Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten
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In diesem Buch präsentiert sich die erfahrene Dortmunder Autorinnengruppe Undpunkt mit kleinen gemeinen und bitterbösen Geschichten.
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Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray (1890)
Jetzt bestellen bei amazon.de! Dorian Gray ist ein echter Dandy, jugendlich und schön, egal wie alt er auch wird. Er hat keine Falten und hat dafür noch nicht einmal einen plastischen Chirurgen bemühen müssen. Er hat einfach ein Bildnis von sich malen lassen.

Wäre das nicht wunderbar- vielleicht vor allem für Frauen im Zeitalter der suggerierten ewigen Jugend – hätte man so ein Bildnis von sich selbst, wie er es hat? Eines, das wie ein Schwamm funktioniert, das alles aufsaugt, was sich an Negativem – Altererscheinungen ebenso wie Charaktereigenschaften, die sich in der Physiognomie niederschlagen - ins eigene Gesicht graben könnte? Und dieses Bildnis stellte man sich dann in irgendeine dunkle Ecke der Wohnung, hängte ein Tuch davor und ließe das Bild an seiner Statt altern?

Andererseits: Sind es nicht gerade wichtige Erfahrungen, die sich in unser Gesicht gepflügt haben, die zeigen, wer wir sind und wie wir sind?

Gedacht hatte Dorian Gray es sich ja ein bisschen anders- einzig Modell sitzen wollte er für ein Bild von sich selbst. Irgendwann entdeckt er jedoch – und kann es sich nur damit erklären, dass er inbrünstig darum gebetet hatte, doch niemals zu altern und zu verfallen, sondern immer so schön auszusehen wie auf diesem Bild – dass er selbst zu dem Bild, während das Bild zu ihm wird. Äußerlich jung und schön, sein Ich künstlich maskiert, verputzt mit einer schönen Fassade, verändert sich das Bildnis jedoch zusehends, nach jeder kleinen oder größeren Gemeinheit jeden Tag ein bisschen mehr. Das, was es zeigt – Grays eigentliches Selbst – wird immer unansehnlicher, hässlich, fies, grausam. Er ist erschrocken darüber und verzweifelt, aber gleichzeitig viel zu verliebt in sein äußeres Selbst, also versucht er, die Wandlung und somit das Bildnis zu verstecken. Er stellt es sich in sein altes Kinderzimmer und verhängt es mit einem Tuch. Für die Aufrechterhaltung dieser Maske wird Gray sogar schließlich zum Mörder, als der Maler des Bildes, der hartnäckig verlangt, sein Kunstwerk noch einmal zu sehen, des Bildes und der furchtbaren Gestalt darauf ansichtig wird. Nach einer Wahnvorstellungen - Odyssee entschließt Gray, das Bildnis zu zerstören- einerseits, um das letzte Beweisstück, das Verbindungsglied zum getöteten Maler zu beseitigen, andererseits, weil er glaubt, er würde dadurch erlöst und befreit. Natürlich wird er es nicht, denn wer sein eigenes Ich, seine Seele, zerstört, wie hässlich und grausam und voller Schattenseiten sie auch sein mag, der kann nicht weiterleben. Die Diener finden seine Leiche am nächsten Morgen. Sie ist hässlich, faltig, entstellt und verlebt, während das Bildnis voller Schönheit und Jugend erstrahlt.

Lieber mit Seele altern und jeden Tag im Spiegel sehen können, wer man ist, als seine Seele der Schönheit und Jugend verkaufen – so kann man den Text lesen und hat Spaß dabei.

Wilde hat es sicherlich dann doch ein wenig anders und ganz sicherlich nicht derart plakativ gemeint, aber das soll uns als heutige Leser nun auch nicht stören.

Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray (1890).
Artemis & Winkler, Düsseldorf, Juni 2007.
286 Seiten, Hardcover.

Tanja Muhs

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