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Gruselig geht's in unserer Horror-Geschichten-
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Laurent Seksik: Vorgefühl der nahen Nacht
Jetzt bestellen bei amazon.de! Der Roman "Vorgefühl der nahen Nacht" des französischen Autors Laurent Seksik, geboren 1962, befasst sich mit den letzten Tagen Stefan Zweigs und seiner Frau Lotte 1941/42 im brasilianischen Exil. Bücher wie dieses, die vorgeben, in die Gedankenwelten real existierender Personen einzutauchen, sind natürlich immer leicht anmaßend. Denn wie will ein Autor von heute trotz noch so guter Recherche wissen, was Stefan Zweig damals wirklich gedacht hat?

Schiebt man diese Grundüberlegung aber etwas beiseite, bleibt ein informatives Büchlein über das Ende eines der erfolgreichsten Schriftstellers seiner Generation und eines der dunkelsten Kapitel der Literaturgeschichte: das Leben und Schreiben im Exil solcher geistigen Größen wie Thomas Mann, Bertolt Brecht Stefan Zweig, Lion Feuchtwanger und vieler anderer, die damals vor den Nazis fliehen mussten.

Positiv hervorzuheben ist auch, dass Seksik nicht in eine bloße Huldigung Stefan Zweigs verfällt, sondern auch dessen Egoismus durchscheinen lässt. Der führt immerhin dazu, dass Zweig nach dem Vorbild Heinrich von Kleists seine um 30 Jahre jüngere Ehefrau Lotte mit in den Tod reißt, die dem Schriftsteller bedingungslos verfallen ist. Schön kommt der Gegensatz von einer lebensbejahenden Welt in Brasilien und den schwarzen Gedanken Zweigs heraus, aus denen es schließlich kein Entrinnen mehr gibt. Auch der legendäre Karneval in Rio, den das Paar kurz vor dem Doppelselbstmord besucht, vermag den 60-Jährigen nicht aus seinen Depressionen zu reißen.

Man fragt sich nach der Lektüre, ob nicht auch ein Leben ohne Nazis und Krieg für Stefan Zweig unweigerlich zu diesem Ende geführt hätte. Denn so schlecht ging es ihm in Brasilien äußerlich gar nicht. Er hatte genug Geld, ein Haus, eine attraktive Ehefrau, die in liebte, Freunde, eine Haushälterin, einen Verleger und ein sonnenüberflutetes Gastland, dessen Bewohner ihn verehrten. Kein Grund eigentlich Selbstmord zu begehen, wenn da nicht noch weit tiefere seelische Störungen vorliegen, die einer fachkundigen ärztlichen Behandlung bedurft hätten. Mit den - zugegeben katastrophalen, aber letztlich für Zweig doch fernen - Zuständen in Europa lässt sich eine solche Handlungsweise kaum rechtfertigen.

"Vorgefühl der nahen Nacht" lebt nicht von der Spannung - das Ende steht schließlich schon zu Beginn fest -, sondern von den interessanten Informationen, die der Leser über den letzten Lebensabschnitt Stefan Zweigs erhält. Somit rückt dieser Roman - und das unterstützt Seksik durch eine leicht unterkühlt-distanzierte Schreibe - fast in die Nähe eines Sachbuchs. Empfehlenswert für alle, die sich für das Thema Exilliteratur interessieren.

Laurent Seksik: Vorgefühl der nahen Nacht.
Blessing, Mai 2011.
240 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,95 Euro.

Andreas Schröter

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