Der himmelblaue Schmengeling
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Glück ist für jeden etwas anderes. Unter der Herausgeberschaft von Katharina Joanowitsch versuchen unsere Autoren 33 Annäherungen an diesen schwierigen Begriff.
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K. Sello Duiker: Die stille Gewalt der Träume
Jetzt bestellen bei amazon.de! Kapstadt kurz vor der Jahrtausendwende. Erzählt wird die Geschichte zweier junger Schwarzer, die versuchen, ihren Weg im modernen Südafrika zu finden: Tshepo, der Journalistik studiert hat, aber lieber malen würde, und seine beste Freundin Mmabatho, die eine Schauspielschule besucht. Beide kommen aus der schwarzen Mittelschicht von Johannesburg, und sie sind zum Kap gekommen, weil sie hier auf grenzenlose Freiheit und bessere Berufschancen hoffen. So ziehen sie vor allem durchs Nachtleben und vertreiben sich die Zeit in den angesagten Kneipen, Bars und Clubs, in denen die Hautfarbe unwichtig ist. Hauptsache, man tanzt gut und trägt hippe Designerklamotten. Doch dann bekommt Tshepo plötzlich Wahnvorstellungen und Albträume. Cannabis-bedingte Psychose, lautet die Diagnose der Ärzte, die ihn ins berüchtigte Psychiatrie-Krankenhaus Valkenberg schicken. Hier wird er knallhart mit der sozialen Realität konfrontiert- mit Gestörten, Kriminellen und einer brutalen Anstaltshierarchie mit Isolationszelle und sadistischem Personal. Bald wird klar, dass nicht das Kiffen Tshepos eigentliches Problem ist, sondern ein Kindheitstrauma. Er musste die Ermordung seiner Mutter mit ansehen, nachdem sein Vater sich mit Gangstern auf zwielichtige Geschäfte eingelassen hatte. Tshepo flieht aus der Klinik, irrt durch die Stadt, findet ein Zimmer, dreht wieder durch und wird abermals eingeliefert. Seine früheren WG-und Kneipen-Kumpels haben ihn vergessen, nur Mmabatho kümmert sich um ihn. Sie, eine starke Frau, die ihre Verletzbarkeit hinter forschem Auftreten und exzentrischem Outfit versteckt, gerät selber in Schwierigkeiten, als sie von einem deutschen Studenten schwanger wird. Nach seiner Entlassung zieht Tshepo bei Chris ein, der eine starke Anziehung auf ihn ausübt. Hier wird zum ersten Mal Tshepos Homosexualität thematisiert, doch die beiden Männer trennen Welten: Chris, der harte Junge aus den Townships, der Ex-Kriminelle mit extremen Gewalterfahrungen, fängt an, seinen „intellektuellen“ Mitbewohner zu hassen. Wieder muss Tshepo fliehen. Auf der Suche nach einem schnellen Job verschlägt es ihn in einen exklusiven Sex-Club für reiche schwule und bisexuelle Männer. Als schwarzer Callboy Angelo kommt er schnell zu Geld und Ansehen in der Szene- und findet sogar bei seinen Kollegen die Solidarität und Geborgenheit einer Ersatzfamilie. Der Club versteht sich als Bruderschaft, als verschworene Gemeinschaft mit hohem Arbeitsethos, der weit über reine Sex-Dienstleistung hinausgeht. Doch irgendwann merkt Tshepo, dass auch dies nur eine Durchgangsstation in seinem Leben ist...
Ein breites Gesellschaftspanorama des modernen Südafrika mit all seinen Antagonismen: Slums und Nobelviertel, Armut und Gewalt, Reichtum und Dekadenz, Liberalität und tiefsitzende Ressentiments. Und ein Entwicklungsroman mit einem Helden, der durch all das durch muss. Trotz einiger freizügiger, aber durchaus ästhetischer homoerotischer Szenen kein Buch über Schwulsein, sondern eher über Außenseitertum. Interessant ist die Erzähltechnik: Die Hauptpersonen (und einige Nebenfiguren) erzählen abwechselnd aus der Ich-Perspektive, so bekommt der Leser direkten Einblick in die Figuren, auch in solche, die voller Gewalt und Hass sind. Gute und flüssige Dialoge, leider ist das Ganze mit über 500 Seiten etwas zu breit angelegt, und einige interessante Handlungsfäden -z..B.der lebenslange Konflikt zwischen Tshepo und seinem Vater- verlaufen im Nichts.
Der Autor, Kabelo Sello Duiker, Jahrgang 1974, stammt aus Soweto und gewann zahlreiche Literaturpreise. Für das vorliegende Buch, das in Südafrika bereits 2002 erschien und erst jetzt ins Deutsche Übersetzt wurde, erhielt er internationale Anerkennung. Es ist sein zweiter und letzter Roman: Der Autor wählte 2005 den Freitod.

K. Sello Duiker: Die stille Gewalt der Träume.
Wunderhorn, Juli 2010.
538 Seiten, Gebundene Ausgabe, 26,80 Euro.

Susanne Tank

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