Goldmann Verlag, M├╝nchen, Oktober 2004.
288 Seiten, Taschenbuch.

Susanne Tank

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