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Wo ist die Grenze zwischen Pornografie und Erotik? Die 30 scharfen Geschichten in diesem Buch wandeln auf dem schmalen Grat.
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Douglas Hulik: Unter Dieben
Jetzt bestellen bei amazon.de! Hallo, ich bin Drothe. Manche nennen mich einen Gesch├Ąftsmann, andere einen Spitzel. Die korrekte Bezeichnung f├╝r das was ich mache ist aber in Jargon der Gosse Nase.
Ich bin eine Nase. Ich h├Âre mich auf den Stra├čen um, was vor sich geht, sammle Informationen, f├╝ge sie zusammen und ermittle die Hintergr├╝nde bevor ich sie verkaufe. Ich stehle, betr├╝ge, erpresse und manches Mal foltere ich auch.
Ich bin kein netter Mensch. Schlie├člich bin ich ein Mitglied der Kin. Aber der Mann f├╝r den ich arbeite ist noch viel unfreundlicher als ich. Nico, so sein Name ist ein Aufrechter, eine gro├če Nummer in Ildrecca. Doch dann werden seine Leute, die er in die Zehn Wege entsendet get├Âtet, jemand steigt ihm auf die Zehen und ich habe davon nichts mitgekriegt. Aua, die Aufmunterung von Nicos Schl├Ągern h├Ątte ich nun wirklich nicht gebraucht, habe ich doch auch noch eine private Sache am Laufen.

Kaum ermittle ich an einem Ort, an den ich eigentlich nie zur├╝ckkehren wollte, n├Ąmlich in meiner alten Heimat den zehn Wegen, sto├če ich auf Hinweise, die selbst mir Angst einjagen. Ein, nein gleich zwei Graue K├Ânige regen sich, zwei m├Ąchtige Strippenzieher im Hintergrund wollen sich zum Herrscher der Kin aufschwingen ÔÇô und das hat unweigerlich zur Folge, dass sich die kaiserlichen Falken einmischen werden ÔÇô und das verhei├čt Blut und Tr├Ąnen und das gewaltsame, schmerzhafte Ableben Vieler meines Volkes. Nun ist es ausgerechnet an mir, einer kleinen Nase das Verh├Ąngnis aufzuhalten ÔÇŽ


Was ist es, das uns Verbrecher per se so interessant erscheinen l├Ąsst? Ist es vielleicht die in uns allen tief verborgene Gewaltbereitschaft, die evolution├Ąre Kraft, die den bevorzugt, der sich skrupellos dem Verm├Âgen oder der F├Ąhigkeiten Anderer bedient, oder ist es das Machtgef├╝hl, das Verbrecher ausstrahlen, dass sie sich eben gerade Regeln nicht unterwerfen, dass sie aufbegehren, sich einfach r├╝cksichtslos nehmen, was sie wollen?
Die Antwort d├╝rfte schwer zu finden sein, Tatsache ist aber, dass Romane mit Protagonisten einer eher zweifelhaften Herkunft und Profession in letzter Zeit en Vogue sind. Huliks Roman f├╝gt sich hier ins Bild ein.

Vorliegender Band konzentriert sich fast g├Ąnzlich auf die Personen. ├ťber den Handlungsort, die Stadt Ildrecca erfahren wir so gut wie nicht, das mysteri├Âse Reich, das dahintersteht wird lediglich angedeutet. Selbst die Gassen der Viertel in denen unsere Nase unterwegs ist nehmen nicht wirklich Gestalt an.

Statt dessen punktet der Autor mit seinen Gestalten und ihrem Milieu. Angefangen bei Drothe ├╝ber seine verschiedenen Untergebene, seine Freunde aber auch seine Bosse, sie alle sind markante Gestalten. Allerdings, und das ist lediglich eine kleine Anmerkung, verhalten sich diese naturgem├Ą├č recht stereotyp. Gro├če ├ťberraschungen oder Entwicklungen sucht man hier vergebens.

Geschickt l├Ąsst der Autor die ganz spezielle Sprache der Gauner und Ganoven einflie├čen, erl├Ąutert im Nachwort, dass er sich hierbei neben seiner Phantasie auch realer Quellen bedient, sich den Gangster-Slang einverleibt hat.

Das Bild das er hier abliefert fasziniert mit einem ungewohnten Einblick in die verschachtelte Welt des organisierten Verbrechens. Dabei unterscheidet sich diese archaischen Variante nur rudiment├Ąr von dem wie die Triaden, die Mafia und Cosa Nostra heute organisiert sind. Die Machtpyramiden werden von gegenseitigen Verpflichtungen, von Gaunerehre und Gewaltdrohungen zusammengehalten.
Dass die Kin dabei ein unterdr├╝ckter, verarmter und weitgehend rechtloser Volksstamm sind, die ihre eigene Sprache und Kultur haben, die sie gleich einem eisernen Band zusammenschwei├čt tr├Ągt zur inneren Glaubw├╝rdigkeit des Romans bei.

Selbiger baut neben den vielen R├Ątseln, den Spuren und der Art und Weise, wie der Leser gezwungen ist, sich die Informationen um die Kin im Verlauf der Lekt├╝re selbst zu erschlie├čen auch auf die Gewaltdarstellungen auf. Es wird geschlagen, gefoltert und gemordet dass es eine wahre Pracht ist. Wer von derartigen Darstellungen abgesto├čen ist, der sollte das Buch au├čen vor lassen.
Wer aber Gefallen daran findet, sich eine fremde Welt selbst zu erschlie├čen, sich aus Gespr├Ąchen und Beschreibungen die Zusammenh├Ąnge zusammenzureimen, nicht alles ├╝ber plumpe Info-Dumps vorgekaut zu bekommen, der wird in eine faszinierende Welt eintauchen, die gerade weil sie gef├Ąhrlich und gewaltbereit ja brutal ist, uns sicher in unserem Lesesessel sitzende Rezipienten mit einer spannenden Geschichte an die Seiten fesselt.

Douglas Hulik: Unter Dieben.
Heyne, Februar 2012.
576 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Carsten Kuhr

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