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John Katzenbach: Der Professor
Jetzt bestellen bei amazon.de! „Als die Tür aufging, wusste Adrian, dass er tot war.“ – John Katzenbach

Ein Satz, präzise wie ein Scharfschützengewehr. John Katzenbach weiß, wie er anfangen muss, um seine Leser zu fesseln. In seinem jüngsten, Ende 2010 veröffentlichten Roman, steht unter anderem jener Titel stiftende Professor Adrian Thomas im Vordergrund, der eine deprimierende Diagnose erhält: Er ist dement. Wie es der Zufall so will, beobachtet er just nach der bestürzenden medizinischen Analyse eine Entführung auf offener Straße. Ein junges Mädchen namens Jennifer Riggins ist offenbar in die Hände zwielichtiger Menschen geraten, die sich mit dem illegalen Internetauftritt whatcomesnext.com den Lebensunterhalt verdienen. Von nun an gilt es für Thomas mit tatkräftiger Unterstützung durch längst verstorbene Familienmitglieder ein Verbrechen aufzuklären.

Demenz – die Volkskrankheit: So oder ähnlich lauteten in letzter Zeit immer häufiger die Überschriften bzw. Titel von TV-Reportagen und Zeitungsberichten. Auch in Deutschland wird das Phänomen in den kommenden Jahren wohl noch stärker als bisher ohnehin bereits auftreten – alleine schon, da unsere Gesellschaft tendenziell immer älter wird. Von daher ist es ein durchaus interessanter Ansatz, dass Katzenbach aus diesem gerade zurzeit aktuellen und viel debattierten Thema den Stoff für seinen Psychothriller konstruiert.

„Konstruiert“ ist in diesem Zusammenhang auch das richtige Stichwort, denn wie bereits oben erwähnt bemüht sich Katzenbach schon im allerersten Satz, das Tempo festzulegen, doch leider verflüchtigt sich der anfängliche Geschwindigkeitsrausch mit zunehmender Seitenzahl. Nicht, wie der Buchklappentext andeutet („Der Professor ist verwirrt. Täuscht er sich, oder hat er gerade eine Entführung beobachtet?“), die Demenz des Professors und die damit verbundene Frage, was eigentlich real ist im Leben von Adrian Thomas und was nicht, steht im Vordergrund, sondern die Entführungsgeschichte, die man hier allenfalls noch als lapidar bezeichnen kann.

Nicht, dass die grundsätzliche Ausgangssituation nicht interessant wäre: Da haben wir das perverse Entführer-Pärchen, das in einer Mischung aus Gefühlskälte und Lust die Leiden der jungen Jennifer Riggins zu Kapital macht – und eben jenen dementen Professor, dessen Zeit zusehends abnimmt und quasi im Wettlauf gegen die ihm verbleibende Zeit steht. Doch was zusammengefasst nach einem außergewöhnlichen und vielschichtig-spannenden Thriller-Plot klingt, entpuppt sich in der Ausführung als Mogelpackung.

Das Potenzial der Demenz als Thriller-Element wird – alleine schon in Anbetracht der Tatsache, dass das Buch nach dem Professor benannt wurde – nur verhältnismäßig gering genutzt, im Vordergrund stehen auch Charaktere wie z. B. eine farblose 08/15-Ermittlerin nach Schema F und ein Killerpärchen aus der Konservendose. Und selbst jene Szenen, die sich ganz dem Professor und seiner Krankheit widmen, wirken nach nur allzu kurzer Zeit doch relativ oberflächlich; die Begegnung mit dem verstorbenen Bruder oder der dahingeschiedenen Ehefrau haben etwas Alltägliches an sich, die Intensität geht verloren.

Katzenbach beleuchtet die Ereignisse in seiner Handlung gleich von vier Seiten: Da sind der Professor, das Entführungsopfer, die Polizei-Ermittlerin und das Täter-Pärchen. Gerade diese Vielzahl an Sichten, aus denen er die Geschehnisse beleuchtet, lassen diese dünner und dünner werden: Katzenbach ergeht sich zuweilen seitenweise einer Phrasendrescherei oder zieht die Handlung derart in die Länge, dass man hier gut dutzende Seiten entnehmen könnte, ohne dass es der Geschichte an besonders viel fehlt. Die Beschreibungen von Jennifer Riggins in ihrem einsamen Verlies sind hier auch eher langatmig anstatt dass sie zum Weiterlesen animieren.

Die reine Lesbarkeit des Textes hat – abseits der Handlung – ebenfalls einen grenzwertigen Grad erreicht. Zwar ist es durchaus üblich und wünschenswert, wenn Passagen, die einer besonderen Betonung bedürfen, in kursiver Schreibweise hervorgehoben werden – wenn aber streckenweise alle ein bis zwei Seiten mehrere oder tragende Satzteile in dieser Form dargestellt werden, ist das zunächst irritierend, irgendwann nur noch störend und hindert den Lesefluss mehr als dass es ihn vorantreibt. Man sollte davon ausgehen können, dass zumindest ein rudimentäres Grundgerüst an Fähigkeit zur inneren Eigenbetonung des Satzes besteht.

Fazit: Spannungsarmer Thriller, der kaum an der Oberfläche kratzt. Mein erster Katzenbach – und ich frage mich, wieso er permanent als der neue Stern am Thrillerhimmel gehandelt wird.

John Katzenbach: Der Professor.
Droemer, Oktober 2010.
555 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Martin Palm

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