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E.T.A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi (1819)
Jetzt bestellen bei amazon.de! Eine große, glückliche Familie – Edgar Allen Poes Auguste Dupin, Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes, Agatha Cristies Hercule Poirot und eben auch E.T.A. Hoffmanns Fräulein von Scuderi.

Auffällig:
Sie allen leben in europäischen Metropolen; meist in Paris, nur Holmes lebt in London.
Sie alle sind Detektive und lösen Kriminalfälle, aber sie sind mehr Literaten oder Literaturbegeisterte, denn polizeiliche Ermittler.
Sie alle lösen ihre Fälle eher zuhörend und denkend, analytisch-intuitiv kombinierend, denn durch das Wälzen von Akten, das Befragen von Zeugen und das Auffinden von Tatwaffen oder anderem Beiwerk.
Sie alle werden noch heute gern gelesen - außer eben das Fräulein von Scuderi, das nahezu in der Versenkung verschwunden ist und vielleicht gerade mal in Ausnahmefällen als Schullektüre dient.

Woran mag das liegen? Warum kennt jedes Kind den Sherlock Holmes, aber das besagte Fräulein nur noch wenige?

Vielleicht an der etwas altbackenen Sprache?
Ja, die Sprachwahl mutet ein wenig altertümlich an, aber das muss sie auch, denn Hoffmann erzählt eine Geschichte aus dem Paris des späten 17. Jahrhunderts. Außerdem erzählen Poe und Doyle ähnlich. Das kann also nicht der Grund sein.

Ist die Novelle thematisch nicht mehr interessant?
Na ja, auch das kann nicht sein, denn interessant gestaltete Geschichten über Mord und Totschlag sind zeitlos und finden jederzeit begeisterte Abnehmer.

Was ist es also dann?

Hoffmanns Geschichte ist doch ein „absoluter und purer Krimi“ - es um Morde und Juwelendiebstähle, um Künstler, die sich von ihren Kunstwerken nicht trennen können, weil sie ihnen zu sehr ans Herz gewachsen sind, um einen vermeintlichen Mörder, der durch Erpressung und die Liebe zur Tochter des eigentlichen Mörders an diesen gebunden ist und der verhindern will, dass eben dieser Eigentliche weiter mordet- das Fräulein von Scuderi nämlich. Das Fräulein nimmt schließlich pfiffig Einfluss auf das Geschehen – Fall gelöst: alle bleiben lebendig und werden glücklich.
Und auch das machen Poe und Doyle wieder ähnlich.

Hoffmans Text weicht nur in einem einzigen, strukturellen Punkt grundlegend ab – der Erzählhaltung.
In den Geschichten um Holmes und Dupin geht es nicht darum, WIE ein Fall gelöst wird, sondern nur, DASS er wird und VON WEM. Der Leser hat keinen Anteil daran, er kann nicht mitfiebern, mitdenken, eigene Schlüsse aus den Indizien und Hinweisen ableiten und diese dann im Verlauf der Geschichte verifizieren, denn das kann nur der Meisterdetektiv eben selbst, denn er hat den scharfen Verstand, während der Leser nur mit den Eindrücken des berichtenden, außenstehenden, beobachtenden Erzählers „abgespeist“ wird - und es ist eben nicht Watson der den Fall löst, sondern Holmes, aber der erzählt ja die Geschichte nicht. Und dass in Poes Doppelmord in der Rue Morgue ein entlaufener Orang-Utan Menschen tötet- darauf kommt der um die Ecke denkenste Leser nicht.

Hoffmann macht es interessant anders – die Figur seines Fräuleins von Scuderi ist so etwas wie eine Geschichtensammlerin.
Durch Erzählungen der beteiligten Personen- und Wiedererzählen von Geschichten, die die Erzählenden von anderen gehört haben - versammelt sich in ihr – nachvollziehbar für den Leser - schließlich alles Wissen um den Fall mit allen Beweggründen aller Beteiligten, sodass der Leser, wissend um die wahren Ursachen, schließlich mit den Füßen scharrt, um zu erfahren, wie das Fräulein nun alles zum Besten wendet.

Sehr leserfreundlich und dadurch – trotz der altbackenen Sprache- interessant und spannend zu lesen.
Wenn man jedoch lieber einem Genie bei der undurchschaubaren Arbeit zusieht und Orang-Utans oder andere unvorhersehbare Wendungen und Lösungen vorzieht, dann ist man bei Poe und Doyle besser aufgehoben.









E.T.A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi (1819).
Reclam, Ditzingen, 2006.
79 Seiten, Taschenbuch.

Tanja Muhs

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