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Lois McMaster Bujold: Die Klingen des Lichts
Jetzt bestellen bei amazon.de! Fawn kommt aus einer bäuerlichen Familie. Ihr Leben hat sie bislang im Stall und auf den Feldern verbracht, nun, gerade 18 Lenze alt geworden, will sie endlich wissen, was an Sex so toll sein soll. Eine Feier mit zu viel Apfelwein, der gutaussehende Sohn einer angesehenen Familie und ein Weizenfeld später ist sie schwanger und wird als leicht zu habendes Mädchen von ihrem Galan verunglimpft.
Um der Schande zu entgehen, packt sie drei ihrer Kleider zusammen und macht sich auf den Weg in die nächst größere Stadt, Glashütten. Auf dem Weg begegnet ihr eine Truppe der Streifenreiter, Nomaden, die die Aufgabe übernommen haben, das Land vor den Landzehrern, magischen Geschöpfen, die das Böse hervorbringt, zu schützen. Noch glaubt sie sich sicher auf den viel befahrenen Wegen; und mal ehrlich, wer glaubt schon wirklich an die Ammenmärchen von den Landzehrern? Das ist doch nur eine Ausrede um Unterstützung, Kost und Logis von den dankbaren Bauern zu erhalten, ohne dafür bezahlen zu müssen. Doch nur zu bald belehrt das Schicksal sie eines Besseren. Zwei von dem Landzehrer aus Tieren geschaffene Mischwesen verschleppen sie zum Bau des an ihrer Leibesfrucht interessierten Übels.
Reines Glück, dass einer der Nomadenwächter in der Gegend ist. Zusammen besiegen sie den Landzehrer durch den Einsatz eines der magischen Knochendolche der Seelenreiter.
Doch Fawn verliert das Ungeborene und wird schwer verwundet. Nur die aufopfernde Pflege durch den Streifenreiter Dag rettet sie.

Es kommt, wie es kommen muss, Fawn verliebt sich in ihren Retter, der älter als ihr Vater ist. Trotz aller gesellschaftlichen Unterschiede, trotz der Zugehörigkeit zu einander misstrauenden Volksgruppen beschließen die beiden zu heiraten - ein Unterfangen, das den Kampf gegen den Landzehrer einfach erscheinen lässt ..

Lois McMaster Bujold hat in der SF fast alles gewonnen, was ein Autor auch nur gewinnen kann. Ihre Sammlung an Hugo, Nebula und Locus Awards für ihre Romane um den verkrüppelten Miles Vorkosigan (dt. bei Heyne auch als Barrayar Zyklus) füllt einen ganzen Raum, mit ihrer Chalion Trilogie (dt. Bastei-Lübbe) hat sie gezeigt, dass sie sich auch in der klassischen Fantasy zu behaupten weiß.

Nun, nachdem sie es all ihren Kritikern bewiesen hat, dass sie sich auch im Bereich der Fantasy zu punkten weiß, hätte ich erwartet, dass sie sich wieder der SF zuwendet.
Überraschend aber legt sie erneut einen klassischen Fantasy-Plot – diesmal, zumindest vorerst einen Zweiteiler - auf.

Die Handlung beginnt, wie von Bujold gewohnt, temporeich. Mit einigen wenigen Sätzen zieht die Autorin uns in ihre Handlung, fesselt sie uns mit ihrer Protagonistin. Geschickt weckt sie die Sympathie mit der etwas klein geratenen, von Vielen unterschätzten Fawn. Sie zeigt uns einen Dickkopf, der bereit ist, die Folgen ihrer unbedachten Handlung zu tragen, die zwar enttäuscht und desillusioniert ist, dennoch aber ihr Los akzeptiert und nicht den scheinbar einfachen Weg einer Abtreibung für sich in Betracht zieht. Zwar sucht sie vor der Ausgrenzung und dem Tratsch, der einer unehelichen Schwangerschaft unweigerlich folgt, zu flüchten, doch ihr Freigeist lässt auf der anderen Seite nicht zu, die Verantwortung für ihr weiteres Leben einfach den Eltern aufzubürden, oder gar den Freitot zu wählen. Erst als sie dem engen Korsett ihrer Familie entflüchtet, offenbart sich ihr ganzes Potenzial. In dem kleinen Körper verbirgt sich ein große Kämpferin. In der Folgezeit entwickelt sich ihr Wesen, von Bujold sehr intim und anschaulich aufbereitet, immer weiter. Die Begegnung mit dem Landzehrer sorgt für die nötigen dramaturgischen Elemente, der nähere Kontakt zu Dag erlaubt Bujold die Lebensweise der Nomaden, ihre Mission und die Geschichte ihrer Welt zu erzählen.

Nach rund der Hälfte des Buches erfolgt dann ein Bruch. Stand der erste Part des Buches ganz im Zeichen der Darstellung der Welt, ihrer Bewohner und der Auseinandersetzung mit dem Übel, so wendet sich das Interesse jetzt mehr und mehr dem Zwischenmenschlichen zu. Die Verwicklungen und Probleme der Zuneigung der beiden so unterschiedlichen Personen wandert ins Zentrum des Textes. Der große Altersunterschied der beiden Liebenden, die Ablehnung der Verbindung durch die Gesellschaft, deren sie jeweils angehören, ihre Liebe, die gerade durch die Ablehnung, derer sie ausgesetzt sehen, wächst, erinnert an große Liebesromane.

Wäre Bujold nicht die große Erzählerin, die sie ist, das Buch wäre unerträglich kitschig und sentimental. So aber vermittelt sie uns glaubwürdig große Gefühle, ohne dabei aber zu schmalzig zu werden.
Bujold hat schon bislang immer wieder in ihren Romanen Liebesgeschichten integriert. Diesmal aber macht sie die Love-Story zum eigentlichen Inhalt ihres Buches, und benutzt ihr glaubwürdig ausgearbeitetes Fantasy-Konzept als Gerüst, vor dessen Hintergrund sie ihre rührige Geschichte platziert. Die zugrundeliegende Frage, ja die einzig wirklich im Buch wichtige Frage, nämlich ob unsere beiden Liebenden zueinander finden, ist eigentlich von vorne herein gesetzt, so dass die Autorin sich ein wenig selbst den Wind aus den Segeln nimmt.
Das fordert Bujold kaum, das lässt glaubhafte Verwicklungen, ergreifende Geheimnisse und packende Actionszenen mal abgesehen von den ersten knapp einhundert Seiten vermissen. Immer wieder einmal blitzt Bujold Ideenreichtum auf, überrascht und fasziniert sie ihre Leser. Die Knochendolche, aus menschlichen Gebein von Wächtern geschnitzte Messer, die im Zeitpunkt des eigenen Todes von den Streifenreitern durch ihren Selbsttod gebunden werden oder die mysteriös bleibenden Landzehrer, die sich als Helfer Tiere holen, die sie mit ihren Kräften zu menschenähnlichen Kreaturen transmutieren lassen, sind solch ergreifende Ideen. Doch all dies ordnet sich ab dem zweiten Drittel des Buches ganz der Romeo-und-Julia-Story unter.

Romance Fantasy mit der weiblichen Zielgruppe, voller ergreifender Schicksale, die bewegen, dafür ohne große Schlachtengemälde oder packende Verwicklungen erwartet den Leser - nicht mehr und nicht weniger.

Lois McMaster Bujold: Die Klingen des Lichts.
Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach, Juli 2007.
412 Seiten, Taschenbuch.

Carsten Kuhr

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