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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Jim Thompson: Jetzt und auf Erden (1942)
Jetzt bestellen bei amazon.de! Jetzt liegt Jim Thompsons autobiografisch eingefärbter Debütroman „Jetzt und auf Erden“ („Now and on Earth“)aus dem Jahre 1942 vor. Thompson, 1906 als James Myers Thompson in Oklahoma geboren, war selbst, wie sein Held Dilly, Glücksspieler, Alkoholiker, Schmuggler und Ölarbeiter, bevor er seit den 50er Jahren als Autor Geld verdiente und davon auch leben konnte. U. a. für Stanley Kubrik verfasste er Drehbücher.
Sein Debüt von 1942, das in überarbeiteter Fassung von 1970 vorliegt, wird von Stephen King im Vorwort als erschreckendes Abbild des kleinstädtischen Schmerzes charakterisiert.
Dilly, der Autor und Fabrikarbeiter, gerade aus der kommunistischen Partei ausgetreten, beschreibt seine Kindheit, sein Familienleben und in Rückblicken seine Kindheit.
Dilly ist in Armut aufgewachsen, er kennt den Hunger, die Kälte, Krankheit und hat bereits als Kind mit Opium Erfahrungen gemacht, in Form eines falsch dosierten Beruhigungssaftes. Kurz gelangt die Familie zu Reichtum, als der Vater erfolgreich nach Öl bohrt. Dilly, der gern Geige spielen würde, wird als Kind mit seinen Bedürfnissen übersehen, statt seiner darf seine Schwester Marge das Instrument erlernen. Das ist für ihn der Grund, sich über das Schreiben auszudrücken.
Dilly leidet darunter, dass er das Familienleben seiner Eltern nachlebt: Zusammen mit Mutter, Schwester, der Ehefrau Roberta und seinen Kindern, die durch die kleine Shannon ein Gesicht erhalten, lebt er von der Hand in den Mund. Shannon ist ein misshandeltes und vernachlässigtes, ungewolltes Kind, das durch Schläge, kalte Duschen und Essensentzug malträtiert wird.
Roberta, die Dilly liebt, fordert von ihm ein geregeltes Familienleben, und dazu gehört vor allem Geld: ein geregeltes Einkommen. Sie will neben genügend Essen auch Spaß und würde gern ausgehen. Auf einem Ausflug von Dilly mit Roberta, der Schwester Marge und dem Kollegen Moon wird Marge von Moon schwanger, ein weiteres (auch finanzielles) Problem, das Dilly als Familienoberhaupt lösen muss. Immer wieder bedrängt Roberta ihn, bei der Familie zu bleiben, fragt ihn, wie lange er im Bad bleiben, wann er vom Einkauf zurück kommen wird.
In einer Fabrik findet Dilly Arbeit. Er empfindet seine Tätigkeit als Arbeiter als sinnlos, er arbeitet um der Arbeit willen, erkennt keine Regeln, nach denen ein Mitarbeiter in der Hierarchie aufsteigt oder fällt. Nach kurzer Zeit steigt er in der Fabrik zum Büroarbeiter auf und zeigt Ehrgeiz, ein neues System in der Verwaltung zu entwickeln. Trotzdem erlebt er das Leben in der Fabrik als verrückte, ungeordnete Welt; er beschreibt den Eingang und Ausgang der Maschinenteile als absurden Ablauf.
Dillys Mutter versteht nicht, dass ihr Sohn das Schreiben aufgegeben hat, das ihm durch Honorare und Stipendien kurze Zeit ernähren konnte – ihn und die große Familie. Sie wirft ihm Untätigkeit vor, kauft ihm schließlich eine Schreibmaschine und zwingt ihn mit ihren Forderungen zum Schreiben – in den Stunden vor der Fabrikarbeit, auf der Toilette.
Einen Ausweg sieht Dilly nur darin, seine Familie zu verlassen, um in Ruhe schreiben zu können; er weiß jedoch, dass er das nicht tun wird, zu viele Schicksale sind von ihm abhängig. Alles, was Dilly über sich, seine Vergangenheit und Gegenwart erzählt, klingt grausam und kalt. Niemand scheint Schuld an Misshandlung, Geldmangel, Schwangerschaften, niemand kann zur Rechenschaft gezogen werden, einzig Gott wird kurz verflucht, der jetzt und auf Erden nichts für Dilly tut. Oft betont Dilly, dass er, von widrigen Umständen getrieben, gute Gelegenheiten nicht wahrnehmen konnte, gute Chancen aufgrund der Entscheidungen Dritter nicht nutzen konnte
In einem imaginären Gespräch mit seinem verstorbenen Vater spricht Dilly aus, was sich wie ein roter Faden durch sein Leben zieht: Aus Liebe zu seiner Familie wird ein Mann alles tun, auch, wenn er es nicht tun will und ohne Familie nicht gezwungen wäre, es zu tun.
Die Übersetzung von Peter Torberg ist mehr als gelungen; das Buch fließt wie ein Fluss durch das Bewusstsein des Lesers, nimmt ihn mit, lässt ihn zurück mit seinen Fragen nach der Verantwortung der Gesellschaft und des Einzelnen, mit dem Geruch der Gosse, aus der heraus Dilly seine Geschichte erzählt, in der Nase.

Jim Thompson: Jetzt und auf Erden (1942).
Heyne, August 2011.
336 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Corinna Griesbach

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