Wellensang
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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Ian Irvine: Der Spiegel der Erinnerung
Jetzt bestellen bei amazon.de! Australien hat uns schon einige herausragende Autoren beschert. Neben Garth Nix, Matthew Reilly und Sara Douglass hat lan Irvine den Sprung von Down Under ins alte Europa geschafft. Der erste Band seiner Tetralogie bietet Fantasy abseits der Tolkienschen Vorbilder. Seine Welt unterscheidet sich dabei markant von dem sonst so beliebten Abklatsch eines mittelalterlichen Europa oder eines ans kaiserliche China angelehnten Schauplatzes.

Irvine pr√§sentiert uns eine nicht technisierte Welt, die von vier Rassen bewohnt wird. Neben den Menschen tummeln sich √úberreste extraterrestrischer Charon, Aachim und Faellem auf dem l√§ndlichen Planeten Aachan. Allerdings fristen die Nichtmenschen ein verfolgtes, unterdr√ľcktes Dasein. Ihre besonderen Gaben sind hier eher Fluch als Segen, verursachen diese doch neben Neid vornehmlich Misstrauen und Angst bei den Menschen.

Irvine berichtet uns von zwei Protagonisten. Llian vom ausgesto√üenen Volk der Zain ist Geschichtenerz√§hler. Nach den langen Jahres des Studiums haben ihn seine Forschungen der alten Aufzeichnungen in der Bibliothek auf die Spur einer Sensation gef√ľhrt. Kann es wirklich wahr sein, dass der seit Jahrhunderten als B√∂sewicht schlechthin angesehene Shuthdar gegen Ende seines Lebens eine mitf√ľhlende Seite offenbarte, und ein junges, behindertes M√§dchen tanzen lie√ü? Und warum wird die Chronistin dieser Geschehnisse ermordet?

Seine Geschichte ersch√ľttert nicht nur die Zuh√∂rer, sondern auch den ihm nicht gewogenen Direktor des Kollegiums der Historien. Selbst nach Jahrhunderten birgt die Suche nach der Aufl√∂sung des Verbrechens noch politischen Sprengstoff, gef√§hrdet Lebenm, ja die Existenz des Kollegiums. Llian wird verbannt und auf die F√§hrte einer anderen Au√üenseiterin gesetzt.

Karan, eine Empfindsame, noch dazu ein Mischling mit dem Blut der Aachim, hat einem der m√§chtigsten Kriegsf√ľrsten einen magischen Spiegel entwendet. Verfolgt von Whelm, flieht sie ins Gebirge und trifft dort auf Lliam. Doch warum ist der alte Spiegel so wertvoll, dass s√§mtliche magisch Begabte, K√∂nige und F√ľrsten gleicherma√üen mit allen Mitteln suchen, das Kleinod an sich zu bringen? Und wird es unseren beiden so ungleichen Reisegef√§hrten gelingen, den Whelm zu entkommen?

Zu Beginn der Lekt√ľre hatte ich M√ľhe in die Handlung zu finden. In alternierenden Kapiteln berichtet uns der Autor von den Erlebnissen seiner beiden unterschiedlichen Protagonisten. Wer allerdings eine Einf√ľhrung der beiden erwartet, wer hofft, dass ihm die Welt vorgestellt wird, der sieht sich get√§uscht. Irvine h√§lt sich nicht lange mit Erkl√§rungen auf. Die lokalen Machtstrukturen, das Leben der unterschiedlichen Rassen erschlie√üt sich dem Leser peu a peu im Verlauf des Romans. Und auch unsere beiden Helden sind nicht eben Durchschnittskost. Hier warten keine charismatischen F√ľhrerpers√∂nlichkeiten darauf, ihre Leser an die Hand zu nehmen, hier sind verunsicherte, so manches mal panische Menschen dem Geschehen nur zu oft hilflos ausgeliefert. Das sind Menschen, die leiden, die am Ende ihrer Kr√§fte sind, die sich √ľbersch√§tzen und die so manches Mal auch scheitern. Nie hatte ich w√§hrend der Lekt√ľre das sonst so bekannte Gef√ľhl, dass meinem Erz√§hler nichts Ernstes passieren wird, und tats√§chlich st√∂√üt beiden gen√ľgend Unbill zu. Dies bewirkt, nach einer Eingew√∂hnungsphase, dass der Text eine innere √úberzeugungskraft entfaltet, die gerade bei Fantasy-Romanen selten geworden ist. Nie ist der Fortgang der Handlung vorhersehbar, immer m√ľssen wir mit beiden, einander nicht eben sonderlich zugetanen Protagonisten bibbern und zittern ob der Verfolgung durch die gnadenlosen Whelm und den Gefahren, die ihnen im winterlichen Hochgebirge drohen.

Gro√üe, weltbewegende Geheimnisse und Auseinandersetzungen fehlen bislang komplett, Irvine geht es um die Darstellung seiner furchtsamen Menschen, die von den Ereignissen bestimmt werden. Dabei liegt seine gr√∂√üte Errungenschaft meines Erachtens darin, dass es ihm gelungen ist, eine wirklich eigenst√§ndige Welt zu entwerfen und mit glaubw√ľrdigen V√∂lkern zu besiedeln. Soweit sich uns die Historie bislang erschlie√üt, bietet die Anlage mit den Menschen als √§ltestes Volk und drei au√üerirdischen Kulturen, die auf Aachan gestrandet sind, Konfliktstoff und Geheimnisse genug, um die vier B√§nde zu f√ľllen. Stilistisch ohne Auff√§lligkeiten erwartet den Leser ein Roman der leisen T√∂ne, voll von markanten, ambivalenten Gestalten und R√§tseln, die Interesse an den Fortsetzungen wecken.

Ian Irvine: Der Spiegel der Erinnerung.
Bastei-L√ľbbe, Bergisch-Gladbach, Juni 2007.
383 Seiten, Taschenbuch.

Carsten Kuhr

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