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Birand Bing├╝l: Ping.Pong.
Jetzt bestellen bei amazon.de! Das Leben ein Pingpongspiel- das ist die Philosophie des Ich-Erz├Ąhlern Hakim Kahraman. Der 27-J├Ąhrige ist Medizinstudent, Radiomoderator und leidenschaftlicher Tischtennisspieler. So nennt er das einleitende Kapitel "Vorspiel", und das beginnt dann so: "Heute habe ich mir Noppen gekauft. Zum ersten Mal in meinem Leben. Nein, keine Pariser." Doch leider mu├č er bald erfahren: Noppenbelag ist unter den Spielern seines F├╝nftligavereins verp├Ânt. Sein bester Freund Simon l├Ą├čt ihn mitten im Spiel stehen, um sich mit seiner Ex Charlotte zu am├╝sieren. Und auch sonst l├Ąuft bei Hakim alles schief. Da hat er eine tolle Idee f├╝r eine neue Radiosendung. Doch der angebliche Probelauf wird zum Skandal und Hakim zum "Radiomonster". In der Annahme, da├č "Hakim hilft " nicht ├╝ber den ├äther geht und all die Anrufe von Selbstm├Ârdern, Krebskranken und von Liebeskummer Geplagten gefakt sind, verarscht er die Leute nach Strich und Faden. Erst hinterher erf├Ąhrt er, da├č die "hate radio" Sendung echt war und mit ihr fast alle Anrufer. Wieder einmal hat ihn sein gerissener Chef f├╝r seine miesen Ziele mi├čbraucht. Zutiefst ersch├╝ttert in seinem heilen Weltbild in der beschaulichen Medienstadt K├Âln, f├Ąllt er fortan von einer Sinnkrise in die andere......
Der Held stolpert von Panne zu Panne, taumelt durchs Nachtleben, und auch im
Tischtennisclub l├Ąuft nichts, wie es sollte. Das macht uns Hakim symphatisch. Wer k├Ânnte sich nicht in irgendeiner Form mit seinen Leiden identifizieren: Fiese Kollegen, zickige M├Ądels, und nicht mal der weise, alte Gro├čvater in Istanbul wei├č einen Weg aus der Krise.
Birand Bing├╝l, der selber als Moderator beim WDR in K├Âln arbeitet, wehrt sich gegen die Behauptung, er sei ein "deutscht├╝rkischer Popliterat". Zun├Ąchst erinnert tats├Ąchlich einiges in seinem Roman an Stuchrad-Barres "Soloalbum": Auch hier wird der Held von der Freundin verlassen, irrt ziellos durch Parties, Clubs und Bars, hat all die Probleme, die ein "twenty-something" in der Spa├čgesellschaft eben hat. Auch dreht sich Hakim meist um sich selbst. Doch- und das ist der Unterschied zu den meist dr├Âgen Typen bei Barre, Kracht und Co- er tut dies auf wohltuend selbstironische Art. Bing├╝ls Protagonist besitzt bei aller Selbstbespiegelung durchaus Humor, Grips und einen gewissen Looser-Charme. ├ťbt er sich am Anfang noch in coolen Spr├╝chen, so wird er Ton im Laufe des Romans deutlich nachdenklicher. Hakim macht tats├Ąchlich eine Entwicklung durch, wenn er auch nicht genau wei├č, wo die hinf├╝hrt...
Der Autor besitzt ein sicheres Gesp├╝r f├╝r Personen und Situationen. Auch die Nebenfiguren kommen beim Leser gut r├╝ber. Ob nun der skrupellose Medien-Mogul Alexander Wachtberg, Hakims schlagfertige Haushaltshilfe ├ľzlem oder sein nerviger Sportskumpel Noppen-Norbert, der immer im schlechtesten Moment auftaucht und ihm mit guten Ratschl├Ągen auf den Geist geht- das ist gut beobachtet und erzeugt Deja-vu-Erlebnisse beim Leser. Und wer Situationskomik mag, kommt voll auf seine Kosten. Hier brilliert Bing├╝l mit unschlagbaren Ideen. Absolute Highlights sind Hakims unfreiwillige Hate-Radiomoderation, oder wie er in einem Anfall existentialistischer Sinnkrise seine gesamte Ikea-Einrichtung auseinanderbaut und es dann zwischen ordentlich geschichteten Bretterstapeln mit seiner Ex treibt. Und die Noppen kommen doch noch als Kondom vor. Die Einblendungen von Regeln und Taktik des Tischtennisspiels und die imagin├Ąren Spiele mit dem ber├╝hmten Spieler Waldner sind auch f├╝r Nicht-Sportler am├╝sant zu lesen. Aber leider fehlt an Spannung. Der Autor treibt seinen Helden von einer skurrilen Szene zur anderen, und das ist auch sehr witzig, doch dar├╝ber verliert er oft die Handlung aus den Augen. ├ähnlich orientierungslos wie Hakim irrt der Leser durch das Buch, immer in der Erwartung, da├č endlich mal was "Richtiges" passiert. Das zieht die Story in die L├Ąnge, und auch das Ende wirkt verschwommen. St├Ârend fand ich auch, da├č Dialoge durch Gedankenketten unterbrochen werden- das hemmt den Leseflu├č enorm. Etwas Straffung und mehr "Show, don't think" h├Ątten dem Buch gutgetan.
Anr├╝hrend wiederum der Besuch Hakims beim sterbenden Gro├čvater am Bosporus, und angenehm unpr├Ątenti├Âs der Umgang des Autors mit seiner Herkunft. Er und seine Figur sind T├╝rken der 3.Generation und voll integriert, sie f├╝hlen sich auch nicht zwischen zwei Kulturen "zerrissen". Dieses Klischee, sagt Bing├╝l, wollte er vermeiden.

Birand Bing├╝l: Ping.Pong..
Droemer Knaur, M├╝nchen, 2005.
368 Seiten, Taschenbuch.

Susanne Tank

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