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Jan Koneffke: Die sieben Leben des Felix Kannmacher
Jetzt bestellen bei amazon.de! Man fĂŒhlt sich an 1001 Nacht erinnert und an den Entwicklungs- und Schelmenroman. Eine lebenslange traurige Liebesgeschichte kommt genauso vor wie die GrĂ€uel der Nazizeit und die Folterungen durch die Rote Armee. Jan Koneffkes "Die sieben Leben des Felix Kannmacher" hat viele Facetten.

Der große rumĂ€nische Pianist Victor Marcu stellt den Deutschen Felix Kannmacher, ebenfalls Klavierspieler, als Erzieher fĂŒr seine Tochter ein, um ihn vor den Nazis zu retten. Das Agreement funktioniert so lange, bis sich die Tochter in ihren Lehrer verliebt. EifersĂŒchtig entlĂ€sst Marcu seinen Angestellten, so dass Kannmacher fortan auf sich allein gestellt ist. Schlimm wird es fĂŒr ihn, als die Nazis Bukarest besetzen, schlimmer, als das Land an die Russen fĂ€llt ...

Obgleich das Buch durchaus (schwarz-)humorige ZĂŒge hat - beispielsweise wenn der Titelheld dem Tod immer wieder oft auf dramatischste Weise von der Schippe springt -, bleibt dem Leser das Lachen im Halse stecken. Zu grausam ist das, was Felix Kannmacher und die Seinen durch die verschiedenen Gewalt- und Schreckensherrschaften im 20. Jahrhundert ertragen mĂŒssen.

Jan Koneffke, geboren 1960, beweist mit diesem Werk auch sein Talent fĂŒr die kleine Form. Immer wieder lĂ€sst er seinen Helden Geschichten erfinden, um das ihm anvertraute Kind bei Laune zu halten. Diese kurzen, oft traurigen Einsprengsel erweisen sich als höchst lesenswert und unterhaltsam. In einer besonders schönen Geschichte geht es um einen goldenen 1000-jĂ€hrigen Wal, der die Donau hinaufschwimmt und schließlich verendet, wĂ€hrend sich die Menschen schon um seine goldene Haut balgen. Da stört es wenig, dass so etwas vom Hauptplot ablenkt und den Lesefluss bremst.

Kleiner Schwachpunkt ist der Anfang. Die ersten 100 Seiten lesen sich im Vergleich zum starken Rest etwas zĂ€h. Man braucht ein wenig, um in diesen 500-Seiten-Roman hineinzufinden. Doch wer Jan Koneffkes Hang zum Drama und zu großen GefĂŒhlen teilt und wer bereit ist, sich auf eine Lesereise zu begeben, die nicht immer gradlinig, sondern eher wie ein mĂ€andernder Fluss verlĂ€uft, der wird dieses Buch mögen.

Übrigens: In einem frĂŒheren Roman Jan Koneffkes, "Eine nie vergessene Geschichte" (2008), taucht ebenfalls eine Figur namens Felix Kannmacher auf. Teils nimmt das aktuelle Buch Bezug auf die Geschehnisse dieses Werks. Gelesen haben muss man den Ă€lteren Roman jedoch nicht, um den neueren zu verstehen.

Jan Koneffke: Die sieben Leben des Felix Kannmacher .
Dumont, August 2011.
507 Seiten, gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Andreas Schröter

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