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Edward St. Aubyn: Zu guter letzt
Jetzt bestellen bei amazon.de! Der Roman „Zu guter letzt“ von Edward St. Aubyn ist der fĂŒnfte Teil seiner Melrose Saga. Patrick Melrose, der in den vergangenen Jahren seiner an Demenz erkrankten Mutter Eleanor rigoros aus dem Weg gegangen ist, erfĂ€hrt in Amerika von dem Tod seiner Mutter und ĂŒberlĂ€sst seiner Frau Mary die Organisation der Trauerfeierlichkeiten. Am Tag der Beerdigung kommen die Familienmitglieder, alte Freunde, Exliebhaber, Exgeliebte und dankbare Erben zusammen, um Eleanor das letzte Geleit zu geben. FĂŒr Patrick entwickelt sich dieser Tag zu einer Tortur. Denn wie kann sich ein Sohn von seiner Rabenmutter lösen, die ihn nicht nur enterbt hat, sondern auch noch die Kosten ihrer Pflege zahlen ließ, wĂ€hrend die Mehrheit der TrauergĂ€ste von dem Gutmenschen Eleanor schwĂ€rmt?
Der 1960 in England geborene Autor Edward St. Aubyn fĂŒhrt den Leser in ein Milieu der Superreichen ein, die auf hohem intellektuellen Niveau kommunizieren. Dabei ĂŒberzeichnet er teilweise ironisch mit bösen Untertönen oder auch humorvoll die Teilnehmer der Trauerfeierlichkeit. Am stĂ€rksten wird der Roman, wenn er den in RĂŒckblenden eingebetteten Vater szenisch skizziert oder ganz schlicht den englischen, schwarzen Humor wie Perlen offeriert ...
„Ich denke, hier werde ich mich auch einĂ€schern lassen“, sagt Patrick
„Nur keine Eile“, erwidert Johnny.
„Ich wollte sowieso noch warten, bis ich tot bin.“
... oder die ĂŒberschuldete und ebenfalls um ihr Erbe betrogene Tante Nancy sagen lĂ€sst: „Das Problem bei Beerdigungen ist, dass man sie so kurzfristig planen muss ...“
So unterschiedlich die GĂ€ste und ihre Perspektiven sind, so differenziert verĂ€ndert sich auch die Sprache und der Ton des Romans, der mal bilderreich oder mit ungewöhnlichen Metaphern aufwartet. WĂ€hrend der Held des Romans mit den unerwĂŒnschten Bildern aus seiner Vergangenheit zu kĂ€mpfen hat, bemĂŒht Edward St. Aubyn die intellektuellen FĂ€higkeiten seiner Leser mit ganz speziellen Formulierungen: „ ... Dennoch, selbst wenn man die utiliteraistische Arithmetik, basierend auf der Idee unerreichbarer Unparteilichkeit, beiseiteließ, weil Motivation stets persönlichen WĂŒnschen entspringt, wie Hume argumentierte, böte die Autonomie der PrĂ€ferenz eines Individuums, ein Gut einem anderen vorzuziehen, dennoch triftige ethische GrĂŒnde fĂŒr Eleanors philantropische Entscheidung. ...“
Insgesamt hat Edward St. Aubyn seine autobiographischen BezĂŒge in ein kompaktes Werk gegossen, das differenziert und kenntnisreich seinen Schatz an Lebensweisheiten in einer Milieustudie offenlegt.
In einem Interview erklĂ€rte er: „Ich hatte das GlĂŒck, dass mein Vater starb.“ Ein Ă€hnliches GlĂŒck wollte er auch anlĂ€ĂŸlich des Todes seiner Mutter erleben und war ĂŒberrascht von seinen unerwarteten Erkenntnissen.

Edward St. Aubyn: Zu guter letzt.
Piper, September 2011.
224 Seiten, Gebundene Ausgabe, 17,99 Euro.

Sabine Bovenkerk-Müller

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