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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Karla Schmidt: Die rote Halle
Jetzt bestellen bei amazon.de! Die KostĂŒmbildnerin Janina Zöllner reist zusammen mit ihrem Sohn Simon von Vancouver nach Berlin. Hier soll sie fĂŒr den berĂŒhmten Choreographen Josef Rost arbeiten, mit dem sie einige Jahre zusammen gelebt hat und der fĂŒr Simon ein hingebungsvoller Ersatzvater gewesen ist. Rost will im stillgelegten Flughafen Berlin-Tempelhofen eine grausige Version des „MĂ€rchens von den roten Schuhen“ inszenieren. Ein MĂ€dchen muss in den verbotenen Schuhen tanzen, bis ein Scharfrichter ihr die FĂŒĂŸe abhackt und sie dadurch erlöst.

Bei ihrer Ankunft in Berlin reagiert Janina zunĂ€chst geschockt, denn der TĂ€nzer David Warschauer soll die mĂ€nnliche Hauptrolle ĂŒbernehmen. Er ist Simons Vater, was weder er selbst noch sein Sohn wissen. Vor fĂŒnfzehn Jahren hat David sich mit einer anderen Frau verlobt, bevor er von der Schwangerschaft Janinas erfahren hat. FĂŒr die weibliche Hauptrolle ist die TĂ€nzerin DeeDee vorgesehen, die bei einem Autounfall schwer verletzt wurde und seitdem verkrĂŒppelt ist.

Die gemeinsame Arbeit gestaltet sich schwierig. Josef Rost ist unkonzentriert und fahrig und reagiert ungewohnt aggressiv. Seinem Ziehsohn Simon schenkt er keinerlei Beachtung, worunter der sensible Junge leidet. Als Rost die weibliche Hauptrolle ĂŒberraschend an die junge TĂ€nzerin Rose Berlin vergibt, die Geliebte David Warschauers, ĂŒberschlagen sich die Ereignisse. Die junge Frau verschwindet und Tage spĂ€ter wird ihre brutal zugerichtete Leiche in der ehemaligen Abflughalle aufgefunden. Auch Simon verschwindet spurlos. Um ihren Sohn zu retten, verlangt der TĂ€ter von Janina Unvorstellbares: Sie soll einen Menschen töten.

WĂ€hrend mich „Das Kind auf der Treppe“, der erste Thriller von Karla Schmidt, nicht begeistert hat, konnte ich „Die rote Halle“ kaum aus der Hand legen. Von der ersten Seite an zieht die Autorin den Leser in einen Strudel atemberaubender Ereignisse hinein. Erst allmĂ€hlich stellt sich heraus, in welche komplizierten und tragischen Beziehungen die Protagonisten untereinander verstrickt sind. Der Ausgangspunkt scheint die fĂŒnfzehn Jahre zurĂŒckliegende Inszenierung von „La Cenerentola“ zu sein, in der sowohl Janina als auch die TĂ€nzer David Warschauer und DeeDee bereits mit Josef Rost zusammengearbeitet haben und nach deren Premiere ein junger Mann in Rosts Villa Selbstmord begangen hat.

Der Schauplatz des Romans ist genial gewĂ€hlt und macht einen großen Teil des morbiden Reizes dieses Thrillers aus. Karla Schmidt hetzt ihre Protagonisten durch die ausgestorbenen GĂ€nge und die weitlĂ€ufigen Hallen des still gelegten Flughafens Berlin-Tempelhofen. Das verlassene und unheimliche FlughafengelĂ€nde erinnert an das riesige, menschenleere Overlook Hotel aus dem Roman „Shining“, in dem Stephen King den alkoholabhĂ€ngigen Autor Jack Torrance seinen ganz persönlichen Alptraum erleben lĂ€sst.

Fazit:
Ein furioser Thriller mit verwickeltem Plot, dĂŒsterem Schauplatz und einem Herzinfarkt-Finale. Ich bin gespannt, ob es der Autorin gelingt, das mit ihrem nĂ€chsten Roman noch zu toppen.

Karla Schmidt: Die rote Halle.
Piper, Januar 2012.
320 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Martina Sprenger

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