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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Alan Campbell: Scar Night - Die Kettenwelt-Chroniken, Band 1
Jetzt bestellen bei amazon.de! Vor dreitausend Jahren stieg der Engel Ulcis aus dem Abgrund auf, und grĂŒndete Deepgate, die Stadt der Ketten.
Willkommen in einer der ungewöhnlichsten StĂ€dte der Dark Fantasy. Einer Stadt, deren baufĂ€llige, gotische HĂ€user an riesigen Ketten ĂŒber dem Abgrund schweben, eine Stadt, die wie kaum eine andere die Toten ehrt und hofiert. In morbiden Ritualen werden die Toten zur Ruhe gebettet, indem ihre Seelen und mit diesen die toten Körper dem Abgrund ĂŒbergeben werden, um dort in der Stadt Deep von Ulcis zu neuem Leben erweckt zu werden. Sobald Ulcis genĂŒgend Streiter um sich geschart hat, so die Prophezeiung der Kirche UlcisÂŽ, wird er mit seinen wiedererweckten Toten den Abgrund verlassen und die von seiner Mutter Ayen verschlossenen Tore zum Paradies gewaltsam wieder aufstoßen.

Seit Jahrhunderten befindet sich die Stadt im Krieg mit den wilden NomadenstĂ€mmen der Heshette, die Ayen anbeten. Deepgates Armeen haben die Horden der Nomaden ein ums andere Mal vernichtend geschlagen, die seit einigen Generationen in Dienst gestellten Luftschiffe und ihre vom verrĂŒckten Alchimisten Devon zusammengemixten chemisch-biologischen Waffen sorgen fĂŒr Ruhe an der Front.

Die Kirche Deepgates hat gegenĂŒber den meisten Religionen einen entscheidenden Vorteil. Sie kann einen leibhaftigen Engel vorweisen. Dill ist der letzte seiner Art. WĂ€hrend seine Vorfahren seit Jahrtausenden fĂŒr die Sicherheit der Stadt in den Kampf gezogen sind, ist es ihm verboten zu fliegen. Statt dessen vertreibt er sich seine Zeit damit, Schnecken von der Wand seiner Klause zu retten, Vögel mit Steinen zu bewerfen und sich zu langweilen. Mit 16 Jahren soll er nun endlich seine Ausbildung intensivieren und erste Kulthandlungen ĂŒbernehmen. Rachael, eine der kirchlichen Assassinnen, wird ihm als Lehrerin und LeibwĂ€chterin zugeteilt.

Als wĂ€re das Leben so schon nicht trist und elend genug, wird die Stadt im monatlichen Abstand in der Scar Night von einem weiblichen Engel heimgesucht, die um zu ĂŒberleben jeden Monat einen Menschen ausbluten muss, um von dessen Seele zu zehren. Trotz der jahrelangen BemĂŒhungen der kirchlichen Assassinnen konnte Carnival bislang nicht gestellt und getötet werden.

Deepstates morbider Rhythmus wird gestört, als weitere ihres Blutes und der Seelen beraubte Leichen auftauchen. Diese können unmöglich auf das Konto von Carnival gehen, das einzig mögliche Motiv, dass irgendjemand den magischen, unsterblich machenden Engelwein herzustellen versucht. So macht sich die ganze Stadt auf die Suche nach dem TĂ€ter und dessen Trank, der neben den HeilkrĂ€ften und der lebensverlĂ€ngernden Wirkung auch den Wahnsinn fĂŒr seine Konsumenten bereit hĂ€lt. Doch, wer in der hĂ€ngenden Stadt ist nicht schon seit langem dem Wahnsinn verfallen?

Eine Zeitlang stĂŒrzten sich die großen Verlage alle ausschließlich auf High Fantasy. Der großen Vorbild Tolkiens folgend zog eine bunt gemischte Schar jugendlicher Helden - unter ihnen natĂŒrlich unabdingbar Elfen und Zwerge - aus, im Auftrag eines weisen Magiers ihre Welt vor dem Bösen zu retten. Ein paar wenige Sword & Sorcery Titel in der Nachfolge Conans, doch damit war im Wesentlichen das Repertoire der Fantasy-Editionen erschöpft.

Nun, nachdem das Feld weitgehend abgeerntet ist, besinnen sich die Verlage zunehmend auf andere Spielarten, und der Leser kommt auch in den Genuss von Dark Fantasy. Nachdem Piper mit Bishops »Stadt des Wahnsinns« punkten konnte, legt Goldmann mit dem ersten Band der Kettenwelt- Trilogie nach.
Alan Campbell, der sich bislang als Programmierer von Fantasy-PC-Spielen (Grand Theft Auto) einen Namen gemacht hat, begann den Roman vor ĂŒber 10 Jahren in Budapest, brach das Manuskript dann aber nach einigen wenigen Seiten ab. Seitdem ruhte der Plot, entwickelte und entpuppte sich, bis der Autor sich dann vor zwei Jahren wieder seinem Projekt zuwandte.

Wie man es von einem Mann, der PC Welten schafft, erwartet, schreibt Campbell sehr bildhaft. Er ist sicherlich ein Mann großer GemĂ€lde, angefangen von den Ebenen der Nomaden, ĂŒber den Abgrund bis zur Kettenstadt selbst verblĂŒfft und erschlĂ€gt er seine Leser förmlich mit eigenen, wuchtigen und gleichzeitig verstörenden Kreationen, die man so noch nicht gelesen hat.

Ausgehend von diesen epochalen Bildern entsteht eine teilweise beklemmende, dann wieder surrealistisch anmutende Stimmung, in der er seine Handlung ablaufen lÀsst.

Es geht um diverse Themen, bekannte wie unbekannte Plots. Die Existenz der Götter, der Machterhalt der Kirche wird thematisiert, die Problematik, ob alles, was wissenschaftlich machbar ist, auch tatsĂ€chlich gemacht werden muss, die Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht des Individuums, die Suche nach dem Sinn der Existenz, dem Wesen der Götter - alles Themen die unterschwellig angesprochen werden. Allerdings, und das ist positiv zu vermerken, stĂ¶ĂŸt der Autor hier Denkprozesse nur an, zeigt Überlegungen auf, ohne seine Leser mit vermeintlich einfachen Lösungen zu bevormunden.

Wie dies bei Dark Fantasy Romanen Usus ist, gibt es keinen Helden im Sinne des Wortes. Vor unseren Augen nehmen tragische Personen Gestalt an, Menschen, Engel und Götter, die leiden, die zweifeln, verzweifeln und uns berĂŒhren.

Dabei ist meines Erachtens die Kettenstadt per se die wohl wichtigste Gestalt des Buches. Man muss dem Autor hier Respekt zollen. Nicht nur der Einfall einer an Ketten ĂŒber einem Abgrund (der Hölle) aufgehĂ€ngten Stadt ist bemerkenswert, auch die ĂŒberzeugende Darstellung des Lebens in dieser einmaligen Konstruktion nimmt uns gefangen.
Wie die GebÀude mit Ketten gesichert und umschlungen sind, so sind auch die Personen der Geschichte von unsichtbaren Ketten gefesselt und gehalten. Diese Metapher, so unauffÀllig sie zunÀchst daherkommt, wird im Verlauf der Handlung immer dominanter.

HĂ€tte sich der Autor ein wenig kĂŒrzer gefasst, er hĂ€tte ein Meisterwerk geschaffen. Die gerade zu Anfang unĂŒbersehbaren LĂ€ngen stören den ansonsten vorzĂŒglichen Eindruck ein wenig, ohne das Interesse an den beiden FolgebĂ€nden zu schmĂ€lern. Ein Lob auch, dass es dem Verlag dieses Mal gelungen ist, das passende Originaltitelbild der englischen Ausgabe zu ĂŒbernehmen.

Alan Campbell: Scar Night - Die Kettenwelt-Chroniken, Band 1.
Goldmann-Verlag, MĂŒnchen, Juli 2007.
608 Seiten, Paperback.

Carsten Kuhr

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