Der himmelblaue Schmengeling
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Glück ist für jeden etwas anderes. Unter der Herausgeberschaft von Katharina Joanowitsch versuchen unsere Autoren 33 Annäherungen an diesen schwierigen Begriff.
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Cordwainer Smith: Was aus den Menschen wurde (1975)
Jetzt bestellen bei amazon.de! Im März 2011 sind in der Heyne-Edition „Meisterwerke der Science Fiction“ unter dem Titel „Was aus den Menschen wurde“ die Erzählungen von Cordwainer Smith erschienen.
Dr. Paul Myron Anthony Lineburger alias Cordwainer Smith (1913 – 1966) war Amerikaner, lebte in Japan, China, Frankreich und Deutschland. Sein Patenonkel war Sun Yat-sen, der Begründer der chinesischen Republik. Er war Doktor der Politikwissenschaft, veröffentlichte Sachbücher zur fernöstlichen Politik, arbeitete für die CIA und als Berater der britischen Streitkräfte in Korea. Er beriet Präsident Kennedy – der Vietnamkrieg aber veränderte seine Einstellung zu Amerika nachhaltig.
Lineberger gehört zu den Autoren, die „schon immer“ geschrieben haben: Mit fünfzehn Jahren veröffentlichte er als Anthony Bearden „Krieg Nr. 81-Q“ in der Schülerzeitung. Unter dem Pseudonym Felix C. Forrest schrieb er Novellen, als Carmichael Smith den Spionagethriller „Atomsk“.
Die 27 Erzählungen von Lineburger, die erstmalig zwischen 1928 und 1993 in loser Folge erschienen sind, wurden hier in dieser Sammlung auf über tausend Seiten in einer logischen Reihenfolge geordnet.
Die Geschichte der Zukunft, die Smith entwirft, umfasst ca. fünfzehntausend Jahre, beginnend mit den alten Kriegen, gefolgt vom Dunklen Zeitalter, Zeiten des Stillstands, in denen sich die wahren Menschen und die Wilden entwickeln. Ganz oben in der Hierarchie als politische und religiöse Elite steht die Instrumentalität der Menschheit, es folgen die Scanner, Bestien und Manshonyagger. Sie bilden das Universum, dessen Licht in der früh erschienenen Kurzgeschichte „Krieg Nr. 81-Q“ aufflackert.
In dieser fernen Zukunft tauchen die Vom-Acht-Mädchen auf, die von ihrem Vater am 02. April 1945 mit Satelliten in das All geschossen wurden, um deren Leben zu retten. Sie gründen die Vomact-Dynastie. Menschen erlangen eine Art Unsterblichkeit. Das Glück bleibt ihnen unter dem Schutz der Instrumentalität allerdings versagt – erst die Begegnung mit den Untermenschen bringt die Fähigkeit zurück, Glück und Unglück zu erleben. Krankheiten kehren zurück, weil sie zugelassen werden, so die Cholera in Tasmanien, alte Gesellschaften werden rekonstruiert und neu erlebt. Der Tod ist nicht mehr planbar.
Die Geschichte der Erde wird rückblickend erzählt, manches erscheint bekannt, anderes ist absolut fremd. Die Wesen der Zukunft wissen nicht allzu viel über ihre ferne Vergangenheit, vielleicht ist manches Erzählte nur ein Mythos, eine Geschichte. Es gibt Jahreszahlen, die sich auf unterschiedlicher Zeitrechnung basieren, so beginnt „Gustibles Planet“ kurz nach dem 4000. Jahrestag der Öffnung des Weltraums.
Die unterschiedlichen Erzählungen stehen jede, trotz ihrer Einbettung in die Geschichte der Zukunft, die Lineburger entwirft, für sich. Manche sind moralisch geprägt, fragen nach der Chance, glücklich zu sein, spielen mit der Möglichkeit der Unsterblichkeit. Es geht um Liebe und Gehorsam.
Aufgrund der Entstehungszeit der Erzählungen Anfang bis Mitte des letzten Jahrhunderts wird es teilweise ungewollt komisch, z. B. wenn Helen Amerika ihrem Geliebten die Ehe anträgt und betont wird, dass diese Form der Emanzipation in ihrer Epoche inzwischen selbstverständlich sei.
An anderer Stelle sind Probleme technischer und moralischer Art, wie sie durch die Realisierung von Maschinenmenschen auftauchen, gerade heute aktuell in den Diskussionen um das Bewusstsein von Maschinen.
Wunderbar grotesk ist die Erzählung „Denk blau, zähl bis zwei“, die in sich völlig schlüssig ist und von Reisen im Weltraum, Übertragung von menschlichem Bewusstsein auf ein Mäusegehirn und Robotern, die Menschen an Gott erinnern, erzählen.
Meine Lieblingsgeschichte in der Sammlung, „Unter der alten Erde“, dreht sich um die Wiederentdeckung der Menschheit: Die Instrumentalität bleibt ihrem Auftrag treu, das Überleben der Menschheit zu sichern. Sie garantiert ihnen das vollkommene Glück, ohne Schmerz und Kummer. Nachrichten und Religion sind verboten. Trotzdem gibt es Menschen, die dieses Leben nicht genießen, sie weinen und schreien dann und müssen korrigiert werden. Das Menschliche ist der Instrumentalität inzwischen fremd geworden, die Schnellstraßen Amerikas, die vom Mond aus immer noch erkennbar sind, entziehen sich in ihrer Bedeutung deren Verständnis: Für die Instrumentalität verkörpern sie den Krieg der freien, schmutzigen, wilden Menschheit. Aber auch in der Welt der Zukunft braucht der Mensch offenbar Herausforderungen, die ihre Vitalität und Kraft neu erwecken. Um dieses Problem zu untersuchen, begibt sich ein Mitglied der Instrumentalität in das Gebiet, in dem Menschen freiwillig leben, abseits des Glücksversprechens. Hier tun Menschen, was sie wollen, in den Augen der Instrumentalität tun sie es ohne Sinn und Verstand. Sie sind unglücklich, begehen Verbrechen, bekommen Babys und handhaben gestohlenes Congohelium, eine Energieform. Außerdem beten sie zu dem ägyptischen Echnaton und spotten über die Instrumentalität.
Die Ideen des Autors rund um die Geschichte der Zukunft sind aktuell, überraschend, die einzelnen Erzählungen greifen ineinander und oft wird mit trockenem Humor erzählt. Die Wortschöpfungen begeistern – auf jeden Fall lesen!

Cordwainer Smith: Was aus den Menschen wurde (1975).
Heyne, Februar 2011.
1056 Seiten, Taschenbuch, 12,99 Euro.

Corinna Griesbach

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