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Peter Schwindt: Lauernde Stille - Libri Mortis, Band 3
Jetzt bestellen bei amazon.de! Zum nunmehr dritten Mal entfĂŒhrt uns Peter Schwindt in die französische Hauptstadt. Zusammen mit Rosalie, unserer sechszehnjĂ€hrigen ErzĂ€hlerin haben wir zweimal die Katakomben unterhalb von Paris aufgesucht, uns mit dem mysteriösen Pylart, der mittels eine BerĂŒhrung die dunkelsten Geheimnisse jedes Menschen erfahren kann, eine spannende Jagd geliefert. Nachdem es Rosalie gelungen ist, dessen Archiv mit dem belastenden Material abzufackeln, geht eine Welle von RĂŒcktritten bedeutender WirtschaftsfĂŒhrer und Politiker durch Frankreich. Doch der TĂ€ter selbst ist entkommen.
Rosalie selbst weiß immer noch nicht, wie sie mit dem phantastischen Geschehen umgehen soll. Was ist vor ihrer Geburt passiert, warum liegt ihre Mutter seitdem im Koma, und wer ist Amadeus?

Die LektĂŒre der TagebĂŒcher ihrer Mutter, das Einzige, was sie aus den Flammen des Archivs retten konnte, soll ihr hier Aufschluss bringen. Doch schon die erste Hineinschnuppern zeigt, dass die BĂŒcher einen dunklen, fast morbid zu nennenden Einfluss auf Rosalie ausĂŒben. Sie taucht in die erzĂ€hlte Handlung ein, schlafwandelt, erlebt scheinbar am eigenen Leib mit, was damals geschah, und kann entsprechende Wunden vorweisen. Ist sie verrĂŒckt? Sind das Stigmata oder durchlebt sie eine Zeitreise?
Sie lÀsst sich in die Klinik Ste. Anne einweisen, doch auch hier gehen ihre lebensgefÀhrlichen Schlafwanderungen weiter. Damit nicht genug, hat die Klinik einen Zugang zu den Katakomben, in denen Pylart lauert.
Nur die Auffindung des Spiegels und die Beendigung der TagebuchlektĂŒre kann Aufschluss geben, was vor sechzehn Jahren tatsĂ€chlich geschah, auch wenn es dabei gilt, ein dunkles Geheimnis ihres Vaters zu lĂŒften ...

Peter Schwindt zog in den ersten beiden BÀnden seine Libri Mortis Trilogie viel der Faszination, den die BÀnde ausstrahlten, aus der Schilderung des Lebens und der AtmosphÀre der Katakomben. Tief unter den belebten Boulevards der Hauptstadt, unter Boutiquen und Museen existiert ein Reich der immer wÀhrenden Dunkelheit mit Wesen bevölkert, die teils freiwillig, teils gezwungen ihre Menschlichkeit aufgegeben haben. In diesem faszinierend anderen Ambiente fanden die Verfolgungsjagden statt, kÀmpfte unsere willensstarke junge Frau um ihre Freiheit, um Freundschaft und um Erkenntnis.

Vorliegenden Band jedoch hat der Autor ganz bewusst anders strukturiert. Statt seine Hauptperson erneut durch dunkle, enge GĂ€nge, ĂŒberflutete und aufgegebene S-BahnschĂ€chte und Cavernen zu schicken, zeichnet er das Bild einer verĂ€ngstigten Psyche. Das Bild der Patienten in der Psychiatrie hat etwas Beklemmendes.
Nicht, dass wir uns vor den Personen fĂŒrchten, sondern deren Schicksale, so skizzenhaft diese angerissen werden, wecken Mitleid im Leser. Schwindt gelang es hier, mich innerlich zu berĂŒhren, gerade weil er die Mitpatienten bewusst subjektiv aus der Sicht seiner Protagonistin beschreibt. Sympathien und Antipathien verweben sich mit dem jeweiligen Schicksal zu einem ĂŒberzeugenden Ganzen. Damit gelingt es ihm aber auch, fast unmerklich, Rosalie und deren geistigen Zustand indirekt, dafĂŒr aber emotional intensiv zu beleuchten. Man merkt kaum, dass drei viertel des Buches um sind, ohne dass wir diesmal spannende Verfolgungsjagden oder wilde Auseinandersetzungen vorgesetzt bekommen hĂ€tten, statt einer actionreichen Achterbahnfahrt faszinieren uns Bilder von psychisch labilen Menschen. Dabei gelingt es Schwindt, die losen Enden aus den anderen BĂ€nden aufzunehmen, in sich logisch miteinander zu verknĂŒpfen, die RĂ€tsel aufzulösen und ein befriedigendes Finale zu kreieren. Insoweit stellt dieser Roman den bei weitem tiefsinnigsten, gleichzeitig anrĂŒhrensten Plot dar, den der Autor bis dato vorgelegt hat.


Peter Schwindt: Lauernde Stille - Libri Mortis, Band 3.
Loewe-Verlag, Bindlach, Juni 2007.
392 Seiten, Hardcover.

Carsten Kuhr

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