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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Andr├ę Wiesler: Hexenmacher - Die Chroniken von Hagen von Stein, Band 1
Jetzt bestellen bei amazon.de! Anfang des 15. Jahrhunderts wachsen in einer abgelegenen Burg zwei Jungen heran. Der eine, der leibliche Sohn von Gr├Ąfin Anna von Aichelberg und Hans Thumb von Neuburg, ein introvertierter B├╝chernarr, der andere, der charismatische Ziehsohn der beiden Adeligen, genannt Hagen von Stein.
Ein Geheimnis verbindet die beiden so ungleichen Br├╝der - Hagen ist ein Werwulf. Schlimmer noch - trotz dieses Makels fliegen ihm die Herzen seiner Pflegeeltern zu. Albrecht dagegen wird aufgrund seiner herrischen, verletzenden Art von fast allen gemieden und gef├╝rchtet. Ein Zwist nimmt seinen Anfang, der die beiden ihr Leben lang verfolgen wird. Voller Hass und Neid verfolgt Albrecht seinen Pflegebruder, zerst├Ârt dessen Gl├╝ck und Liebe.

W├Ąhrend Hagen sich K├Ânig Sigmund als dessen vertrauter Ritter anschlie├čt, setzt Albrecht auf den b├Âhmischen K├Ânig Wenzel. Um diesen von seiner Krankheit zu erl├Âsen, wendet Albrecht sich der Alchimie und Zauberei zu und macht sich auf die Suche nach einer lebensverl├Ąngernden Reliquie mit dem Dorn aus der Krone Christi.

In der Folgezeit kreuzen sich die Wege der ehemaligen Br├╝der immer wieder. Als Albrecht am Hochzeitstag Hagens dessen Frau und ihre Eltern umbringt, kann Hagen den Wolf in ihm nicht mehr z├╝geln. Voller Trauer und erf├╝llt von einem unb├Ąndigen Rachedurst metzelt Hagen in Wolfsgestalt die T├Ąter und deren unschuldige Familien nieder. Nur Albrecht entkommt zun├Ąchst dem W├╝ten. Auf der Seite der Johanniter, denen Hagen sich anschlie├čt, bek├Ąmpft der Ritter in der Folgezeit die den katholischen K├Ânig bedrohenden Hussiten. Als er erf├Ąhrt, dass sein Bruder ein heimt├╝ckisches Attentat auf Sigmund plant, eilt er an den K├Ânigshof. Noch wei├č er nicht, dass das Schicksal noch mehr, schwerste Pr├╝fungen, f├╝r ihn bereit h├Ąlt, denn finstere M├Ąchte wollen ihn verlocken, sein Seelenheil durch die Verletzung des achten Gebots zu verlieren...

Warum nur siedeln deutschsprachige Autoren ihre Fantasy Romane meist in englischen Gefilden an? Bietet die Deutsche Geschichte mit den Rittern des Deutschen Ordens, der Hanse oder den Fuggern nicht wahrlich ein reiches Repertoire an geschichtlich relevanten, und machtpolitisch bedeutenden B├╝ndnissen, die jeder Autor als Hintergrund f├╝r seine Handlung nutzen k├Ânnte? Doch nein, es muss immer wieder das viktorianische England, oder K├Ânig Artus Tafelrunde sein, die als B├╝hne dienen.
So war es f├╝r mich denn nicht nur ungew├Âhnlich, sondern auch ├╝berraschend, als ich las, dass Andr├ę Wiesler seine Handlung eben gerade im mittelalterlichen Deutschland situiert hat.

Ausgehend von einer Rahmenhandlung im Jetzt, das uns eine moderne Hit-Squad der Inquisition auf der Jagd nach Werw├Âlfen zeigt, berichtet er uns anhand eines Journals aus dem Leben des Ritters Hagen von Stein.
Wer nun aber eine der ├╝blichen Schilderungen ├╝ber Lycantropen erwartet, der sieht sich get├Ąuscht.
Die Andersartigkeit Hagens, der Wolfsbruder in ihm, wird zwar angesprochen, taucht aber zun├Ąchst nur sehr dezent auf. Die Werw├Âlfe sind weitestgehend im Geheimen bleibend wichtige Mitglieder der Gesellschaft und streng gl├Ąubige Christen. Mit ihren besonderen Kr├Ąften unterst├╝tzen sie den Klerus als dessen Streiter, und unterwerfen sich strenger Regeln. Wiesler l├Ąsst dies peu a peu im Verlauf der Handlung einflie├čen, so dass sich vor den Augen des Lesers zun├Ąchst ein Familienzwist im Rahmen eines mittelalterlichen Schauplatzes auftut. Dabei gelingt es dem Autor, die Hinwendung der Menschen zum Glauben als einzig Haltgebendem zu portraitieren. Die Verwurzelung in den Lehren der Kirche, die Furcht vor dem Anderen, seien es Freidenker, Hexen oder Andersgl├Ąubige f├╝hrt zu einer inneren Verbohrtheit, die die Existenz der Inquisition erst erm├Âglicht.

Soweit die ├╝berzeugenden Aspekte des Romans. Wiesler vermochte es aber leider nicht, in demselben Ma├če wie zum Beispiel Mary Gentle in ihren historischen Fantasyb├╝chern die Zeit wirklich ├╝berzeugend zum Leben zu erwecken. Zu sehr bleibt er distanziert, zu sauber und rein ist die Darstellung des Lebens. Der Alltag der Menschen war eben nicht nur gepr├Ągt vom Beten und Arbeiten, es gab tagt├Ąglich Gewalt gegen├╝ber allen Schw├Ącheren, seien es Kinder, Frauen oder Untergebene. Man nahm sich was man wollte, sei es Nahrung oder Sex, wenn man die Macht dazu hatte, ohne gro├č nachzufragen oder sich auch nur Gedanken zu machen, ob man den anderen dadurch verletzt. Die hohen Herrschaften ├╝bten gegen├╝ber ihrem eigenen Stand H├Âflichkeit, im Umgang mit den Untergebenen, Leibeigenen oder dem einfachen Volk waren sie gedankenlos brutal. Dieser Aspekt der selbstverst├Ąndlichen, tagt├Ąglichen Grausamkeit wird kaum thematisiert, obwohl gerade dieser zu einer gr├Â├čeren inneren ├ťberzeugungskraft beigetragen h├Ątte.

Zu Beginn des Romans hatte ich meine Schwierigkeiten. Lange Zeit blieb unklar, um was es ├╝berhaupt geht. War der Bruderzwist das zentrale Thema, oder der Kampf der beiden so ungleichen K├Ânige um die Macht, und wie passten die Werw├Âlfe und Hexen in dieses Bild - Fragen die lange offen oder teilweise auch unbeantwortet blieben.
Die Darstellung der mit ├╝bernat├╝rlichen Kr├Ąften ausgestatteten Wesen bleibt zu unbestimmt - wo kommen sie her, was macht sie zu dem, was sie sind, ist es eine nat├╝rliche Begabung, ein Pakt mit dunklen M├Ąchten, ein Gottesgeschenk oder Fluch?

Zwar wird Hagen vom Schicksal gebeutelt, und seine Verzweiflung anschaulich dargestellt, doch die anderen Personen, allen voran sein Bruder bleiben in ihrer Zeichnung eindimensional. Albrecht angetrieben vom Hass und Neid, macht kaum eine Entwicklung durch, ist das personifizierte B├Âse schlechthin. Das ist zu einfach gestrickt um wirklich zu ├╝berzeugen. Und wie passt die moderne Inquisition ins Bild - Fragen ├╝ber Fragen die offen, zumindest bislang, bleiben.

Andr├ę Wiesler, der bislang vornehmlich im Rahmen der ┬╗Shadowrun┬ź und ┬╗Das schwarze Auge┬ź publizierte - das flott geschriebenen Fantasy- Abenteuer ┬╗K├Ânig der Diebe┬ź kommt mir hier in den Sinn - hat uns im Auftaktband seiner Mystery-Serie f├╝r meinen Geschmack zu wenig erkl├Ąrt, sich zu sehr auf Hagen konzentriert, um ein wirklich interessantes Gef├╝ge einer, wie es im Klappentext hei├čt, dunklen Verschw├Ârung aufzubauen. Hier muss er im zweiten, f├╝r April 2008 zur Ver├Âffentlichung vorgesehenen Band ┬╗Teufelshatz┬ź nachlegen, sonst wird er seine Leser verlieren.

Andr├ę Wiesler: Hexenmacher - Die Chroniken von Hagen von Stein, Band 1.
Heyne-Verlag, M├╝nchen, Juli 2007.
575 Seiten, Taschenbuch.

Carsten Kuhr

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