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Wo ist die Grenze zwischen Pornografie und Erotik? Die 30 scharfen Geschichten in diesem Buch wandeln auf dem schmalen Grat.
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Gerhard Seyfried: Der schwarze Stern der Tupamaros
Jetzt bestellen bei amazon.de! Im Jahre 1985 reist Fred nach Uruguay, um nach Spuren der legendĂ€ren Untergrund-Organisation Tupamaros zu suchen. Doch alles, was er findet, ist ein verblasster schwarzer Stern mit einem T drin an einer Hauswand. WĂ€hrend er aufs trĂŒbe Wasser des Rio de la Plata schaut, erinnert er sich an seine tote Freundin Jenny und daran, wie vor elf Jahren alles anfing...

MĂŒnchen in den siebziger Jahren: Nach langen Jahren des Provinzmiefs herrscht Aufbruchstimmung. Im Gefolge der spĂ€ten 68er entstehen zahlreiche linke Initiativen. Man gibt sich lĂ€ssig und langhaarig, fĂ€rbt sich die Haare rot, lebt in großen Wohngemeinschaften und diskutiert ohne Ende ĂŒber gesellschaftliche VerĂ€nderung. Bei einem Infoabend der „Roten Hilfe“ lernt Fred Jenny kennen. Es ist die Zeit der Hausdurchsuchungen, jede Stellungnahme in diversen alternativen Zeitungen kann die Polizei auf den Plan rufen. Das stĂ€rkt das GemeinschaftsgefĂŒhl und den Wunsch, so etwas wie „Gegenmacht“ auszuĂŒben. Nach dem Vorbild der Berliner „umherschweifenden Haschrebellen- high sein, frei sein, etwas Terror muss dabei sein- starten Fred, Jenny und ihre Freunde aus der Szene subversive Aktionen. Man sprĂŒht nĂ€chtens Parolen, man klaut sich alles Mögliche zusammen, und schließlich wird eine „Bonzenlimousine“ in einem noblen Vorort abgefackelt. Doch die Staatsmacht greift immer rigoroser zu, einzelne Leute werden verhaftet, die

Stimmung wird auf beiden Seiten immer hysterischer. Die Zeit der „Spaßguerilla“ ist endgĂŒltig vorbei, als in Berlin der Politiker Peter Lorenz von der „Bewegung 2. Juni“ entfĂŒhrt wird. Die Schwelle zur Gewalt gegen Personen ist ĂŒberschritten. WĂ€hrend Fred zögert, den Schritt in die IllegalitĂ€t zu tun, taucht Jenny unter. Er reist ihr endlos hinterher, in die DDR, nach Italien, nach Jugoslawien. Die linksalternative Jenny, die er einst kannte und liebte, wird immer mehr zur abgebrĂŒhten Terroristin...

Gerhard Seyfried weiß, worĂŒber er schreibt. Kaum eine WG in den 70ern/80ern, in der nicht seine ComicbĂ€nde wie „Freakadellen und Bulletten“ herumlagen. Er erlebte die MĂŒnchner linke Szene von Anfang an mit und kannte das Umfeld, in dem er seine Figuren ansiedelt, genau. Manch einer wird sich jetzt erinnern. Auch ich hatte beim Lesen Deja-vu-Erlebnisse, verkehrte in derselben Stadtzeitungsredaktion und in derselben berĂŒchtigten Kellerkneipe im öden Norden Schwabings, hörte von Polizeischikane und Verhaftungen. Es war tatsĂ€chlich eine wilde Zeit, die Linke lange vor den GrĂŒnen und sozusagen am Vorabend der RAF. Diese AtmosphĂ€re bringt der Autor gut rĂŒber. Leicht gerĂŒhrt denkt man an Zeiten, in denen es etwas total Subversives war, „Keine Macht fĂŒr niemand“ mit Anarcho-A an die Mauern zu sprĂŒhen. Doch Seyfried zeigt, wie schnell aus Spaß Ernst wird. Beklemmend die Szene, in der die Freunde in aller Unschuld in der Vorstadt Banken checken, die man ĂŒberfallen könnte, um sich Geld fĂŒr weitere „revolutionĂ€re Akte“ zu beschaffen. Manchmal fragt man sich auch: War das damals alles so einfach? Konnte man wirklich so nebenbei im Biergarten eine „Frau von der RAF“ treffen, die einem Tipps zum Autoklau gibt?

Etwas auf der Strecke bleibt bei soviel action die Liebesgeschichte zwischen Fred und Jenny. Da reist er ihr unter Gefahr der eigenen Verhaftung durch halb Europa hinterher, aber die beiden wirken eher wie Geheimagenten als wie Liebende. Man spĂŒrt einfach keine Leidenschaft, keine unauflösliche Verbindung zwischen den beiden- die Liebe wird eher behauptet als gelebt. Vielleicht wollte der Autor seine Love-Story nicht zu sehr in den Vordergrund rĂŒcken. Doch es fĂ€llt dem Leser schwer, sie zu glauben. Auch das Ende ist etwas zu vorhersehbar.

Wer „Herero“, Seyfreids ersten Roman, gelesen hat, weiß, der Mann kann schreiben. Auch der „Schwarze Stern“ ist sauber und flĂŒssig erzĂ€hlt, hat einige sehr schöne Szenen und Stimmungsbilder- vor allem, wenn es um Landschaften geht. (Wunderbar: Freda Kindheitserinnerungen vom Leben in den Ruinen des kriegszerstörten MĂŒnchen) Die SchwĂ€che dieses Romans ist Seyfrieds allzu starkes Verharren im Dokumentarischen ( so werden dauernd Zeitungsberichte zitiert) und die Tatsache, das er thematisch etwas zu spĂ€t kommt. FĂŒr Fifty-somethings, die in ihrer Jugend mal umherschweifende Haschrebellen, Rote Helfer oder linke Verleger waren, sicher interessant. Ob aber die spĂ€teren JahrgĂ€nge noch etwas damit anzufangen wissen?

Gerhard Seyfried: Der schwarze Stern der Tupamaros.
Aufbau-Taschenbuch, Berlin, Juni 2006.
329 Seiten, Taschenbuch.

Susanne Tank

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