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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Frank Goosen: Pokorny lacht
Jetzt bestellen bei amazon.de! Gut zwei Jahre nach seinem Deb├╝terfolg "Liegen lernen" hat Frank Goosen, ehemaliger Kabarettist aus dem Ruhrgebiet, seinen zweiten Roman herausgebracht. Den Einband ziert ein rosa-silbriger Cadillac, der im Buch immer wieder auftaucht. Das Wunderauto, das die Phantasie des jugendlichen Friedrich Pokorny so besch├Ąftigt, steht auf dem Autoschrottplatz seines Vaters, dem "Kl├╝ngelkerl", wie ihn die Wirtschaftswundernachbarn ver├Ąchtlich nennen. Kein leichter Stand f├╝r den Jungen: Die Mutter fr├╝h an Gehirntumor gestorben, der Vater ein verschlossener Geizkragen, die Mitsch├╝ler gegen ihn. Bis er Thomas Zacher kennenlernt, der ihn bei einer Pr├╝gelei zu Hilfe kommt. Auch Zacher ist ein Au├čenseiter: Mutter Alkoholikerin, Vater unbekannt- in den Augen der braven B├╝rger schlicht "asozial". Eine wechselvolle Freundschaft beginnt, die mit einer Fahrt im "C├Ąddy" anf├Ąngt und dort drei Jahrzehnte sp├Ąter endet...
Der Roman beginnt in der Gegenwart. Pokorny, der wie der Autor Kabarettist ist, kommt von einer Tournee zur├╝ck und findet eine Einladung von Zacher vor, von dem er seit Jahren nichts mehr geh├Ârt hatte. Dann beginnt die R├╝ckblende aus Friedrichs Sicht: Kindheit und Jugend, zunehmende Rivalit├Ąt zwischen den beiden Freunden bis hin zum Bruch. Hier finden sich die st├Ąrksten Passagen des Buches, die den Leser schnell in die Handlung hineinziehen: Treffende Milieuschilderungen des kleinb├╝rgerlichen Lebens in den 60er/70er Jahren, fl├╝ssige und pointierte Erz├Ąhlung und Dialoge, tragikomische Zwischent├Âne. Die beiden M├Ąnner werden lakonisch, aber eindringlich charakterisiert, zwischen den Zeilen ahnt der Leser bald die Krise. Zun├Ąchst scheinen beide durch ihr soziales Abseits untrennbar verbunden. Beide haben ihre Strategien, mit der Umwelt klarzukommen. W├Ąhrend Friedrich sich stets hinter flotten Spr├╝chen versteckt, verschafft sich Thomas durch schulische Glanzleistungen Respekt. Doch Letzterer hat mehr Erfolg bei den Frauen. Zum Bruch kommt es, als sich beide w├Ąhrend des Studiums in die charismatische Ellen verlieben. Als Ellen schwanger wird, glaubt Friedrich, der Vater zu sein- und endlich gegen├╝ber Thomas auftrumpfen zu k├Ânnen. Doch sie wird, zwischen beiden auf der Stra├če stehend, von einem Auto get├Âtet. Ende der Beziehung zwischen den M├Ąnnern, die sich gegenseitig die Schuld geben...
Der nun folgende zweite Teil wirkt auf mich etwas zu konstruiert. Friedrich besucht also Thomas, der ist inzwischen Anwalt und hat seine Frau nur geheiratet, weil sie eine jugendliche Tochter hat, die aussieht wie jene gro├če Liebe Ellen. (Hier lugt ein bi├čchen zu offensichtlich der gute, alte Humbert aus Nabokovs Lolita um die Ecke.)Weder Pokorny noch Zacher konnten sich je von Ellen l├Âsen- und machen nun die etwas naive Kristina zum Spielball ihrer unbew├Ąltigten Gef├╝hle. Zwei thirty-something-M├Ąnner und ihre Lebenskrisen: scheinbar erwachsen, treiben sie nun wieder ein Spiel wie zwei Schuljungen, Rauferei inbegriffen. Das kippt bisweilen in allzu heftige Psychodramatik ab, und man bekommt den Eindruck, der Autor hat sich beim Bem├╝hen, einen nachdenklich-melancholischen Roman zu schreiben, ├╝bernommen. Einiges wirkt unglaubw├╝rdig und bem├╝ht tiefgr├╝ndelnd. Erst zum verhalten optimistischen Ende kehrt Goosen wieder zu jener Balance zwischen Abgrund und Leichtigkeit zur├╝ck, die den ersten Teil so intensiv pr├Ągte.
Empfohlen wird auch das H├Ârbuch mit der Original- Ruhrpott-Stimme des Autors.


Frank Goosen: Pokorny lacht.
Heyne, M├╝nchen, Februar 2005.
316 Seiten, Taschenbuch.

Susanne Tank

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